Acht Babys an einem Tag!

Geburtenrekord im DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg.

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Alle an einem Tag geboren (v.l.): Johann (55 Zentimeter groß/4.380 Gramm schwer), Lotte (51/3.740), Fkra Marjam (51/3.180), Hendrik (50/3.000), Joris (52/3.850), Hauke (50/3.450) und Joni Minna (53/3.730). Nicht dabei: Paul (49/2540). Foto: hfr
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Ratzeburg (pm). Es war ein unerwartetes aber auch ein herausragendes Ereignis. Wie aus heiterem Himmel brach auf der ‚Geburtshilflichen Abteilung‘ des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg ein Orkan los. Innerhalb von dreizehn Stunden mussten Hebammen, Gynäkologen und Krankenschwestern im Kreißsaal und in den Stationszimmern Schwerstarbeit verrichten. Dort, wo im Schnitt ein Baby pro Tag geboren wird, kamen am vergangenen Mittwoch (27. Juni) gleicht acht Babys zur Welt. Soviel wie noch nie in der 129-jährigen Geschichte des DRK-Krankenhauses.

Um 22 Uhr kam die erste Schwangere auf die Station. „Auch bei der vierten habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, erzählt Gabriela Kersten, die seit 17 Jahren im DRK-Krankenhaus als Hebamme arbeitet, und am Tag zuvor für die Aufnahme zuständig war. “Dann aber fragte ich mich schon, was bloß los sei.“ Bis 6 Uhr kamen noch die Frauen fünf, sechs und sieben auf die Geburtshilfliche Abteilung, ungewiss, wann tatsächlich entbunden wird. Die achte Hochschwangere brachte der Rettungswagen um 6.01 Uhr. „Spätestens da war klar, dass das kein ruhiger Arbeitstag wird“, lacht die Gynäkologin Susanne Ahrendt, die am Ende dieses ungewöhnlichen Tages sieben der acht Neugeborenen mit zur Welt gebracht hatte und auch für das erste Neugeborene des folgenden Tages um 3.45 Uhr die ärztliche Verantwortung trug.
Einen Tag vor dem Babyboom setzten bei Jennifer Hamester aus Ritzerau (bei Nusse) nach Mitternacht die Wehen ein, zehn Tage vor dem Stichtag. Doch die 32j-jährige blieb ruhig, ließ sich um 1.30 Uhr zusammen mit ihrem Mann von ihrem Schwiegervater ins Krankenhaus fahren, „weil es gut ist, wenn der aufgeregte Ehemann nicht am Steuer sitzt.“ Um 7.30 Uhr hielten die überglücklichen Eltern ihren Sohn Hauke im Arm, 50 Zentimeter groß und 3.450 Gramm schwer. Der war der Startschuss für einen Baby-Marathon.

31 Minuten später strahlte auch eine erleichterte Johas Asres (25) aus Eritrea, die der Notfallwagen aus Mölln gebracht hatte. Keine Komplikationen. Alles in Ordnung mit ihrem Söhnchen Fkra Marjam Albersa, dessen Brüderchen 2016 auch im DRK-Krankenhaus geboren wurde. Und es ging munter weiter: Johann erblickte um 8:57 Uhr das Licht der Welt, Hendrik um 10.59 Uhr, Lothar um 11.28 Uhr, Paul um 12.45 Uhr. Für die Hebammen Monika Sieber (64) und Angelika Becker (62), wohl die erfahrensten Kräfte im Hebammen-Team, sicherlich eine Herausforderung, nichts aber, was sie wirklich aus der Fassung brachte. Um 18.20 Uhr kam Joris zur Welt, um 20.38 Uhr schließlich noch Joni Minna, aufmerksam begleitet von Hebamme Antje Peters. Annette Ammardjia und Katrin Wüst fungierten als Bindeglied, die die Mütter und Neugeborene auf den Stationszimmern versorgten und jeden der drei Kreißsäale nach einer Entbindung sofort wieder auf Vordermann brachten.

Wie aber ist die außergewöhnliche Baby-Flut vom 27. Juni zu erklären? Lag es vielleicht am Wetter? Von Sonntag auf Dienstag waren die Temperaturen um acht Grad angestiegen. Oder spielte doch der Mond Schicksal, der einen Tag später in voller „Blüte“ stand? An dem peinlichen Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft kann es nicht gelegen haben, da bei Abpfiff gegen Südkorea im DRK-Krankenhaus schon sechs Babys geboren waren. Vielleicht schaut man einfach neun Monate zurück. Im September des vergangenen Jahres war es in Deutschland fast überall zu kalt.