Ratzeburg (pm). Wer bin ich – und wer darf ich sein? Zu wem gehöre ich – und wer gehört zu mir? In unserem Alltag, in Organisationen, in unserer Gesellschaft ziehen wir ständig Grenzen. Manche bewusst, viele unbewusst. Wir sprechen von „den Schülern“, „den anderen Klassen“ oder „der Politik“. Und plötzlich sind da zwei Gruppen entstanden: »Wir – und die anderen«. So lässt sich die Aufgabenstellung beschreiben, unter der die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. in den vergangenen Wochen einen Kunstwettbewerb an den weiterführenden Schulen in Ratzeburg organisiert hat. Mit insgesamt sechs 7. Klassen der Lauenburgischen Gelehrtenschule und der Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen wurden diese Fragen diskutiert, über Ausgrenzung und Rassismus, aber auch darüber, was uns zusammenhält. Die Ergebnisse wurden in über 60 Bildern gefasst, von denen die Schülerinnen und Schüler insgesamt 34 für die Ausstellungsreihe ‚Dörfer zeigen Kunst‘ auswählten. Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff hatte sich dafür stark gemacht, dass diese beeindruckenden Arbeiten dort einen würdigen Resonanzraum erhalten.
Begleitet wurde dieser Kunstprozess durch Evans Gumbe und Gesine Gondesen, die sich im Rahmen der örtlichen Antirassismusarbeit für die Jugendlichen als offene Gesprächspartner anboten und so den kreativen Prozess unterstützten. „Wir haben den Kindern zu vermitteln gesucht, dass das ‚Wir‘ nicht durch Abgrenzung, sondern durch Begegnung entsteht und dass die ‚Anderen‘ oft nur Menschen sind, denen wir noch nicht begegnet sind“, sagt Evans Gumbe. Die künstlerische Begleitung des Projektes wurde von zwei Fachkräften der weiterführenden Schulen in Ratzeburg übernommen.
„Diesen Kunstwettbewerb zu organisieren, hat sich zu einem wahren Herzensprojekt entwickelt. Die Energie und Begeisterung, mit der die Jugendlichen am Thema gearbeitet haben, war bewegend“, sagt Silvia Tessmer von der Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. Sie hat die ausgewählten Exponate an mehrere der Ausstellungsorte von „Dörfer zeigen Kunst“ verteilt und hofft auf möglichst viel Resonanz der Besucher. „Wir wünschen uns Kommentare zu diesen Bildern, aus denen wir auf unserer Abschlussveranstaltung mit allen teilnehmenden Schülerinnen und Schülern zitieren wollen“, so Silvia Tessmer. Was dort sonst noch passieren wird, um das Engagement der Schülerinnen und Schüler entsprechend zu würdigen, bleibt eine Überraschung. Zu finden sind Bilder des Kunstwettbewerbes in Bäk, Berkenthin, Einhaus, Kittlitz, Kulpin, Ratzeburg, Salem, Sterley, Thandorf und Ziethen. Im Anschluss an ‚Dörfer zeigen Kunst‘ wird die gesamte Ausstellung noch einmal im Zeitraum vom 17. August bis zum 02. September 2026 in der Stadtbücherei Ratzeburg gezeigt.

Der Kunstwettbewerb wurde gefördert von der ‚Partnerschaft für Demokratie‘ der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgischer Seen im Rahmen des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!‘. Die Arbeitsgruppe »Antirassismusarbeit im ländlichen Raum« des Bündnisses für ‚Demokratie und Menschenrechte in Ratzeburg und Umland‘ begleitete den Wettbewerb.











