Ratzeburg (pm). Rund ein dreiviertel Jahr haben Studierende der Technischen Hochschule Lübeck die ‚Partnerschaft für Demokratie‘ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen bei der Erstellung einer Situations- und Ressourcenanalyse unterstützt. Das Ergebnis wurde auf der jüngsten Sitzung des ‚Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland‘ vorgestellt. Hintergrund für die Erarbeitung dieser Analyse war eine Förderauflage aus dem Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘, die alle ‚Partnerschaften für Demokratie‘ im Bundesgebiet zu erfüllen hatten.
Unter Vermittlung von Evans Gumbe, der die ‚Partnerschaft‘ in Stadt und Amt in Fragen von Rassismus und Diskriminierung berät, übernahm das ‚International Office‘ der TH Lübeck 2025 diese Aufgabe. Sechs Studierende mit unterschiedlichen Herkunftsperspektiven entwickelten dabei anhand eines vorgegebenen Fragekataloges des Bundesprogramms ein Forschungskonzept mit Dokumentenanalysen und neun Gruppen- und Einzelinterviews, aus denen sich die spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten im Fördergebiet der ‚Partnerschaft für Demokratie‘ beschreiben ließen.
„Die Studierenden haben mit kommunalen Verantwortungsträgern in Stadt und Amt, mit den verantwortlichen Mitarbeitern der ‚Partnerschaft‘, mit Mitarbeitern des Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus der AWO S.H., mit der Leitung der städtischen Jugendzentren sowie mit Betroffenen von Rassismus gesprochen, ebenso mit den Mitgliedern des ‚Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland‘, das die ‚Partnerschaft‘ als Entscheidungsgremium inhaltlich ausgestaltet. Dazu haben sie umfangreiche sozio-ökonomische Daten zum Fördergebiet erhoben und sich mit Erkenntnissen zu Extremismusphänomenen vor Ort befasst“, beschreibt Mark Sauer vom federführenden Amt der Stadt Ratzeburg diesen langwierigen Prozess.
Die umfangreiche Arbeit der Studierenden wurde von der Koordinierungs- und Fachstelle der ‚Partnerschaft für Demokratie‘ in einer 70-seitigen Broschüre zusammengefasst. Sie soll für die weitere Arbeit der ‚Partnerschaft‘ handlungsleitend sein und die zukünftigen Schwerpunkte der Projektförderungen bis 2032 beschreiben.
‚Partnerschaft für Demokratie‘ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen
Die ‚Partnerschaft für Demokratie‘ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen wird seit 2017 über das Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit jährlich 125.000 € unterstützt, um vor Ort Projekte zur Demokratiestärkung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention fördern zu können. In bislang zwei Förderperioden (2017 – 2019 / 2020 – 2024) wurden gemeinsam 125 Projekte mit über 500 Euro und 83 Kleinprojekte mit unter 500 Euro im Sinne der Demokratiestärkung, der Extremismusprävention und der Vielfaltgestaltung gefördert und in Stadt und Amt umgesetzt. Im Schnitt wurden dabei jährlich rund 3.350 aktive Mitwirkende (Projektteilnehmer) und 7.450 Beteiligte (Besucher, Zuhörer, Kampagnen, Beratungen) erreicht, darunter rund 2.650 aktiv mitwirkende junge Menschen. In dieser Zeit konnten auch beachtenswerte und nachhaltige Strukturen in Stadt und Amt entwickelt werden. Als Beispiele sind die gemeinsame Entwicklung eines Inklusionsbeirates oder die gemeinsame Entwicklung eines 10-Punkte-Aktionsplans gegen Rassismus und Diskriminierung, der zur Mitgliedschaft von Stadt und Amt in der ‚Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus – European Coalition against Racism (ECCAR)‘ führte, zu nennen.
„Als ich die Zusammenfassung der Bündnisarbeit der ‚PfD‘ gelesen habe, war ich tief beeindruckt. Es hat mit Leidenschaft und Weitsicht Projekte gefördert, die unsere Gesellschaft stärker, vielfältiger und widerstandsfähiger machen. Über 200 Projekte, tausende Mitwirkende und konkrete Ergebnisse wie der Inklusionsbeirat oder der Aktionsplan gegen Rassismus zeigen: Hier wird nicht nur über Demokratie geredet – hier wird sie jeden Tag gelebt“, sagt Bündnisvorsitzende Gesine Biller.
Im Ergebnis ist in der Zivilgesellschaft ein aktives und vertrauensvoll zusammenarbeitendes Netzwerk von unterschiedlichen Akteuren und Institutionen in Stadt und Amt erwachsen, das sich achtsam und engagiert für die freiheitliche demokratische Grundordnung einsetzt. Erfreulicherweise ist anzumerken, dass die Gesamtfördersumme aus dem Bundesprogramm für die ‚Partnerschaft‘ ab 2026 auf 140.000 € steigen wird.











