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Titel Herzogtum Lauenburg Büchen

Gudows Bürgerinitiative warnt vor Windpark-Plänen in sensibler Region

von Andreas Anders
April 17, 2026
Landesregierung legt aktuellen Zeitplan zur Windplanung fest

Foto: pixabay.com

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Gudow (aa/pm). In den kommenden Gemeinderatssitzungen in Gudow soll über die Ausweisung zusätzlicher Flächen für Windenergieanlagen entschieden werden. Neben den bereits vom Land Schleswig-Holstein geplanten Vorrangflächen prüfen zwei Betreiber – die BayWa r.e. und die Trave Energie – weitere Potenzialflächen südlich des Gudower Sees sowie in Kehrsen, nördlich von Gudow. Die Bürgerinitiative (BI) „Naturpark statt Windpark“ warnt vor den Folgen für das einzigartige Ökosystem der Region und wirft rechtliche Fragen auf.

Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung

Gudow liegt im Süden des Naturparks Lauenburgische Seen, direkt am „Grünen Band“ – der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die heute als Biotopverbund zwischen dem Naturpark und dem UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern dient. Das Gebiet ist Teil des EU-weit geschützten Natura-2000-Netzwerks: Das Flora-Fauna-Habitat (FFH) „Hellbachtalgebiet Drüsensee bis Gudower See und umliegende Wälder“ (Gebietsnummer DE 2430391) gilt als Kernaktionsraum (KAR 20) und dient dem Erhalt gefährdeter Lebensräume und Arten. Dazu gehören unter anderem das Kehrsener Moor, das Moor am Sarnekower See sowie die eiszeitlich geprägte Seenkette des Hellbachtals mit Gudower See, Sarnekower See, Lotsee und Schwarzsee.

Seit Jahrzehnten wurden hier Millionen an EU- und Landesmitteln in den Naturschutz investiert. Der Zweckverband Schaalsee-Landschaften, NABU, BUND und lokale Akteure wie die Ranger der Kreisforsten und die Naturparkverwaltung haben durch Flächenankäufe, Pflegemaßnahmen und Umweltbildungsarbeit dazu beigetragen, dass sich in der Region ein Mosaik aus seltenen Ökosystemen entwickeln konnte. „80 Jahre lang, seit Kriegsende, konnte sich die Natur hier erholen“, betont Sigrid Konkel, Sprecherin der BI „Naturpark statt Windpark“ und Anwohnerin aus Gudow. „Und nun sollen Bulldozer alles zerstören?“

Kritik: Riegelbildung und rechtliche Bedenken

Die geplanten Windkraftflächen würden nach Einschätzung der BI eine „Riegelbildung und Umzingelung“ Gudows bewirken, die rechtlich unzulässig sei. Besonders problematisch sei die Nähe zu den geschützten Gebieten: Der Abstand zwischen den potenziellen Windpark-Standorten und dem Biosphärenreservat Schaalsee betrage teilweise nur etwa einen Kilometer. Die BI verweist darauf, dass das östliche Biosphärenreservat in Mecklenburg-Vorpommern in den aktuellen Planungen nicht ausreichend berücksichtigt werde, da es in den Karten ausgeblendet sei.

Zudem warnt die Initiative vor den Auswirkungen auf den Tourismus, der in der Region eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielt. Gudow ist mit seinen über 40 Seen, der eiszeitlich geprägten Landschaft und dem Grünen Band ein Naherholungsgebiet für Einheimische sowie Touristen aus Hamburg, Berlin und ganz Deutschland. Der Ort verbindet nach Angaben der BI harmonisch Kulturerbe (z. B. die restaurierte St.-Marien-Kirche mit einzigartigen Kunstschätzen) und Naturschutz. „Hier wurden jahrzehntelang Förderprogramme für extensive Landwirtschaft, Hecken- und Biotoppflege sowie Renaturierung umgesetzt“, so Konkel. „Die Bewahrung dieser Landschaft ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.“

Historische Entwicklung: Vom Grenzgebiet zum Naturschutzverbund

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Gudow im britischen Sektorengebiet und grenzte direkt an den sowjetischen Sektor. Mit der zunehmenden Absperrung der Grenze entstand ein unberührter Naturraum, der nach der Wiedervereinigung zum „Grünen Band“ wurde. Seit den 1990er-Jahren arbeiten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam daran, die Schutzgebiete rund um den Schaalsee und das Hellbachtal zu vernetzen. Die Ausweisung als FFH- und Vogelschutzgebiete (SPA) erfolgte zwischen 1994 und 2004.
Die BI betont, dass die Region heute ein Vorbild für gelungenen Naturschutz und sanften Tourismus sei. Offizielle Rad-, Reit-, Kanu- und Wanderwege verbinden die Naturschönheiten zwischen Gudow, Schaalsee, Hellbachtal und Mölln. „Solche historisch gewachsenen Verbundflächen sind nicht umzusiedeln oder künstlich neu zu schaffen“, sagt Konkel. „Mit einem Federstrich können sie aber zerstört werden.“

Aktuelle Pläne und Zahlen

Laut den vorliegenden Unterlagen der BI sind aktuell folgende Flächen in der Diskussion:

Vorrangfläche der Landesregierung: 168 Hektar (Regionalplan III)
Potenzialflächen der Betreiber: 606 Hektar (Bebauungspläne von BayWa in Kehrsen und Trave Energie südlich des Gudower Sees)
Die BI verweist darauf, dass die kürzeste Entfernung vom Gudower Ortsrand (Am Sandbrink, Sophienthal) zum Eingang des Biosphärenreservats Schaalsee nur 1,1 Kilometer betrage. Zudem liege der Segrahner Berg, ein weiterer sensibler Bereich, in unmittelbarer Nähe.

Appell an die Verantwortlichen
Die BI „Naturpark statt Windpark“ fordert, die Naturschutzbestimmungen in der Region strikt einzuhalten und die einzigartige Verbundfläche aus Naturpark, Grünem Band und Biosphärenreservat zu bewahren. „Es kann nicht sein, dass die EU und die Landesregierung ein Gebiet, das sie jahrzehntelang mit Millionen gefördert haben, nun selbst zerstören“, so Konkel. Die Initiative ruft dazu auf, die geplanten Windparkflächen kritisch zu prüfen – insbesondere mit Blick auf die rechtliche Zulässigkeit und die langfristigen Folgen für Natur, Tourismus und das kulturelle Erbe der Region.

Tags: GudowNaturpark Lauenburgische SeenWindenergieWindenergie-RegionalpläneWindkraftWindkraftanlagenWindkraftgegner

Andreas Anders

Herausgeber von Herzogtum direkt.

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