Bis 2030 fehlen 1.186 Vollzeit-Pflegekräfte im Herzogtum Lauenburg

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Herzogtum Lauenburg (pm). Angesichts steigender Zahlen von pflegebedürftigen Menschen einerseits und andererseits bereits jetzt fehlender Pflegefachkräfte, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund im Kreis Herzogtum Lauenburg eine Aufwertung der Pflegeberufe. Die Situation in der Pflege werde sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen.

Laut einer Prognose der Bertelsmann Stiftung wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreis bis 2030 um 41 Prozent erhöhen. Bereits jetzt stehen jedoch nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung um den Personalbedarf aller Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegedienste zu decken. Im Jahr 2030 werden im Lauenburgischen voraussichtlich 1186 Vollzeit-Pflegekräfte fehlen. In der stationären Pflege werden dann knapp 58 % mehr Fachkräfte benötigt und in der ambulanten Pflege gut 55 Prozent zusätzliches Personal.

Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes sagte dazu bei einem Besuch in der Region: „Kein Wunder, dass Altenpflegekräfte im Schnitt nach nur 8 Jahren den Beruf wechseln und in den seltensten Fällen bis ins Rentenalter arbeiten können. Da ist sicher bessere Bezahlung dringend nötig, um den Pflegenotstand zu verhindern, aber der Schlüssel für eine gute, menschenwürdige Pflege sind die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, und die sind heute oft ausgesprochen schlecht und stressig. Wir brauchen dringend verbindliche Personalschlüssel für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Bei der Pflege von Menschen muss genügend Zeit für ein Lächeln bleiben. Auch das gehört zur Arbeit der Pflegekräfte und ist keine ehrenamtliche Aufgabe der Beschäftigten.“

Mit der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe sollen die Mindestanforderungen an die Ausbildung zur/ zum Gesundheits-, Kinderkranken- und Altenpflegerin/ -pfleger sowie die generalisierte Ausbildung zur Pflegefachfrau/ zum Pflegefachmann und die hochschulische Erstausbildung geregelt werden.

Der DGB begrüßt diesen Schritt grundsätzlich, wenn damit die einzelnen Berufsbilder aufgewertet und die Ausbildungsbedingungen verbessert werden. Auf Druck der Arbeitgeber wurden Ausbildungsanforderungen für die künftigen Altenpflegerinnen und Altenpfleger allerdings abgesenkt, offiziell um auch leistungsschwächeren Bewerbern den Zugang zum Beruf offen zu halten. Damit droht die Altenpflege zur „Resterampe“ der Pflegeberufe erklärt zu werden.

„Dieser späte Kompromiss der Koalitionspartner geht auf Kosten der Zukunft einer ganzen Branche“, kritisiert Simone Kroll-Schilke, Sprecherin des DGB-Kreisverbandes Lauenburg. „Wir benötigen eine hochwertige Ausbildung für eine menschenwürdige Pflege. Statt aber die überfällige Aufwertung der Altenpflege zu organisieren und mit attraktiven Bedingungen für ausreichend Fachkräfte zu werben, wird den Interessen der kommerziellen Pflegekonzerne entsprochen, die Altenpflege so billig wie möglich zu halten, um die Gewinne zu maximieren.“