Saisonbedingt mehr Arbeitslose im Juli

* Arbeitslosenquote aktuell bei 4,8 Prozent – plus 0,3 Prozentpunkte zum Vormonat * niedrigste Juli-Quote seit Erhebung der Arbeitslosendaten auf Kreisebene 1997 * Agentur für Arbeit setzt auf Qualifizierung Ungelernter *

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Maximilian Witt im Gespräch mit seiner Arbeitsvermittlerin und Beraterin Rosi Wittenhagen. Foto: hfr
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Herzogtum Lauenburg (pm). Die Zahl arbeitsloser Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg hat im Juli zugenommen und beträgt jetzt 5.040. Dies sind 253 mehr als im Vormonat. In der Folge ist die Arbeitslosenquote gegenüber Juni um 0,3 Prozentpunkte auf jetzt 4,8 Prozent gestiegen. Das ist die niedrigste Quote in einem Monat Juli seit Erhebung der Arbeitslosendaten auf Kreisebene 1997.

Im Vorjahr waren 5.244 und damit 204 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag seinerzeit bei 5,0 Prozent. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Kreis Herzogtum Lauenburg entspricht der üblichen Entwicklung im Ferienmonat Juli. Die Arbeitslosenquote liegt mit aktuell 4,8 Prozent auf dem niedrigsten Juli – Wert im Herzogtum Lauenburg seit Erhebung der Arbeitslosendaten auf Kreisebene“, sagt Grit Behrens, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten. „Mit Beginn der Sommerferien nimmt saisonal üblich die Zahl arbeitsloser Menschen zu. Insbesondere bei den jungen Menschen ist die Zahl gestiegen. Bei ihnen waren es 122 mehr zum Vormonat, was fast die Hälfte des Anstiegs ausmacht. Sie melden sich jetzt üblicherweise nach Ende ihrer Schulzeit oder ihrer Ausbildung arbeitslos, bevor sie dann nach den Ferien eine Ausbildung, ein Studium oder Arbeit aufnehmen. Zum anderen macht sich auch das Quartalsende zum 30. Juni bemerkbar. Hier enden erfahrungsgemäß vermehrt befristete Arbeitsverträge.“

Sozialversicherungspflichtige Stellen

Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter sind im Juli 285 neue Stellen gemeldet worden. Damit sind aktuell 1.460 sozialversicherungspflichtige Stellen im Kreis Herzogtum Lauenburg zu besetzen, 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Unverändert werden die meisten neuen Mitarbeiter von Unternehmen im Bereich Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Bau- und verarbeitendes Gewerbe sowie der Arbeitnehmerüberlassung gesucht.

Unterbeschäftigung

Von den derzeit 5.040 arbeitslosen Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg sind 556 Schutzsuchende, 19 mehr als im Vormonat. Insgesamt werden von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Herzogtum Lauenburg aktuell 1.230 geflüchtete Menschen betreut. Die Mehrzahl von ihnen besucht einen Sprach- oder Integrationskurs oder eine der berufsvorbereitenden Maßnahmen der Arbeitsagentur oder des Jobcenters und gilt damit nicht als arbeitslos.

Ebenfalls nicht als arbeitslos gezählt werden auch Teilnehmer an Weiterbildungsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten oder Arbeitsuchende, die derzeit arbeitsunfähig erkrankt sind. Sie alle finden sich zusätzlich zu den arbeitslos gemeldeten Menschen in der Statistik zur Unterbeschäftigung wieder, die die Agentur für Arbeit ebenfalls monatlich veröffentlicht. „Die Unterbeschäftigung zeigt, wie viele Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg insgesamt auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung sind“, erläutert Behrens. Aktuell beträgt ihre Zahl im Kreis Herzogtum Lauenburg 6.862. Dies sind 207 oder 2,9 Prozent weniger als im Juli des vergangenen Jahres.

Agentur für Arbeit setzt auf Qualifizierung Ungelernter und unterstützt Einstieg in Wunschberuf

Seit vier Monaten ist Maximilian Witt jetzt bei der Firma IDL in Ahrensburg als System-Administrator tätig und kümmert sich um die interne Informationstechnik (IT) sowie das Schulungsnetzwerk des Unternehmens. Den Einstieg in seinen Wunschberuf ermöglicht hat ihm die durch die Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration, die er im Januar erfolgreich mit der Gesamtnote „gut“ abschloss.

Als er im Herbst 2016 arbeitslos wurde, äußerte der heute 26-jährige Ahrensburger im Gespräch mit seiner Arbeitsvermittlerin Rosi Wittenhagen den Wunsch, sich im Bereich IT weiterbilden zu wollen. Witt hatte schon einmal eine Ausbildung als Informationselektroniker begonnen, aber gleichzeitig auch einen Nebenjob ausgeübt, um seine Wohnung zu finanzieren. Diese Doppelbelastung wurde auf Dauer einfach zu groß.

Der damals 19-jährige arbeitete dann gut vier Jahre bei verschiedenen Unternehmen in der Gastronomie. Er schaffte es, sich über die Zeit von der Servicehilfe zum Teamleiter hochzuarbeiten und trug schließlich die Verantwortung für die Organisation von Hochzeiten und anderen Veranstaltungen, bevor er im Herbst 2016 arbeitslos wurde. „Ich habe in den Jahren gutes Geld verdient“, sagt Witt. „Aber die Jobs boten mir letztendlich zu wenig Sicherheit und Beständigkeit.“ Bereits seit sieben Jahren mit seiner Freundin zusammen, wollte er jetzt über eine Ausbildung mehr Kontinuität für seine weitere Lebens- und Berufsplanung.

Aufgrund seines Ausbildungswunsches empfahl Wittenhagen ihm seinerzeit den Besuch der Weiterbildungsmesse in der Arbeitsagentur in Bad Oldesloe. Hier kam der junge Ahrensburger mit einem Bildungsträger, der im Bereich IT qualifiziert, ins Gespräch. Sein Interesse galt daraufhin der Ausbildung zum Fachinformatiker. Berührung mit Informationstechnik hatte Witt schon früh gehabt, da sein Vater in dem Bereich arbeitet und er so schon früh Interesse daran fand zum Beispiel eigene Datenbankanwendungen für Spiele zu erstellen.

Es folgten eine Eignungsuntersuchung beim Berufspsychologischen Service der Arbeitsagentur und ein Aufnahmetest bei dem Bildungsträger. In beiden unterstrich Witt sein Potential für die angestrebte Ausbildung. „Die Erfahrung zeigt, dass es ohne Berufsabschluss schwierig ist, jemanden dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärt Wittenhagen. „Ein qualifizierter Abschluss ist hierfür die beste Voraussetzung. Da der IT-Bereich außerdem hohen Personalbedarf hat, konnte ich Herrn Witt die Förderung seiner beabsichtigten Ausbildung ermöglichen.“

Die rund 24-monatige Ausbildungszeit war anspruchsvoll, empfand Witt. Immerhin musste er die Inhalte, die beim Fachinformatiker sonst in einer Ausbildungszeit von drei Jahren vermittelt werden, in deutlich kürzerer Zeit erlernen. Trotzdem gelang es ihm, den Abschluss im Januar dieses Jahres nicht nur mit der Note „gut“ zu absolvieren, sondern in der Ausbildungszeit zusätzlich noch mehrere Software-Zertifikate zu erwerben. Diese ermöglichten ihm auch seinen Berufseinstieg bei der Firma IDL im April. „Mit seinen Zusatzzertifikaten hat Maximilian in seiner Bewerbung gepunktet. Er hat so in der Summe die Qualifikationen mitgebracht, die wir benötigen“, erklärt Matthias Hoppe, Standortleiter bei IDL in Ahrensburg.

Das Unternehmen entwickelt Software für Konzerne, die Bilanzen konsolidieren müssen. Bundesweit hat IDL 120 Mitarbeiter, 40 davon sind in Ahrensburg tätig. „Wir befinden uns in einem Wachstumsmarkt und suchen IT-Fachleute“, sagt Hoppe. „Diese zu finden, war schon immer schwierig und die Suche hat sich in den letzten fünf Jahren weiter verschärft. Wir bilden selber Informatiker und Wirtschaftsinformatiker im dualen Studium aus, sind aber froh, wenn ergänzend auch Ausbildungen in diesem Bereich durch die Agentur für Arbeit gefördert werden. Der Bedarf für qualifiziertes Personal im IT-Bereich ist da.“

Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind nach Erfahrungen der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als die mit Berufsabschluss und sie benötigen meistens auch länger, einen neuen Job zu finden. So betrug 2018 die Arbeitslosenquote im Lauenburgischen bei gelernten Fachkräften lediglich 2,7 Prozent (minus 0,5 Prozentpunkte zum Vorjahr), bei Ungelernten hingegen 21,1 Prozent (minus 0,4 Prozentpunkte zum Vorjahr).

„Insgesamt liegt der Anteil Ungelernter an allen arbeitslosen Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg bei knapp 55 Prozent. Damit fehlt mehr als jedem zweiten Jobsuchenden ein Berufsabschluss“, sagt die Operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. „Vor dem Hintergrund des sich wandelnden Arbeitsmarktes, der zunehmend ausgebildete Fachkräfte benötigt, setzen wir unverändert auf die Qualifizierung derer, die keinen Abschluss haben.“ Auch für Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung lohne es sich, einen Berufsabschluss nachzuholen, so Behrens. „Die Vorteile eines Berufsabschlusses liegen auf der Hand: die Nachhaltigkeit von Beschäftigung ist deutlich höher, die Bezahlung besser und die Aufstiegschancen größer. Wer ohne abgeschlossene Ausbildung ist, sollte seinen Vermittler oder seine Vermittlerin in der Arbeitsagentur oder im Jobcenter ansprechen“, wirbt Behrens.