‚AlcoMedia – Voll das Leben!‘: Suchtpräventionsprojekt an der Gemeinschaftsschule Mölln

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(v.li.) Torsten Flocken (AOK), Petra Schörling, Karolina Gren (LSSH) und Jens Schluztkus (Gemeinschaftsschule) stellten das Projekt an der Gemeinschaftsschule vor. Foto: hfr
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Mölln (pm). Mit dem bundesweit einmaligen Projekt ‚AlcoMedia – Voll das Leben!‘ sollen Jugendliche in Schleswig-Holstein über Ursachen und Folgen eines riskanten Alkohol- und Medienkonsums informiert werden und ihr eigenes Verhalten kritisch reflektieren. Gelingen soll dies mit dem Einsatz modernster Medien. So durchlaufen die Schüler mithilfe einer speziellen Applikation (App) an Computer-Tablets einen medienübergreifenden Parcours mit verschiedenen Stationen.

Das Gemeinschaftsprojekt von LSSH und AOK NORDWEST wird an Schulen in Schleswig-Holstein ab der zehnten Klasse durchgeführt. Fachlich begleitet wurde das in der Gemeinschaftsschule Mölln durchgeführte Präventionsprojekt von der Landesstelle für Suchtfragen (LSSH) und Petra Schörling (Sucht- und Schuldenprävention Petra Schörling). „Mit kurzen Filmen, provokanten Thesen bis hin zum Selbsttest motivieren wir die Jugendlichen, über ihr eigenes Konsumverhalten nachzudenken und dieses mit den Mitschülern zu diskutieren, um mit Hilfe der Moderatoren schließlich einen kompetenten Umgang damit zu erzielen“, sagt Petra Schörling.

Etwa ein Drittel der 16- bis 17-jährigen Deutschen trinkt regelmäßig Alkohol. Jeder fünfte Jugendliche sogar mindestens einmal im Monat fünf Gläser. Eine Menge, die die körperliche und geistige Entwicklung stark beeinträchtigen kann. Hinzu kommt, dass bundesweit etwa 100.000 Kinder und Jugendliche im Alter von vierzehn bis sechszehn Jahren als internetabhängig gelten, weitere 40.000 haben ein problematisches Nutzungsverhalten – Tendenz steigend.

„Mit dem AlcoMedia-Projekt werden die beiden zentralen Themen Alkohol- und Medienkonsum ideal miteinander verbunden und den Jugendlichen mit einem lebensweltorientierten Medium präsentiert. Das schafft Aufmerksamkeit und erhöht die Akzeptanz bei dieser Zielgruppe, einen Zugang zu diesen wichtigen Themen zu finden“, sagt Karolina Gren, LSSH Projektleiterin. Nach ihrer Auffassung ist die Schule ein idealer Ort, die Jugendlichen mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zu erreichen und im gemeinsamen Dialog mit den Mitschülern, Lehrern und den Suchtexperten vor Ort auch eine Verhaltensänderung anzustreben. „Suchtprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur im Zusammenspiel mehrerer Akteure gelöst werden kann“, so Gren und hebt die hervorragende Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule und Petra Schörling hervor.

„Die Jugendlichen in Schleswig-Holstein werden durch das Projekt in unterschiedlichster Form motiviert, über ihr Trinkverhalten nachzudenken. Das geht von der ansprechenden Wissensvermittlung mit dem ‚gläsernen Körper‘, einem Quiz oder einer virtuellen Theke bis hin zum Selbsttest. Die Ergebnisse werden dann im Plenum durch die Anleitung geschulter Pädagogen diskutiert und kritisch hinterfragt ohne dabei zu stigmatisieren“, erklärt Torsten Flocken, Niederlassungsleiter der AOK Lübeck.

Das kritische Hinterfragen des eigenen Medienkonsums bei den Heranwachsenden mit einem technischen Medium wie der ‚AlcoMedia-App‘ mag auf den ersten Blick paradox klingen: „Doch das ist es keineswegs. Es entsteht ein authentisches und lebensnahes Abbild der gesellschaftlichen Diskussion. Wir sensibilisieren die Jugendlichen für neue Umgangsformen und fördern ihre eigene Medienkompetenz“, so Herr Schlutzkus, Suchtpräventionsbeauftragter der Schule.

Erfolgreich getestet wurde das Projekt im Jahr 2014 in einer zehnmonatigen Pilotphase an 17 Schulen mit über 2.100 Schülerinnen und Schülern. Ergebnis: AlcoMedia begeisterte Schüler und Lehrer, die Jugendlichen führten interessante Diskussionen zum eigenen Konsumverhalten und dem zukünftigen Umgang mit Alkohol und Medien. Nach der Pilotphase wurde die App anhand der Evaluationsergebnisse leicht modifiziert und ist seit 2015 im Einsatz.

Anmeldungen interessierter Schulen nimmt Projektleiterin Karolina Gren von der LSSH unter der Telefonnummer 0431 – 5403 340 oder Petra Schörling unter schoerling@ratzeburg-sucht.de entgegen. Weitere Informationen erhalten sie auch unter www.lssh.de.