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Berkenthin (aa). Ein beeindruckendes Zeichen für Menschenwürde, Toleranz und Vielfalt sandten heute unter dem Motto ‚Wir sind nicht still‘ viele Menschen von Berkenthin aus in die Welt. Gerechnet hatten die Veranstalter, die Berkenthiner Kirchengemeinde und die Gemeinde Berkenthin, im Vorfeld mit rund 300 Teilnehmern, am Ende waren es zirka 1.000 Demonstranten, die gemeinsam durch den Ort zogen und sich zu einer Abschlusskundgebung auf dem Pastoratsvorplatz versammelten.

„Wir sind sehr viele und wir sind nicht still. Ich bin überwältigt und beeindruckt. Das ist die größte Demonstration, die Berkenthin je gesehen hat“, stellte Gemeindepastor Wolfgang Runge nach dem Marsch vom Berkenthiner Amtsgebäude zur Maria-Magdalenen-Kirche fest. „Wir brauchen keine Angstmacherei und Hetze. Gemeinsam sind wir stark“, so Runge weiter. „Es zeigt, dass wir hinhören, aber nicht alles hinnehmen. Schön, dass sich hier heute so viele Leute eingefunden haben“, ergänzte Amtsvorsteherin Iris Runge.

Die Demonstration sollte um 11 Uhr beginnen. Nur fünfzehn Minuten vorher waren noch nicht viel mehr als 150 Menschen vor dem Amtsgebäude versammelt. Zu diesem Zeitpunkt schien die Vorabprognose der Veranstalter von erhofften 300 Demoteilnehmern nur knapp erreichbar. Doch dann kamen innerhalb einer Viertelstunde noch mehr Menschen – viel mehr. Selbst als sich der Demonstrationszug, gesichert von Polizei und Feuerwehr, in Bewegung setzte, schlossen sich immer weitere Menschen an. Eine Zählung am Ende der Kirchsteigbrücke, über die sich der Zug schlängelte, ergab dann eine Anzahl von rund 1.000 Menschen.

„Ich bin nicht still“, sagte auch Berkenthin Bürgermeister Michael Grönheim im Rahmen der Abschlusskundgebung, „Wenn antidemokratische und rassistische Parolen wieder offen in unseren Parlamenten skandiert werden, dann dürfen wir nicht still sein.“ Bei Rassismus unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung müsse die Justiz durchgreifen, so Grönheim weiter.

Pröbstin Frauke Eiben vom Ratzeburger Bündnis gegen Rechts prangerte einen weltweiten Wertewandel an. Es gehe vielerorts nicht mehr um Argumente, sondern nur noch um Macht und Deutungshoheit. Eiben forderte die Gesellschaft auf, wieder mehr Menschlichkeit zu zeigen.

Foto: Anders

Nachdem die Menge nochmals ‚Wir sind laut‘ skandierte, ergriff Pastor Runge erneut das Wort: „Wir sind laut, weil wir Hetze nicht mehr hinnehmen wollen. Wir sind laut, weil wir das Sterben im Mittelmeer nicht mehr hinnehmen wollen. Wir sind laut, weil wir gegen Anschläge sind. Wir sind laut, weil wir es nicht länger hinnehmen wollen, dass besorgte Bürger mit Nazis gemeinsame Sache machen. Es braucht unser Engagement. Wir erheben unsere Stimme, wir sind laut, wir sind viele, wir sind bunt!

Wir können nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen. Aber als eines der reichsten Länder der Erde können wir einen großen Teil beitragen, Leid zu lindern.

Immer wieder werden Menschen in Not gegeneinander ausgespielt. Auch Alleinerziehende, Rentner und Hartz IV Empfänger brauchen mehr Unterstützung, während die Reichen immer reicher werden – auch dafür sind wir laut.

Keine Partei kann für das ganze Volk sprechen. Wir leben in einer offenen Demokratie und das soll so bleiben.“