‚Fridays For Future‘ – Schüler in Ratzeburg und Mölln schließen sich weltweiter Protestbewegung an

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Auch die Möllner Schüler schlossen sich erstmals den weltweiten Fridays For Future' Protesten an. Foto: Anders
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Ratzeburg/Mölln (aa). „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“ – so schallte es in Ratzeburg und Mölln. Angestoßen durch die Schwedin Greta Thunberg, streiken Schüler seit einigen Monaten und protestieren gegen die internationale Klimapolitik. Mehrere hundert Schüler aller Schulen aus Insel- und Eulenspiegelstadt hatten sich heute (15. März 2019) erstmals an den inzwischen weltweiten Protesten ‚Fridays For Future‘ beteiligt.

„Für den Anfang sind das schon mal ziemlich viel“, freute sich Schüler und Organisator Philipp Zühlsdorf über die laut Veranstalter rund 400 bis 500 Schüler von der Gemeinschaftsschule Mölln, dem BBZ und dem Marion-Dönhoff-Gymnasium, die sich auf dem Möllner Bauhof versammelt hatten. Noch seien keine weiteren Aktionen geplant. „Wir wollen das jetzt nicht wöchentlich machen, hoffen aber, dass das nicht das letzte Mal war“, so Zühlsdorf weiter. Zudem hoffen die Organisatoren die Diskussion rund um Streik, Umwelt- und Klimaschutz in die Schulen tragen zu können.

Rund 300 Schüler in Ratzeburg streikten für eine bessere Klimapolitik. Foto: Thomas Biller

Bereits im Vorfeld war bekannt, dass die Schulleitungen den Streik der Schüler offiziell nicht genehmigen können. Für dieses erstmalige Fehlen wurden aber auch keine disziplinarischen Maßnahmen angedroht. So erklärte Henning Nitz, Schulleiter der Grund- Gemeinschaftsschule Lauenburgische See in Ratzeburg auf Nachfrage von Herzogtum direkt: „Proteste für den Klimaschutz sind ein gutes Zeichen für das Engagement und die Bereitschaft unserer Schülerinnen und Schüler, sich für unsere Lebensumwelt einzubringen. Nun besteht Anwesenheitspflicht im Unterricht, die einzuhalten ist. Ich hoffe sehr, dass wir alle zusammen einen Weg finden, die Schulpflicht mit den dann daran anzupassenden Zeiten des Protestes in Einklang zu bringen.
Das Fehlen der Schülerinnen und Schüler gilt als unentschuldigt.“

Dass es den Schülern nicht ums Schulschwänzen und mehr Freizeit geht, machten die vielen selbst gebastelten Plakate deutlich. Sprüche wie „There is no Planet B“, „We are the future“, „Klimaschutz für unsere Zukunft“ oder „Opa, was ist ein Schneemann?“ waren zu lesen. Auf einer Bühne auf dem Möllner Bauhof bekamen mehrere Redner zu Wort. Philipp Zühlsdorf prangerte in einer leidenschaftlichen Rede das kollektive Versagen der Politik in Deutschland an. „Wir stehen hier für unsere Zukunft. Die gewählten Repräsentanten tun alles andere, aber sie schützen nicht unsere Umwelt. Diese Regierung, dieses Parlament, die Ausschüsse scheinen vom Weg abgekommen zu sein. Sie haben ihren Kompass verloren. Dieser Kompass hatte Deutschland einst zum Vorreiter für Klimaschutz gemacht.“ Weitere Redner waren Niklas Gaidetzka (SPD Mölln), Schüler Jonathan Wilmer (Marion-Dönhoff-Gymnasium) und Franziska Eggers (Bündnis90/Grüne). Zudem wurden Grußworte von Möllns Bürgervorsteher Jan-Frederick Schlie und dem Landtagsabgeordneten Burkhard Peters (Bündnis90/Grüne) verlesen.

Rund 300 Schüler der Lauenburgischen Gelehrtenschule und der Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen skandierten vor dem Rathaus. „Macht weiter!“, machte Gastredner Bürgermeister Rainer Voß den Schülern Mut und bot seine Dienste als Vermittler zwischen Schülern, Lehrern und Schulleitern an.