Sonderbericht des Weltklimarats: Meeresspiegel könnte noch stärker steigen als bislang angenommen

Umweltminister Jan Philipp Albrecht: "Der aktuelle IPCC-Bericht bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen. So alarmierend das Szenario ist – mit unserer Küstenschutzstrategie sind wir darauf vorbereitet"

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Kiel (pm). Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat heute den neuen Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre (Eismassen an Land) in einem sich wandelnden Klima vorgelegt. Demnach ist zu erwarten, dass der Meeresspiegel global deutlich stärker steigt als bislang angenommen. Im aktuellen Bericht geht der Weltklimarat von einem Anstieg zwischen 0,61 Meter und 1,10 Meter als wahrscheinliche Spannweite bis zum Jahr 2100 aus. Im letzten Bericht von 2013 hatten die Experten noch einen Anstieg zwischen 0,26 und 0,82 Metern als wahrscheinliche Spannweite abgeleitet.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht: „Der aktuelle IPCC-Bericht bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen. Klimawandel und Erderwärmung schreiten dramatisch voran. Die Eismassen an den Polen schmelzen noch schneller als bislang angenommen und die Meeresspiegel steigen noch deutlicher. Für Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren ist das eine besonders schlechte Botschaft. Das zeigt, dass wir dringend heute handeln müssen, um morgen noch Chancen auf ein intaktes Klima zu haben. So alarmierend das Szenario ist – mit unserer Küstenschutzstrategie sind wir grundsätzlich darauf vorbereitet.“

Angesichts der IPCC-Projektionen und der Stagnation in den internationalen Bemühungen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren, gehen Bund und Küstenländer für Vorsorgezwecke vom einem „Weiter-wie-bisher-Szenario“ aus (RCP8.5-Szenario des IPCC). Dieses setzt voraus, dass es bis 2100 global zu keiner maßgeblichen Absenkung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre kommen wird.

Der Bericht bildet wie bereits die vorherigen IPCC-Berichte die wesentliche Grundlage für die Fortentwicklung der schleswig-holsteinischen Anpassungsstrategien an den sich beschleunigenden Klimawandel. Die Sturmflutwasserstände an den deutschen Küsten werden entsprechend dem mittleren Meeresspiegelanstieg höher ausfallen. „Wir müssen und wir werden die Erkenntnisse des IPCC in unseren Planungen für den Küstenschutz berücksichtigen. Mit dem derzeitigen Klimazuschlag und dem Konzept des Klimadeiches sind wir in der Lage, in zwei bis drei Bauphasen die Sturmflutsicherheit auch bei einem Meeresspiegelanstieg von bis zu zwei Metern erhalten zu können. Schleswig-Holstein ist im Bereich Küstenhochwasserschutz damit sehr gut aufgestellt. Die Sturmflutsicherheit an unseren Küsten ist nach derzeitigem Stand bis zum Ende dieses Jahrhunderts gewährleistet“, sagte Albrecht.

In Schleswig-Holstein wird bereits seit 2001 ein Klimazuschlag von 0,5 Metern bei der Verstärkung der Landesschutzdeiche berücksichtigt. Seit 2009 wird zusätzlich eine Baureserve für spätere Verstärkungen eingeführt, die 2018 schließlich zum Konzept des Klimadeiches erweitert wurde. Gleichwohl werden in Folge des beschleunigten Meeresspiegelanstiegs das Wattenmeer und die sandigen Küsten langfristig zunehmend von Erosion und Küstenabbruch betroffen sein. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ist mit Sedimentdefiziten im Wattenmeer und dadurch zurückgehenden Wattflächen und Salzwiesen zu rechnen. Für den Küsten- und den Naturschutz hat das Wattenmeer eine überragende Bedeutung. Die 2015 von der Landesregierung verabschiedete „Strategie Wattenmeer 2100“ sieht als eine in Betracht zu ziehende Anpassungsoption das Ausgleichen dieser Defizite durch Einbringen von Material zum Beispiel aus der Nordsee an geeigneten Stellen vor. An der sandigen Ostseeküste ist infolge des beschleunigten Meeresspiegelanstiegs mit stärkeren Küstenabbrüchen zu rechnen – dann auch an Stellen, die heute noch stabil sind. Im Sommer dieses Jahres hat die Landesregierung ergänzend die Erstellung einer Anpassungsstrategie für die Ostseeküste beschlossen. Da in der schleswig-holsteinischen Ostsee anders als in der Nordsee keine gewinnbaren Sedimentvorkommen vorhanden sind, ist das Einbringen von Material als Anpassungsstrategie regelmäßig nicht zielführend. Hier gilt es, anderweitige Anpassungsoptionen – zum Beispiel raumordnerische Maßnahmen – zu entwickeln.

„Neben diesen strategischen Grundlagen und den bereits entwickelten Anpassungsmaßnahmen wird Erhaltung und Unterhaltung unserer Küstenschutzanlagen aufgrund der zunehmenden Belastungen zukünftig einen höheren personellen und finanziellen Aufwand nach sich ziehen. Dem werden wir uns sowohl innerhalb der Landesregierung wie auch in der Gesellschaft zu stellen haben und festlegen müssen, was uns die Sicherheit an unseren Küsten Wert ist“, so Minister Albrecht.
Hintergrund Küstenschutz:

Der durchschnittliche Mittelansatz für den Küstenschutz in Schleswig-Holstein beläuft sich auf zirka 70 Millionen Euro jährlich. Hiervon entfallen zirka 47 Millionen Euro auf investive Maßnahmen (Deichverstärkungen, Sandvorspülungen, Vorlandaufbau und Verstärkung der konstruktiven Bauwerke wie Sperrwerke und Siele sowie Fördermaßnahmen in der Trägerschaft von Gemeinden und Wasser- und Bodenverbänden) sowie zirka 23 Millionen Euro auf die Unterhaltung der Küstenschutzanlagen in der Trägerschaft des Landes. In der Küstenschutzverwaltung des Landes sind rund 450 Mitarbeiter beschäftigt. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH) hält für die Versorgung der Baustellen des Landes auf den Inseln und Halligen eine Schiffsflotte vor.

2019 sind für die Küstenschutzmaßnahmen inklusive Unterhaltung der Anlagen insgesamt rund 77 Millionen Euro eingeplant. Neben den bereits laufenden und in diesem Jahr fertig zu stellenden Arbeiten zur Deichverstärkung Dagebüll Nord und Seestermüher Marsch laufen noch die mehrjährigen Deichverstärkungen Hauke-Haien-Koog und Eiderdamm Süd. Angelaufen sind 2019 die Arbeiten für die Verstärkung der Hanswarft auf Hooge, der Treubergwarft auf Langeneß und Norderwarft auf Nordstrandischmoor. Des Weiteren laufen die Planungen für die in den Folgejahren anzugehenden Deichverstärkungen (unter anderen Eiderdamm Nord, im nödlichen Eiderstedt (Simonsberger Koog, Uelvesbüller Koog und Adolfskoog), Dunsum / Utersum auf Föhr sowie die Nördliche Seeniederung auf Fehmarn), für die die Zulassungsverfahren nach Abschluss der Planungen noch durchzuführen sind.

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