Schlagsdorf (pm/aa). Im Begleitprogramm zur Sonderausstellung über Michael Gartenschläger referiert Dr. Jochen Staadt (FU Berlin) am Donnerstag, 29. Mai, um 19 Uhr im Grenzhus über das Thema „Die Splittermine SM 70 am DDR-Grenzzaun. Produktentwicklung, politisch Verantwortliche und Opfer der Selbstschussanlagen“.
Die Waffe wurde in den 1960er Jahren entwickelt, um die DDR-Grenzanlagen noch unüberwindbarer zu machen. Ihre tödlichen Wirkungen auf Menschen nahmen die Verantwortlichen als Abschreckung bewusst in Kauf. Ab 1971 wurde die SM 70 am Streckmetallzaun montiert. Michael Gartenschläger, der drei Mal versuchte, eine solche Mine abzubauen, wurde beim dritten Versuch durch ein Stasi-Spezialkommando erschossen.
Entgegen den Erwartungen der Verantwortlichen entwickelte sich die Waffe aufgrund von Grenztoten, -verletzten und technologischen Mängeln Anfang der 1980er Jahre zu einem Kernproblem der DDR-Grenzsicherung. Eines der letzten Opfer war der Wismarer Ingenieur Harry Weltzin, der nahe Kneese beim Untergraben des Grenzzauns Splitterminen auslöste und dabei getötet wurde. Für die DDR-Grenztruppen überraschend verkündete Erich Honecker im Oktober 1983 den Abbau aller Minen an der innerdeutschen Grenze.
Dr. Jochen Staadt, Spezialist für die Geschichte der SED-Diktatur und der DDR-Grenzsicherung, geht in seinem Vortrag den Fragen nach, wie es zum An- und Abbau der SM 70 kam, wer die politische Verantwortung trug und wer die Opfer waren. Der 1950 geborene Historiker studierte Germanistik und politische Wissenschaft an der FU Berlin und war bis 2024 Projektleiter am SED-Forschungsverbund der FU. Gemeinsam mit Professor Klaus Schroeder koordinierte und publizierte er das Forschungsprojekt „Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes“.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten unter der Telefonnummer 038875/20326 oder per Email an info@grenzhus.de. Für die Öffentlichkeitsarbeit steht kostenfreies Bildmaterial zur Verfügung.











