Ratzeburg (pm). Die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Herzogtum Lauenburg steht vor wachsenden Herausforderungen. Das zeigt der jetzt vorgestellte Jahresbericht 2025: Mit 1.250 Beratungsfällen verzeichnet die Einrichtung einen deutlichen Anstieg – rund 100 Fälle mehr als im Vorjahr und über 400 mehr als noch 2014.
„Hinter diesen Zahlen stehen nicht nur einzelne Personen, sondern häufig ganze Familien, die von Überschuldung betroffen sind“, sagt Juliane Müller-Mordhorst, Fachbereichsleiterin der Schuldnerberatung. Von Überschuldung spricht man, wenn das Einkommen dauerhaft nicht mehr ausreicht, um laufende Kosten und Verbindlichkeiten zu decken.
Auffällig ist laut Bericht, dass zunehmend Menschen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft Hilfe suchen. Während 2020 nur etwa zehn Prozent der Ratsuchenden über ein Einkommen von mehr als 2.000 Euro verfügten, liegt dieser Anteil inzwischen je nach Standort zwischen 21 und 28 Prozent. „Überschuldung ist längst kein Randphänomen mehr“, betont Müller-Mordhorst. „Gleichzeitig werden die Fälle komplexer – etwa durch rechtliche Fragestellungen, die deutlich mehr Beratungsaufwand erfordern.“
Parallel dazu wächst die Zahl der Ratsuchenden mit psychischen Erkrankungen deutlich. Depressionen, Angststörungen und Suchtprobleme spielen eine immer größere Rolle. Viele Betroffene befinden sich zudem in akuten Krisensituationen – etwa bei drohenden Stromsperren oder Mietkündigungen. „Wir erleben immer häufiger, dass mehrere Problemlagen gleichzeitig vorliegen“, so Müller-Mordhorst. „Das macht die Beratung deutlich zeitintensiver.“ Ein wesentlicher Faktor sind die stark gestiegenen Wohn- und Energiekosten. Immer mehr Haushalte müssen monatlich über 1.000 Euro für Miete, Nebenkosten und Strom aufbringen – bei gleichzeitig begrenzten Einkommen.
Auch strukturelle Entwicklungen verschärfen die Lage: Der Anteil älterer Ratsuchender steigt ebenso wie die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund. Sprachbarrieren, fehlende Unterstützungssysteme und Scham erschweren oft den Zugang zur Hilfe.
Für Ulf Kassebaum, Leiter der Diakonie, zeigt der Bericht vor allem den Handlungsbedarf auf struktureller Ebene: „Unsere Mitarbeitenden arbeiten am Limit. Bei steigenden Fallzahlen und wachsender Komplexität brauchen wir eine verlässliche Finanzierung, um die Beratung dauerhaft sicherzustellen.“ Gleichzeitig fordert Kassebaum einen stärkeren Fokus auf Vorbeugung: „Finanzielle Bildung und präventive Angebote müssen endlich strukturell gestärkt werden – sonst verschärfen sich die Probleme weiter.“
Der Jahresbericht mache deutlich, dass Überschuldung längst breite Teile der Gesellschaft erreicht habe. Kassebaum: „Es kann jeden treffen. Umso wichtiger ist es, dieses Angebot zu sichern – für die Betroffenen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“










