Bürgermeisterabwahl in Ratzeburg: ‚Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht‘

Schulverbandsvorsteherin Julia Stricker bezieht Stellung zum Zerwürfnis mit Bürgermeister Gunnar Koech.

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Die Grund- und Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen in Ratzeburg.
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Ratzeburg (aa). Die Ratzeburger Stadtvertretung leitete per Beschluss die Abwahl des inzwischen suspendierten Bürgermeisters Gunnar Koech ein. In der Begründung werden ihm Zerwürfnisse mit verschiedenen Institutionen der Stadt vorgeworfen. Nach dem die politischen Frakionen der Stadtvertretung und die erweiterte Schulleitung der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG) bereits Stellung bezogen haben, erklärte in einem Gespräch nun Schulverbandsvorsteherin Julia Stricker ihre Sicht der Dinge zur Zusammenarbeit mit Bürgermeister Gunnar Koech.

Während die LG eine rein Ratzeburger Schule ist, sind die Grund- und Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen sowie die Pestalozzischule gemeinsame Schulen von Ratzeburg und den Umlandgemeinden. Die Entscheidung trifft der Schulverband, in dem jedes Mitglied einfach stimmberechtigt ist. Der jeweilige Schulverbandsvorsteher setzt die Vorgaben der mehrheitlich gefassten Beschlüsse um. Der Schulverband und die Stadt Ratzeburg teilen sich für die Verwaltungsaufgaben den Fachbereich 4 der Stadtverwaltung. Bei Aufgaben, die der Fachbereich im Auftrag des Schulverbands tätig ist, ist der Ratzeburger Bürgermeister nicht weisungsbefugt.

„Ich bin seit 2019 Schulverbandsvorsteherin“, erklärt die Bürgermeisterin von Einhaus, Julia Stricker. Zuvor war Koechs Amtsvorgänger Rainer Voß zwei Amtsperioden lang Schulverbandsvorsteher. Gemäß Absprache wechselte der Führungsposten nun an einen Bürgermeister der Umlandgemeinden. Die Stadt Ratzeburg ist damit nun nur noch einfaches Mitglied.

Schulverbandsvorsteherin Julia Stricker. Foto: Anders

„Zunächst begann alles unproblematisch“, fährt Stricker fort, „Ein Anruf von Herrn Koech zur Umsetzung des Digitalpakts fand ich zunächst sehr hilfreich. Wir wollten uns eng abstimmen. Das fand dann aber nicht statt. Er hat dann Maßnahmen angestoßen, von denen ich erst im Nachhinein erfahren habe.“ Demnach soll Koech unter anderem unabgesprochen eine IT-Supportkraft im Auftrag der Stadt in die Schulen geschickt haben.

„An sich ist das nicht problematisch, wenn sowas nicht immer für eine gewisse Verwirrung sorgt. Es gab dazu keine Abstimmung. Er hat einfach eigenmächtig Sachen angeschoben, für die letztlich ich als Schulverbandsvorsteherin verantwortlich bin. Als einfaches Mitglied darf er es nicht. Das sieht Herr Koech aber anders“, so Juristin Julia Stricker weiter, „Die Zusammenarbeit funktioniert so nicht. Wir (der Vorstand des Schulverbands) haben es ihm mehrmals gesagt, ich selbst habe drei mal mit ihm gesprochen. Beim ersten Mal hat er mir Vorwürfe gemacht. Beim zweiten Mal sagte er, er sei der Bürgermeister von Ratzeburg und dürfe das. Beim dritten Mal meinte er, es waren ja keine richtigen Maßnahmen, die er beauftragt hatte. Seine prägenden Sätze sind ‚ich bin gar nicht Schuld‘ und ‚ich bin mir keiner Schuld bewusst‘.“

„So eine Zusammenarbeit muss vertrauensvoll laufen“, fordert Stricker, die das Amt im Schulverband sowie ihr Bürgermeisteramt ehrenamtlich ausübt, „Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung selbst klappt hervorragend, egal welcher Fachbereich. Nur immer diese Außeneinflüsse von Bürgermeister Koech haben unsere Arbeit unnötig erschwert. In unseren Gesprächen zeigte er keinerlei Einsicht. Er wollte es nicht einsehen. Das stört mich sogar noch mehr als die Eingriffe selbst. Ich bin Einhäuserin, mir ist es egal, wer in Ratzeburg Bürgermeister ist. Hilfe nehme ich jederzeit gerne an. Nur Entscheidungen über meinen Kopf hinweg möchte ich nicht. Er ist nur einfaches Mitglied im Schulverband. Er darf sich gerne informieren. Mehr aber auch nicht.“ So sei ein Problem auch gewesen, dass die Post für den Schulverband nach dem Amtswechsel 2019 zunächst weiter beim Ratzeburger Bürgermeister landete und zu spät weitergeleitet wurde. Dazu Julia Stricker: „So kamen die Mahnungen oft vor den Rechnungen im Fachbereich an.“

„Ich empfinde die Situation als sehr belastend. Ich will Herrn Koech persönlich nichts schlechtes. Aber wenn jemand stets eigenmächtig macht, nur was er möchte, kann man mit ihm nicht mehr zusammenarbeiten. Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht. Er hat seine Aufgabe als Bürgermeister nicht ganz verstanden. Er besitzt keine ‚All-Zuständigkeit‘ für alles und jeden. Jedes Maßnahme für sich war nichts großes, aber in der Summe ist keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich. Er darf auch der Verwaltung keine Dienstanweisungen geben, die den Schulverband betreffen. Es gibt klar definierte Kompetenzbereiche, aber er sieht das anders. Dabei machen es seine Mitarbeiter richtig, richtig gut“, stellt Stricker fest. Bürgermeister Koech habe durch seine Einmischung Mehrarbeit erzeugt, die zeitlich in keinen Verhältnis mehr zu Strickers Ehrenamt als Schulverbandsvorsteherin stehe.

„Ich will ihm (Gunnar Koech) im Grunde nicht schaden. Aber wenn er sich hinstellt und sagt, mit der Zusammenarbeit mit dem Schulverband ist alles in Ordnung, kann ich das so nicht stehen lassen. Unsere Gespräche waren sachlich und durchaus freundlich, nur wollte er seine Fehler nicht einsehen“, moniert Schulverbandsvorsteherin Julia Stricker abschließend.