25 Jahre Kreisarchiv – Cordula Bornefeld sagt Lebewohl

572
Landrat Christoph Mager verabschiedet Leiterin des Kreisarchivs Cordula Bornefeld. Foto: hfr
Dieser Artikel wird Ihnen präsentiert von

Ratzeburg (pm). Am 20. Juli wurde Cordula Bornefeld nach 25 Jahren Tätigkeit als Leiterin des Kreisarchivs Ratzeburg von Landrat Christoph Mager in den Ruhestand verabschiedet. Zu Ihrer Zeit im Kreis Herzogtum Lauenburg hat sie ihren ganz persönlichen Rückblick verfasst:

„Als ich im Oktober 1993 die Leitung des Kreisarchivs Ratzeburg übernahm, warteten nicht nur viele neue Aufgaben auf mich, sondern auch eine völlig neue Geschichte – und was für eine! Nach etlichen Berufsjahren in einem nordrhein-westfälischen Staatsarchiv half zwar die Erfahrung, aber erst mit der Zeit wurden mir die besonderen Strukturen im Lauenburgischen vertraut.

Im Kreisarchiv lagen zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Akten, welche inhaltlich erst noch erschlossen werden mussten, um so die Grundvoraussetzung für ihre Darstellung, ihre Nutzung durch die Öffentlichkeit und durch die eigene Verwaltung zu schaffen. So entstanden immer mehr Findbücher, wobei die Herausgabe der zwei Bände über die Kreisakten von 1876 bis 1950 in Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Schleswig (2001) hervorzuheben ist. Etwa 10.000 Aktentitel sind dort zu finden, wobei 8.000 Bände davon im Kreisarchiv liegen und etwa 2.000 Bände im Landesarchiv Schleswig. Später bot das Internet die Möglichkeit, die Bestände einer noch viel breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, die dies – wo auch immer – gerne in Anspruch nimmt.

Die ersten 1 ½ Jahrzehnte waren außerdem geprägt von einer engen Zusammenarbeit mit den Archivarskollegen im Kreis Herzogtum Lauenburg. Es wurden gemeinsame Buchprojekte verwirklicht, wie die „Geschichte der Stecknitz-Fahrt“ zum 500- jährigen Jubiläum (1998) oder die Veröffentlichung „Zwischen Stillstand und Wandel“ zum 125-jährigen Bestehen des Kreises Herzogtum Lauenburg (2001). Ausstellungen zu historischen Themen (1848, Archivische Kostbarkeiten) oder Workshops, die sich vor allem mit der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzten, wurden veranstaltet.

Im Rhythmus von fünf Jahren fand seit 2001 „Der Tag der offenen Tür“ statt, welcher zahlreiche Besucher anzog, die sich im Anschluss als regelmäßige Archivbenutzer im Kreisarchiv wieder einfanden. Es folgten ganz eigenständige Veröffentlichungen, von denen ich „Oma war beim Buttern…“ zum Gebietsaustausch im November 1945 (2005) besonders hervorheben möchte – weil sie auf eine unerwartete Resonanz stieß.

Als langjähriges Mitglied des Redaktionsausschusses der Lauenburgischen Heimat und spätere Schriftleiterin erhielt ich einen guten und unmittelbaren Überblick über die Vielfalt regional-historischer Themen, die den Autoren wichtig waren. Den Austausch mit ihnen habe ich immer als lebhaft und abwechslungsreich empfunden.

Dennoch stand die Zusammenarbeit mit der eigenen Verwaltung für mich stets im Mittelpunkt, um ihr die Vorzüge eines geordneten und funktionierenden Archivbetriebs zu verdeutlichen. Gesetzliche Grundlagen zur Untermauerung der berechtigten Ansprüche eines Archivs sind das Eine, etwas Anderes ist der stetige persönliche Austausch über die inhaltliche Bedeutung und Bewertung einzelner Aktengruppen. Dies berücksichtigend empfinde ich die Entwicklung im Rückblick als sehr positiv. Die Gegenwart gestaltet sich sehr viel komplexer, die digitale Akte wird absehbar das Verwaltungshandeln dokumentieren. Eine wesentliche Aufgabe wird daher die Sorge um die Sicherung des digitalen Archivguts sein, um auch künftig auf archivwürdige Entscheidungsprozesse zurückgreifen zu können.

Das Kreisarchiv als einen offenen- und schwellenfreien Ort der Forschung und des Austausches für eine interessierte Öffentlichkeit und die Kollegen in der Verwaltung zu etablieren, war mir stets wichtig.

Die Vielfalt der Aufgaben und zahlreiche spannende Begegnungen während der letzten 25 Jahre bedeuteten für mich Abwechslung und auch Herausforderung, die ich immer wieder mit Interesse und Freude angenommen habe. Auf diese Weise entwickelte sich das Kreisarchiv Ratzeburg unaufhaltsam zu „meinem“ Archiv.

Ich freue mich, dass als neue Kreisarchivarin eine Nachfolgerin gefunden wurde, die sich bereits bestens im Kreis auskennt: Frau Dr. Anke Mührenberg wird am 1. Oktober 2018 die Leitung des Kreisarchivs übernehmen – im Kreis Herzogtum Lauenburg bislang als Leiterin der Archivgemeinschaft Schwarzenbek bekannt.