Bahn soll Rückgrat der Verkehrswende werden

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Foto: hfr
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Mölln (pm). Erkenntnisse, Probleme aber auch Lichtblicke für eine Verkehrswende in Schleswig-Holstein wurden in der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) von den Referenten Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs, Peter Westenberger, Geschäftsführer im Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, und Tilmann Heuser, Sprecher des AK Verkehr im BUND, sowie den etwa 30 Besuchern aufgezeigt. Moderator Gerd Boll (BUND) bescheinigte der Landesregierung, dass der taktgebundene Fahrplan als gute Voraussetzung in S-H bereits eingeführt sei.

Als unstrittig wurde festgestellt, dass die Güterbahn und der Personenverkehr auf der Schiene als Rückgrat der Verkehrswende deutlich mehr und zügig ausgebaut werden müsse. Alle Bahnprojekte sind aber stark unterfinanziert, dazu fehlen auch die erforderlichen Planungskapazitäten. Westenberger berichtete, dass auch Güterzüge ab 2022 um die Hälfte leiser sein müssen. Er forderte, dass deutlich mehr Strecken elektrifiziert werden müssen, um für einen gut funktionierenden Bahnverkehr zu sorgen.

Dr. Rohlfs kündigte an, dass ein Halbstunden-Takt für die Strecke Lübeck-Büchen im Personenverkehr in Planung ist. Heuser skizzierte, wie ein Netz aus allen Verkehrsträgern (Fuß- und Radwege, öffentlicher Personennah- sowie Schwerlastverkehr auf Schiene, Kanal und Straße) zu einer ökologisch nachhaltigen Verkehrswende beitragen könne. Bemerkenswert war der Hinweis von Dr. Rohlfs, dass der geplante Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) von der Landesregierung nicht vorrangig gefordert wurde. Hans-Heinrich Stamer (BUND) ergänzte, dass die derzeit auf dem Kanal fahrenden Europaschiffe nach Aussage der Bundesschifffahrtsverwaltung wie auch von Industrieunternehmen aufgrund des Klimawandels weiterhin gebraucht werden, wenn auf den Wasserstraßen aufgrund lang anhaltender Trockenheit wie in 2018 die Großmotorgüterschiffe nicht mehr wirtschaftlich fahren können. Stamer unterstrich, der ELK werde weiterhin für den Schwerlast-, Personen- und Freizeitverkehr gebraucht und dürfe mit den historischen Hottoppschleusen aufgrund seiner besonderen Denkmalschutzwürdigkeit nicht ausgebaut und damit zerstört werden. Der Kanalausbau würde zudem insbesondere auch die prosperierende Tourismuswirtschaft am ELK stark einbrechen lassen.

Der große Diskussionsbedarf auch mit den Besuchern soll fortgesetzt werden.