Herzogtum Lauenburg (pm). Der SPD-Kreisverband Herzogtum Lauenburg fordert den Kreis auf, sich frühzeitig und entschlossen um Angebote des geplanten schleswig-holsteinischen Azubiwerks zu bemühen. Ziel solle es sein, auch im Herzogtum bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende zu schaffen. Dabei dürfe sich der Blick nicht allein auf den Neubau eines klassischen Wohnheims richten. Ebenso müssten die Umnutzung leerstehender oder künftig frei werdender Gebäude sowie die Nutzung geeigneter Grundstücke geprüft werden. Auch Wohngemeinschaften, Mikroapartments und weitere Formen des jungen Wohnens kämen infrage.
Die Landesregierung hatte ihre Pläne für das Azubiwerk Anfang 2026 vorgestellt. Die landesweite Einrichtung soll Auszubildende ähnlich unterstützen, wie das Studentenwerk Studierende unterstützt. Ein Schwerpunkt soll auf der Schaffung bezahlbaren Wohnraums liegen. Für das Azubiwerk ist ein jährlicher Landeszuschuss von bis zu sieben Millionen Euro vorgesehen.
„Das Azubiwerk ist eine große Chance für Schleswig-Holstein. Diese Chance darf aber nicht nur in den großen Städten wie Kiel und Lübeck ankommen. Wer erst aktiv wird, wenn alle Entscheidungen gefallen sind, läuft Gefahr, am Ende nicht berücksichtigt zu werden.“, erklärt die Kreisvorsitzende der SPD Herzogtum Lauenburg, Cira Ahmad.
Erst den Bedarf ermitteln, dann konkrete Projekte entwickeln
Nach Auffassung der SPD sollte der Kreis eine regionale Bedarfsanalyse in Auftrag geben. Es müsse untersucht werden, wie viele Auszubildende Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben und an welchen Orten entsprechende Angebote besonders sinnvoll wären.
Dabei müsse nicht zwangsläufig ein großes neues Wohnheim auf der grünen Wiese entstehen. Denkbar seien auch die Umnutzung geeigneter Bestandsgebäude, kleinere Wohnanlagen, möblierte Apartments, Wohngemeinschaften oder zeitweise Unterkünfte. Auch kreiseigene und kommunale Grundstücke sowie leerstehende Immobilien sollten systematisch betrachtet werden.
„Wir brauchen zunächst verlässliche Zahlen und anschließend ein umsetzbares Konzept“, erklärt Gitta Neemann Güntner, sozial- und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Kreistagsfraktion. „Das darf aber keine Ausrede dafür sein, jahrelang nur zu prüfen. Die Bedarfsanalyse muss der Auftakt für konkrete Projekte noch in diesem Jahr sein, vorstellbar sind Bezirksfachklassen für Handwerksberufe in Mölln mit Unterbringung vor Ort, denn wir haben als Kreis über 25 Millionen Euro in unser BBZ gesteckt und es gehört zu den modernsten im Land, das müssen wir erhalten,“ ergänzte sie.
„Während andere Städte und Kreise Flächen bereitstellen, Projekte entwickeln und unterschiedliche Wohnformen erproben, fehlt bei uns bislang eine erkennbare kreisweite Strategie für das Azubiwohnen“, so Cira Ahmad. „Gute und bezahlbare Wohnmöglichkeiten machen unsere Region für junge Menschen attraktiver. Davon profitieren nicht nur die Auszubildenden, sondern auch unsere Betriebe, unsere Kommunen und der gesamte Kreis“, ergänzt die Kreisvorsitzende.
Bezahlbares Wohnen kann das BBZ Mölln stärken
Für den SPD-Kreisverband ist das Thema eng mit der Zukunft des Berufsbildungszentrums Mölln verbunden. Das BBZ ist der zentrale berufliche Bildungsstandort des Kreises. Gleichzeitig stehen einzelne Ausbildungsgänge aufgrund geringer Klassenstärken unter Druck. Bei einigen Berufen besteht die Gefahr, dass der Berufsschulunterricht an andere Standorte verlagert wird. Dadurch verlängern sich die Wege für Auszubildende, während der Ausbildungsstandort Mölln weiter geschwächt wird.
„Wir müssen dringend gegensteuern, damit unser Kreis langfristig als starker und vielseitiger Ausbildungsstandort erhalten bleibt“, erklärt Neemann Güntner. „Bezahlbarer Wohnraum kann dazu beitragen, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Herzogtum zu gewinnen und bestehende Ausbildungsgänge zu stabilisieren.“
Kreishandwerksmeister Markus Räth begrüßt Initiativen, die den beruflichen Bildungsstandort in der Region stärken: „Das Handwerk begrüßt alle Initiativen zur Stärkung des Berufsstandortes in Mölln. Alle künftigen Entscheidungsträger sollten diesen Prozess positiv begleiten.“
Kreis soll frühzeitig das Gespräch mit dem Land suchen
Der Kreis müsse sich frühzeitig als möglicher Standort beziehungsweise Kooperationspartner positionieren und die besonderen Bedürfnisse des ländlichen Raums in die landesweite Bedarfsanalyse einbringen. Dazu gehöre auch, gegenüber dem Land deutlich zu machen, dass die Schaffung von Wohnraum für Auszubildende nicht auf die großen Städte Schleswig-Holsteins beschränkt bleiben dürfe.
Um die verschiedenen Beteiligten zusammenzubringen und die nächsten Schritte zu beraten, lädt der SPD-Kreisverband Herzogtum Lauenburg zu einem regionalen runden Tisch zum Azubiwohnen ein. Beteiligt werden Vertreterinnen und Vertreter der Städte und Gemeinden, der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer, der Wirtschaftsförderung, der Innungen, der Ausbildungsbetriebe und der Wohnungsunternehmen. Auch das Berufsbildungszentrum Mölln sowie Auszubildende selbst sollen in die Beratungen einbezogen werden.
„Das ist zunächst ein Aufschlag. Aber es muss der Beginn einer ernsthaften Initiative sein. Wir wollen, dass junge Menschen im Herzogtum Lauenburg eine gute Ausbildung erhalten, bezahlbar wohnen können und eine echte Zukunftsperspektive haben. Das stärkt das BBZ, unsere Betriebe und den gesamten Kreis“, betont Cira Ahmad.










