‚Ratzeburg ist bereit für etwas anderes‘

Sami El Basiouni will für das Amt des Bürgermeisters kandidieren.

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Sami El Basiouni. Foto: hfr

Ratzeburg (aa). Am 10. März 2019 steht in Ratzeburg die nächste Wahl zum Bürgermeister an. Noch ist offen, ob sich der amtierende Verwaltungschef, Rainer Voß, ein drittes Mal zur Wahl stellt. Bei der letzten Wahl war ihm in Ermangelung eines Gegenkandidaten der Wiedereinzug ins Rathaus sicher. Das ist dieses Mal anders, denn mit Sami El Basiouni (Fraktion Bürger für Ratzeburg) wagt sich der erste aus der Deckung, der sagt: Ich habe die Absicht für das Amt zu kandidieren.

Herzogtum direkt: Herr Basiouni, die Wahlvorschläge zur Bürgermeisterwahl können bis zum 14. Januar eingereicht werden. Sie sind bisher nicht nur der erste, sondern auch der einzige mögliche Kandidat. Woran liegt das, sind Sie so früh oder mögliche Mitbewerber so spät?sönlich haben in den letzten Wochen und Monaten überlegt, wer könnte Bürgermeister werden? Ich habe immer gesagt, wenn wir einen guten Bürgermeisterkandidaten bekommen würden, der kann auch durchaus unterstützt werden. Verwaltungskenntnisse wäre da ein

Sami El Basiouni: „In der Fraktion, im Ortsverein und auch ich persönlich haben in den letzten Wochen und Monaten überlegt, wer könnte Bürgermeister werden? Ich habe immer gesagt, wenn wir einen guten Bürgermeisterkandidaten bekommen würden, der kann auch durchaus unterstützt werden. Verwaltungskenntnisse wären da eine schöne Sache aber nicht zwingend Voraussetzung. Es hat sich in der Vergangenheit keiner geäußert und es hat sich auch jetzt in der Gegenwart keiner geäußert. Niemand, wo man auch nur ein Gerücht gehört hat, da will jemand vielleicht kandidieren, sei es ein Gunnar Koech oder ein Björn Knabe. Und dann wurde die Frage natürlich auch an den Bürgermeister herangetreten. Ich gehe fast von einer Selbstverständlichkeit aus: Wenn ein Herr Voß kandidieren würde, wird er auch Bürgermeister werden. Er hat ja durchaus gute Arbeit gemacht, auch wenn man nicht mit allem einverstanden war. Was ich da nicht verstehen kann, das war mit ein Entscheidungsgrund von mir, dass sich Herr Voß bis heute zu seiner Kandidatur noch nicht geäußert hat. Das will ich auch nicht verstehen. Er ist jetzt fast zwölf Jahre unser Bürgermeister und da sehe ich es als seine moralische Pflicht an, dass er seiner Verwaltung, der Politik und auch den Bürgern gegenüber Planungssicherheit gibt. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass ein amtierender Bürgermeister wirklich bis zur letzten Sekunde wartet. Weil er da vielleicht auch Chancen vergehen lässt, sollte er nicht wieder antreten. So nimmt er vielleicht anderen die Chance, sich mit einer eigenen Kandidatur aus der Deckung zu wagen. Da sehe ich eigentlich die Krux drin. Rechtlich ist das sicher einwandfrei, was er macht, es ist für mich nur eine moralische Sache.

Ich habe mir dazu natürlich Gedanken gemacht. Wäre ich Willens das als Kandidat anzugehen? Wäre ich in der Lage, die Arbeit als Verwaltungschef zu leisten? Ich bin da ganz tief in mich gegangen. Ich habe mich nun dazu entschlossen, gerade weil ich zur Zeit nicht sehe, wer da kommen könnte. Und da ein Herr Voß sich nicht äußert, habe ich entschlossen, ich werde kandidieren. Final wollte ich mich eigentlich erst nach der BfR Mitgliederversammlung am 29. 11. äußern. Ich hatte aber vorher schon mit zwei, drei Leuten darüber gesprochen und so hatte diese Info eine Eigendynamik aufgenommen. Um der Gerüchteküche entgegenzuwirken, sage ich jetzt schon: Egal wer jetzt noch als Kandidat kommt, ich werde diesen Weg gehen. Ich habe als erstes bereits die Verwaltung darüber informiert und danach sogar aus Fairness Kontakt zu den anderen Fraktionen aufgenommen.

Herzogtum direkt: Hatten Sie von den anderen Fraktionen denn bereits Rückmeldungen erhalten?

Sami El Basiouni: Hier führe ich noch Gespräche, ob vielleicht Unterstützung da ist. Mehr möchte ich dazu noch nicht sagen. Ich gehe natürlich von der Unterstützung meiner Wählergemeinschaft (BfR) aus. Aber es fällt die finale Entscheidung, so wie es sich gehört, ob man empfohlen wird oder nicht, erst auf der Mitgliederversammlung am 29.11.. Sollten mich noch weitere Parteien danach unterstützen, würde ich mich wirklich freuen, ist für mich aber keine Voraussetzung.

Herzogtum direkt: Weshalb denken Sie, wären Sie ein guter Bürgermeister für Ratzeburg?

Sami El Basiouni: Ich bin ja jetzt seit zirka 40 Jahren hier in Ratzeburg. Ich habe hier wirklich alles mitgemacht – auch jede soziale Ebene. Das hat mich geprägt. Aber ich habe es geschafft, mich hier in Ratzeburg weiterzuentwickeln. Ich habe es geschafft, hier meine eigene Firma zu gründen. Dass das alles so funktioniert hat, lag auch daran, dass die Ratzeburger mich unterstützt haben. Insofern, dass ich mit Stolz behaupten kann, dass ich einer derjenigen bin, die hier in Ratzeburg leben dürfen, arbeiten dürfen und auch über die Ratzeburg ihr Geld verdienen dürfen. Irgendwann war soweit alles in seinen Bahnen, dass ich entschloss, mich auch in der Stadt zu engagieren, um ein bisschen zurückzugeben. Ich beschloss 2002 was politisch zu machen, weil da kann man viel bewegen. 2003 bis 2008 war ich erster Vorsitzender der Ratzeburger SPD. 2009 bis 2015 war ich erster Vorsitzender vom W.I.R.. In dieser Zeit, wo ich auch politisch gearbeitet habe, habe ich auch als Bürgerdelegierter im AWTS (Ausschuss für) mitgemacht, ab 2013 war ich wieder in der Stadtvertretung. Ich war zweiter stellvertretender Bürgervorsteher, zweiter Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Ratzeburg, stellvertretender Vorsitzender im Hauptausschuss und Mitglied im Finanzausschuss. Ich habe in ganz viele Sachen nicht nur reingerochen. Da man sich mit den Themen auch richtig tief beschäftigen muss, habe ich schon einen genaueren Einblick. Und ich weiß, was auf mich zukommt, sollte ich zum Bürgermeister gewählt werden.

Ich habe keine Verwaltungskenntnisse über die hinaus, die ich über meine politischen Aktivitäten mit aufgesogen habe. Da bekommt man schon das eine oder andere mit. Ich bin auch kein Verwaltungsmensch, und ich will zukünftig auch nicht dieser Verwaltungsmensch sein beziehungsweise als ein solcher angesehen wird. Ich persönlich glaube auch, Ratzeburg braucht etwas anderes. Ratzeburg braucht eine Initialzündung um das Image als ‚Bürokratenstadt‘ loszuwerden. Und ich glaube, das schafft Ratzeburg nur, wenn Ratzeburg auch mal Sachen anders macht. Und da sehe ich mit mir die Chance. Wichtig ist natürlich, dass man da die Mitarbeiter der Verwaltung hinter sich hat. Weil man als Nicht-Verwaltungsmensch stark von den Mitarbeitern abhängig ist. Aber die Stadt Ratzeburg hat da gutes Personal. Eine gute Vernetzung, Verzahnung und Zusammenarbeit ist da natürlich dringend notwendig. Das kann ich erreichen. Das würde ich auch erreichen wollen. Und dann würde es auch funktionieren. Die Verantwortung, die ein Bürgermeister hat, ist mir klar, und ich bin bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. Für mich heißt das aber auch, dass ich mich nicht auf dem ausruhe, was ich weiß. Ich bin durchaus lernbereit und lernwillig, was verwaltungstechnische Abläufe angeht. Dass Ratzeburg bereit ist für etwas anderes, davon bin ich zutiefst überzeugt.

Und nicht zu unterschätzen ist auch die Politik. Wir haben hier in Ratzeburg wirklich gute Politiker – in der einzelnen Fraktion. Politiker, die sich über die Maßen hinaus engagieren. Und ich glaube, wenn man es schafft mit der Politik, die da elementar ist, wirklich zusammenzuarbeiten, schafft man Synergieeffekte durch politische Entscheidungen und durch verwaltungstechnisches Handeln, was Ratzeburg noch weiter nach vorne bringt. Jemand der Bürgermeister werden will und ausruft, ‚bei mir wird alles anders‘, ist ohne die Politik mit einzubinden zum Scheitern verurteilt.

Herzogtum direkt: Werden Sie also eine engere Zusammenarbeit mit der Politik anstreben?

Sami El Basiouni: Ein Verwaltungschef ist dazu da, die Beschlüsse ordentlich vorzubereiten und auch so zu vorzubereiten, dass eine Politik die gut versteht und auch damit umgehen kann. Und dass auch eine Kommunikation im Vorwege noch anders stattfindet, um auch ein gewisses Unbehagen innerhalb von Sitzungen da auszuschließen. Das ist für mich in den letzten Jahren nämlich etwas zu viel gewesen, dass Verwaltung und Politik sich nicht immer eins sind.

Ich denke, einen Bürgermeister macht noch viel mehr aus, als die sogenannte Verwaltungskompetenz. Der muss innovativ sein, kontaktfreudig, durchsetzungsfähig, fantasievoll und Initialzündung gebend. Das sehe ich alles auch als einen gewissen Handlungsspielraum in einer Verwaltung an – Ideen zum Beispiel aus der Bevölkerung aufgreifen. Diese in Vorlagen packen, dass es auch Bestand in der politischen Diskussion hat. Ich sehe da Handlungsspielraum innerhalb der Verwaltung, wo man vielleicht die eine oder andere Schraube etwas anders stellen kann.

Viel Wert würde ich auch auf die Ratzeburger Wirtschaft legen. Auch die würde meine Unterstützung von einem ganzen anderen Gesichtspunkt her erhalten, weil ich hier schon Unternehmer seit 22 Jahren bin. Weil ich es auch politisch mitbekomme, wo sich eine Stadt Ratzeburg hin entwickelt.

Herzogtum direkt: Können Sie eine Sache benennen, wo in Ratzeburg der größte Handlungsbedarf besteht, was Politik und Verwaltung unbedingt angehen sollten?

Sami El Basiouni: Immer fällt mir da wieder die Wirtschaft ein, mit der Frage, ‚wie soll sich Ratzeburg da zukünftig präsentieren?‘. Wie soll es aufgestellt werden? Mit welchem Slogan will Ratzeburg für sich werben? Das mit dem Titel ‚Einkaufsstadt‘ ist gelaufen. Als Einkaufsstadt als solches wird Ratzeburg nicht gewinnen. Ratzeburg muss sich neu erfinden mit den Möglichkeiten, die da sind. Ratzeburg ist eine tolle Touristenstadt. Ratzeburg muss es schaffen, sich da anders zu präsentieren und zu verkaufen. Mölln hat es zum Beispiel geschafft, noch zusätzlich einen Mitarbeiter für den Tourismus zu bekommen. Jemand, der die Wirtschaft begleitet. Das ist etwas, woran ich arbeiten werde. Das ist etwas, was ich mir auch für Ratzeburg wünsche. Wobei auch das natürlich politische Beschlüsse voraussetzt, wo man entsprechend vorarbeiten muss – wie kann man das der Politik schmackhaft machen. Die Leerstände, die wir haben, müssen angegangen werden. Das Problem ist aber nicht so groß, wie es immer dargestellt wird. Es ist eher das Problem, wie sich die Geschäftswelt künftig hier darstellt und wohin sie sich entwickelt. Ob das nachher ein Ratzeburger Zentrum wird, wo Aufenthaltsqualität mit mehr Restaurant und Kneipen geschaffen wird für die Touristen oder ob da noch mehr Kleingeschäfte reingehen – das ist alles eine spannende Frage, wo in der Vergangenheit natürlich darüber diskutiert wurde, was ich aber versuche, aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und zu gucken, was habe ich für Steuerungsmöglichkeiten. Das kann ich so jetzt aber noch gar nicht abschätzen, welche Möglichkeiten ich da haben werde, wenn ich dann auf der Seite der Verwaltung sitzen würde.

Herzogtum direkt: Vielen Dank für das Interview.

Zur Person:

• Sami El Basiouni

• geboren am 11.12.1964 in Lübeck

• glücklich verheiratet seit 1992, 2 Kinder

• Wohnung: Demolierung 13 in Ratzeburg

• IT-Kaufmann und selbständiger Unternehmer

• 1985 Realschulabschluss in der Berufsfachschule Mölln
Fachrichtung Technik/ Metall

• 1987 Gesellenbrief zum Gießereimechaniker (Former) bei H&H
in Mölln

• 1989-1991 Bundeswehr

• 1992-1993 Angestellt bei einer Franz. Fa. mit Sitz in Hamburg als techn. Assistent für
Sicherheitsausrüstung bei Polizei und Feuerwehr

• 1993-1994 Weiterbildung im Bereich CNC und EDV Technik

• 1994-1996 Selbstständig: Ratzeburg‘s erste Preisargentur im Bereich Preis-und Warenermittlung
für den Privaten und Gewerblichen Bereich

• 1996-laufend Selbständig im EDV und Telekommunikationsbereich.

• 1999-laufend Eröffnung des Ladengeschäftes S.E.B. EDV & Telekommunikation in der Demolierung 13, 23909 Ratzeburg

• 2001-laufend Erwerb der Ausbilderberechtigung. IT-Systemkaufmann und IT-Systemelektroniker

2003-laufend Verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten

Folgende Aufgaben Sami El Basiouni in der Vergangenheit bewältigt:

– 1. Vorsitzender der SPD Ratzeburg 2003-2008

o Bürgerdelegierter im AWTS,

o Stellv. Mitglied in versch. Ausschüsse

o 1. Vorsitzender des W.I.R. 2009-2015

o Stadtvertreter 2013-2018 (SPD/ BFR)

o Fraktion Vorsitzender BfR-FDP (seit 2016)

o 2. stellv. Bürgervorsteher

o 2. stellv. Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Ratzeburg GmbH

o stellv. Vorsitzender Hauptausschuss

o Mitglied im Finanzausschuss

o Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft Tourismus und Stadtmarketing

o Stellv. In verschiedenen Ausschüsse
1. Vorsitzender Demokratie Leben (bis 2018)

o 2017 Gründung des Bürger für Ratzeburg Ortsverein BfR

o 2018 Einzug der BfR ins Rathaus mit Fraktionsstärke

o Fraktions- Ortsvorsitzende der BFR

Anmerkung der Redaktion: Kleines Update: Mittlerweile haben auch der Ratzeburger Unternehmer Gunnar Koech sowie der Ratzeburger SPD-Ortsvorsitzende Manfred Börner bekannt gegeben, dass sie ebenfalls für das Amt des Ratzeburger Bürgermeisters kandidieren wollen (Stand 14. Dezember 2018).