Mustin (gb). Am Heiligen Abend lag der Duft von Rouladen und würziger Soße verheißungsvoll in der Luft. Stundenlang hatte der Sohn der Familie als leidenschaftlicher Hobby-Koch in der Küche gestanden, Galloway-Fleisch aus dem nahen Hofladen geklopft, gefüllt, gerollt und sorgfältig im Bräter geschichtet. Alles war bereit für das festliche Weihnachtsessen, das Ruhe, Wärme und Zusammenhalt versprechen sollte.
Als schließlich der Moment gekommen war, den schweren Bräter aus dem Backofen zu holen, geschah das Unfassbare. Beim Umdrehen blieb der Koch mit dem Fuß am Stuhlbein hängen. Für einen winzigen Augenblick schien die Zeit stillzustehen, dann rutschte der Bräter aus der Hand. In einem dramatischen Bogen ergossen sich Rouladen und heißer Fond über Wand, Küchenschränke und den Teppich. Die festliche Idylle verwandelte sich schlagartig in ein kulinarisches Schlachtfeld.

Geistesgegenwärtig stieß der Koch den Bräter von sich weg. Dadurch zog er sich nur eine leichte Verbrühung zu. Inmitten des Chaos saß der Hund, der das ganze Schauspiel mit unverhohlener Begeisterung beobachtete. Sein Blick verriet, dass er diesen Heiligabend für äußerst gelungen hielt.
Es folgte eine Stunde intensiven gemeinschaftlichen Putzens. Lappen, Schwämme und Eimer kamen zum Einsatz, bis Wände, Schränke und Teppich wieder halbwegs so aussahen, als sei hier gerade kein Rouladen-Massaker geschehen. Am Ende war die Küche tatsächlich wieder sauber – erschöpft, aber gerettet.
Auch kulinarisch gab es Hoffnung: Drei Rouladen hatten das Unglück überlebt. Die Soße jedoch war nicht mehr zu retten und wurde kurzerhand durch eine Soße aus der Schachtel eines bekannten Herstellers ersetzt. Sie schmeckte zwar nicht nach stundenlanger Hingabe, aber nach Pragmatismus und Weihnachtsfrieden.
Nach dem ersten Schreck wich die Anspannung einer überraschenden Gelassenheit. Man lachte über das Missgeschick, setzte sich zusammen an den Tisch und genoss das Essen. Der Abend verlief harmonisch, warm und völlig stressfrei. Vielleicht gerade deshalb wurde dieses Weihnachtsfest besonders schön – nicht trotz, sondern wegen der verunglückten Rouladen.










