Schlagsdorf (pm). Vor 65 Jahren am 13. August 1961 wurde die Mauer gebaut und die innerdeutsche Grenze geschlossen. Mit einer Veranstaltung erinnern der Landesbeauftragte M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung M-V, der BUND, der Deutsche Kulturrat und das Grenzhus am Donnerstag, 13. August 2026, an dieses Ereignis und versuchen, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu bauen.
Um 16 Uhr startet das Treffen an der Badestelle in Groß Thurow, um an ein individuelles Opfer des DDR-Grenzregimes zu erinnern: Am 31. Januar 1951 wurde auf dem Eis des Goldensees der zehnjährige Junge Harry Krause von einem DDR-Grenzpolizisten erschossen. Die Verwandlung der Demarkationslinie zwischen den Besatzungszonen in eine staatliche Grenze lag erst ein gutes Jahr zurück. Die DDR-Grenzpolizei war aufgefordert, die neuen Regeln auch mit Waffengewalt durchzusetzen. Außerdem stießen an der Trennlinie zwei verfeindete Blöcke aufeinander – der Kalte Krieg erlebte eine erste Hochphase. Doch unverändert überquerten viele Menschen ohne Erlaubnis die Grenze. Es wurde geschmuggelt, Menschen besuchten sich, klärten Familienangelegenheiten oder gingen auf Arbeitssuche.
Der Goldensee war ein Grenzgewässer und gehörte zur DDR. Die Grenzlinie verlief am Westufer. Als zwei DDR-Grenzpolizisten den Jungen in Richtung Grenze laufen sahen, gab einer einen Warnschuss ab, wie er später erklärte. Doch der Schuss tötete den Jungen. Der Schusswaffeneinsatz gegen Kinder war nicht erlaubt. Der Grenzpolizist erhielt eine Disziplinstrafe, doch gerichtliche Ermittlungsverfahren unterblieben. Da die Familie immer wieder eine Untersuchung der Tat einforderte, wurde sie 1952 zwangsausgesiedelt.
Das Schicksal des Jungen geriet in Vergessenheit, bis die Politologin Dr. Sandra Pingel-Schliemann auf den Fall stieß und Schüler der Freien Waldorfschule Schwerin Geld für ein Denkmal sammelten. 2016 übergab der Künstler Götz Schallenberg (1947-2017) seine Plastik der Öffentlichkeit. Jetzt steht das Denkmal an einem neuen und besser zugänglichen Standort.
Um 17 Uhr wird Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Schlagsdorf (Am Bülten 4, 19217 Schlagsdorf) fortgesetzt. Der Wandel des ehemaligen Grenzraumes in das Grüne Band wird dabei im Mittelpunkt stehen. Das 1989 initiierte Grüne Band vereint Naturschutz und Erinnerungsorte. Die Grüne-Band-App des berlinhistory e. V. setzt Maßstäbe und wird durch eine audiovisuelle Präsentation mit szenischer Lesung und Musik vorgestellt. Mit Hilfe der App ist eine Orientierung im Grünen Band unkompliziert möglich. Im anschließenden Podiumsgespräch geht es um den aktuellen Stand der Entwicklungen um das Grüne Band in den Bundesländern Mecklenburg Vorpommern und Schleswig-Hostein: Wird der Abschnitt in Mecklenburg Vormpommern als Nationales Naturmonument ausgewiesen, bleibt es eine Idee oder wächst es sogar zum Welterbe? Welche Perspektiven für den Naturschutz, die Erinnerungskultur und den Denkmalschutz bietet die Initiative? Wie steht es um die länderübergreifende Zusammenarbeit? Es diskutieren Maria Boness (Zweckverband Schaalsee-Landschaft), Dr. Ramona Dornbusch (Landesamt für Kultur und Denkmalpflege M-V), Anke Hollerbach (Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe), Jörn Brunotte (Welterbe-Büro, Berlin) und Jochen Schmidt (LpB M-V).
Der Tag endet mit Gesprächen bei einem Imbiss und Getränken. Der Eintritt ist frei, um eine Anmeldung für diese Veranstaltung wird gebeten, per Email an tagung@lamv.mv-regierung.de oder unter der Telefonnumer 0385/ 734006.










