Eine Million gegen Rechts auf dem Möllner Schulberg

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Heinz Ratz mit einem Teil seiner Band 'Strom und Wasser' zu Gast im Marion Dönhoff Gymnasium. Foto: hfr
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Mölln (pm). Musik für Frieden, Musik gegen Gewalt, Musik für Meinungsfreiheit, Musik um Politik zu machen. „Man muss handeln, für eine bunte Gesellschaft, Demokratie und Frieden.“ Am Donnerstag (15 November 2018) besuchte Heinz Ratz mit einem Teil seiner Band ‚Strom und Wasser‘ das Marion Dönhoff Gymnasium in Mölln, am selben Abend gaben sie noch ein Konzert im Jugendzentrum „Takt Los“.

Eine Million Gegen Rechts lautet das Motto, 1.000.000 Euro sollen bis Ende 2019 für alternative Jugendzentren in ganz Deutschland gesammelt werden um sie am Leben zu erhalten, außerdem wollten sie mit ihren politischen Texten vor allem den Schülern die Augen öffnen und ihnen ihre Geschichte erzählen.

Der Musiker Heinz Ratz nutzt Musik um sich in der Gesellschaft einzumischen, um seine Meinung zu teilen und um eine bessere Welt zu erschaffen, eine Welt gegen rechts, eine weltoffene Welt ohne Gewalt und Armut. Heinz Ratz vertritt eine klare Meinung, an welcher seine stark geprägte Jugend nicht ganz unschuldig ist. Sieht man den Musiker heute, ist es kaum vorzustellbar, dass er einmal rechts gewesen sein soll, doch unter Einfluss seines Vaters und seiner Lebenssituation stand er im Alter von fünfzehn Jahren für die Werte Treue, Ehre und Tapferkeit ein. Allerdings bemerkte er schnell, wo all das hin führte, es gefiel ihm nicht, was die Menschen daraus machten, er würde sich selbst nicht als links betiteln, doch er ist mit Sicherheit gegen rechts. In seinem Leben hat er viel Leid gesehen und erlebt, mit seiner Mutter aus Peru und einem nationalsozialistischen Vater war er als Kind aus Europa geflohen. Er lernte früh, dass er selbst kämpfen muss, um seine Ziele zu erreichen und nach dem er einiges ausprobiert hatte, war die Kunst alles, was ihm blieb. Kunst wurde zu seinem Mittel der Machtentfaltung, nicht nur auf der Bühne, auf welcher er seine Geschichten erzählt und Lieder singt, welche vom Leben handeln, sondern auch auf dem Papier. Er hat angefangen Bücher zu schreiben, denn er weiß, er hat eine Geschichte zu erzählen. Durch all die Armut, welche er erlebte, wurde er politisch und kämpft seit einigen Jahren als Leader der Band „Strom und Wasser“ für weit wichtigere Werte als Ehre und Tapferkeit.

‚Strom und Wasser‘ traten im Gymnasium als Duo auf, Heinz am Bass und Inko an der Gitarre, jedoch war Heinz der einzige, welcher sang und redete. Ihre Lieder haben eine hohe musikalische Bandbreite, doch sie spielen hauptsächlich Rock. Statement-Texte, welche zum Nachdenken anregen sollen, Lieder gegen Diskriminierung und Armut unterstützen ihre politische Position. Sie singen zum Beispiel für Meinungsfreiheit und offene Dialoge in der Gesellschaft in allen Lebenslagen, um Verständnis zu verwirklichen.

Ihr Song „Spiegellabyrinth aus Lügen“ handelt von Rechten, welche verärgert über leere Versprechungen der Regierung sind und die Demokratie für verloren halten. Ein weiterer Makel der Gesellschaft sind die Reichen, welche von oben das Land erblicken, aber dabei den Blick für die Armut verlieren. So singen sie in ihrem Lied „schlafende Armut“ zum Beispiel „hört ihr den Ruf aus den dreckigen Nächten? […] auch die Armut hat Kraft“.

Ein weiteres ihrer Projekte, unter anderem um gegen die Armut zu kämpfen, bestand darin, dass sie Flüchtlingslager besuchten und Geld sammeln, indem sie mit Musikern, welche sich unter den Geflüchteten befanden, auf Tour gingen. Eine Aktion, welche für viel Aufmerksamkeit und Begeisterung sorgte. Sie halten die Politik für hartherzig und wollen die lieblose Welt auf eine neue Spur lenken, egal wie lang der Kampf dauern wird. Doch dafür brauchen sie Aufmerksamkeit, Menschen, welche ihnen zuhören und Verständnis, denn nur zusammen kann man die größten Ziele erreichen.

Marion Dönhoff Gymnasium, Geschichtsprofil Q1d,
Text: Coralie Teske und Emely Tielmann