Groß Grönau: Goldledertapete in Kanzel wird restauriert

Deutsche Stiftung Denkmalschutz gibt 9.000 Euro für Restaurierungsarbeiten .

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Eva Kümmel zeigt die Schäden der Goldledertapete. Foto: Niemann
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Groß Grönau (pm). Eine Tapete aus Leder? Hört sich komisch an, gibt es aber. Und dann ist sie auch noch golden, sehr alt und reparaturbedürftig. Zu finden ist sie im Aufgang der alten Holzkanzel in der St.-Willehad-Kirche Groß Grönau.

„Diese Tapete ist einmalig; es ist die erste, die ich in einer Kirche sehe“, erzählt Eva Kümmel, Diplom-Restauratorin für Objekte aus Textilien und Leder. Die Lübeckerin ist seit Ende vorigen Jahres dabei, die Schäden aufzunehmen und erste Arbeiten – wie vorsichtiges Säubern, erste Retuschierungen und gelöste Ecken befestigen – zu erledigen. Durch Verschmutzungen und Einlagerung von Feuchtigkeit sind Risse und Ablösungen beziehungsweise Fehlstellen entstanden. Verformungen vergrößern die Gefahr des Abbrechens von Lederbestandteilen. Die Farben sind durch Lichteinwirkung stark ausgeblichen oder in Bereichen des Goldlacks geschwärzt. Die Kosten für die bis Juni veranschlagten Arbeiten betragen 15.700 Euro, wovon die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) einen Großteil mit 9.000 Euro übernimmt. Den Rest teilen sich die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis, die Nordkirche und das Landesamt für Denkmalpflege.

„Ich freue mich sehr, Überbringerin der Förderzusage für dieses wunderbare Projekt zu sein“, sagt Susanne Backhaus, Ortskuratorin Mölln der DSD. Die Stiftung unterstütze nur besondere und wertvolle Projekte, das sei ein Qualitätsmerkmal. Nun setzt Eva Kümmel alles daran, die aus 25 Einzelteilen und 16 Bordürenstücken bestehende Goldledertapete auf Vordermann zu bringen. Datiert wird das geprägte und punzierte Kunstwerk Ende des 17. Jahrhunderts, die Holzkanzel selbst stammt aus dem Jahr 1602. „Das Leder der Tapete wurde versilbert und dann mit goldener Farbe lackiert. So erhielt es seine Leuchtkraft“, berichtet Kümmel. Die Details wurden mit Harz-Öl-Farbe aufgemalt.

Restauratorin Eva Kümmel, Susanne Backhaus von der DSD, André Schlesselmann, Fundraising Kirchenkreis (oben auf Treppe), Pastorin Samone Fabricius, Prädikant Uwe Borchert und Josiena von Samson-Himmelstjerna.

„Nach der Restauration der Holztaufe und der Orgelsanierung ist dieses Prachtstück nun das i-Tüpfelchen“, freut sich Pastorin Samone Fabricius. Sie sei schon sehr besorgt gewesen, dass die Goldtapete ganz kaputtgeht, da die Ecken der Tapete sehr herunterhingen. „Doch nun wird alles gut“. St. Willehad gehört somit zu den über 200 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden, Erträge ihrer Treuhandstiftungen und Mittel der Glücks-Spirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Schleswig-Holstein fördern konnte.