Arbeitsmarkt im April: Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit nehmen deutlich zu

· 5.758 arbeitslose Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg – 631 mehr als im März · Arbeitslosenquote 5,5 Prozent – plus 0,6 Prozentpunkte zum Vormonat · Kurzarbeit: 1.339 Betriebe melden Kurzarbeit an, um die Arbeitsplätze ihrer Beschäftigten zu sichern

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Foto: Anders
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Herzogtum Lauenburg (pm). Vergangenen Monat fanden sich die Corona-Auswirkungen noch nicht in den Daten der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe zum Arbeitsmarkt im Kreis Herzogtum Lauenburg wieder. Der Tag, an dem die statistischen Daten seinerzeit erhoben worden waren, war der 12. März. Dieser lag vor Inkrafttreten der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, die die wirtschaftlichen Aktivitäten stark eingeschränkt haben.

„In diesem Monat dokumentieren die Zahlen, welche Auswirkungen die Beschränkungen der Wirtschaft zur Eindämmung der Pandemie seit Mitte März auf den Arbeitsmarkt im Kreis Herzogtum Lauenburg gehabt haben“, sagt Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten.

So hat die Zahl arbeitsloser Menschen im Herzogtum Lauenburg im April zugenommen und beträgt jetzt 5.758. Dies sind 631 oder 12,3 Prozent mehr als im Vormonat. In der Folge ist die Arbeitslosenquote gegenüber März um 0,6 Prozentpunkte auf aktuell 5,5 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr waren im April 4.792 Menschen und damit 966 weniger arbeitslos. Die Quote lag seinerzeit bei 4,6 Prozent.

„Es war zu erwarten, dass die Arbeitslosigkeit im Kreis Herzogtum Lauenburg in diesem Monat deutlich zunehmen wird. Dass sehr viele Unternehmen Kurzarbeit anzeigen, hat sich ebenfalls abgezeichnet. Nicht alle Betriebe haben die Möglichkeit, dieses Instrument zu nutzen und mussten in dieser für sie schwierigen Phase Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freisetzen“, erklärt die Agenturchefin. „Vor allem aus den Branchen Gastgewerbe, Handel, Verkehr und Lagerei sowie verschiedenen Dienstleistungszweigen haben sich in den vergangenen Wochen deutlich mehr Menschen arbeitslos melden müssen. Das sind die Bereiche, in denen sich die Einschränkungen besonders stark ausgewirkt haben.“ Dazu käme, dass angesichts der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft Neu- und Wiedereinstellungen, die den Arbeitsmarkt sonst im Zuge der Frühjahrsbelebung entlastet hätten, ausgeblieben seien.

Sozialversicherungspflichtige Stellen

Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter sind im April 102 neue sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden. Das sind 179 (minus 63,7 Prozent) weniger als im Vormonat und 201 weniger als im Vorjahr. Die meisten neuen Stellen wurden aus den Bereichen Einzelhandel, Landwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe sowie Forschung und Entwicklung gemeldet. Ihre Zahl – ausgenommen die Forschung und Entwicklung – lag jedoch auch unter den Stellenmeldungen der Vormonate.

Aktuell sind insgesamt 1.323 sozialversicherungspflichtige Stellen im Kreis Herzogtum Lauenburg zu besetzen, 91 oder 6,4 Prozent weniger als im Vormonat.

„Das uns angesichts der Corona – Einschränkungen deutlich weniger neue Stellen gemeldet werden würden, war absehbar. Für viele Unternehmen stehen aktuell andere Dinge wie das Thema Kurzarbeit im Vordergrund“, sagt Wieczorek. „Bei den insgesamt gemeldeten Stellen muss sicher berücksichtigt werden, dass diese derzeit nicht so intensiv wie üblich auf Aktualität geprüft werden können. Die Beratung, Abwicklung und Abrechnung von Kurzarbeit bildet den augenblicklichen Schwerpunkt.“

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze

Viele Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe nutzen – wie bereits in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 / 2009 – das Instrument der Kurzarbeit, um ihre Beschäftigten im Unternehmen zu halten.

 

Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe. Foto: hfr

„Seit Beginn der Corona-Krise liegen uns 1.339 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeit von Unternehmen aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg vor. Damit greift nahezu jeder dritte Betrieb, der mindestens eine oder einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat, auf dieses Instrument zurück“, sagt Wieczorek. „In den Anzeigen haben die Unternehmen insgesamt 12.301 kurzarbeitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemeldet. Wir wissen damit jedoch noch nicht, wie viele Beschäftigte tatsächlich kurzarbeiten werden. Wenn sich zum Beispiel die Auftragslage kurzfristig verbessert hat oder behördliche Maßnahmen aufgehoben werden, können Betriebe möglicherweise wieder arbeiten. Dann wurde zwar Kurzarbeit angezeigt, aber nie oder nicht in vollem Umfang realisiert.“ Erst wenn die detaillierten Abrechnungsdaten vorlägen, mit denen die Unternehmen nachträglich die Erstattung des Kurzarbeitergeldes beantragen, lasse sich die genaue der Zahl der Kurzarbeitenden ermitteln, so die Agenturchefin weiter. Dafür haben die Unternehmen drei Monate Zeit.

„Ich sehe es positiv, wenn so viele Unternehmen in dieser für sie schwierigen Phase die Kurzarbeit nutzen“, sagt Wieczorek. „Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld sollen Arbeitslosigkeit vermeiden und die Arbeitsplätze im Unternehmen sichern. Davon profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Unternehmen selber. Sie können so ihr bewährtes Stammpersonal schnell einsetzen, wenn sie den Betrieb wiederaufnehmen.“

Informationen zum Thema Kurzarbeit oder zur Abrechnung des Kurzarbeitergeldes finden Unternehmen unter www.arbeitsagentur.de / Unternehmen / Kurzarbeitergeld: Hilfestellung für Ihr Unternehmen. Hier finden sie auch Schritt-für-Schritt-Videos, die zeigen, wie sie eine Anzeige auf Kurzarbeit online ausfüllen und einreichen oder das Kurzarbeitergeld online abrechnen können.