Ratzeburg (pm). Am 24. Februar 2022 begann mit dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Krieg, der bis heute anhält. Direkt mit Kriegsbeginn gründete sich in Ratzeburg der Verein „Ratzeburg hilft“, der seitdem erfolgreich über weite Grenzen hinweg Sach- und Geldspenden sammelt sowie Hilfstransporte für die betroffene Zivilbevölkerung organisiert. Vorsitzende des Vereins ist Kateryna Turowski. Ziel der ehrenamtlichen Arbeit ist es, konkrete Unterstützung zu leisten und Not dort zu lindern, wo staatliche Hilfe oft an ihre Grenzen stößt. Aktuell bittet der Verein um Unterstützung bei der Anschaffung weiterer Evakuierungsfahrzeuge. Kateryna Turowski richtet sich mit einem persönlichen Appell an die Leserinnen und Leser, um Solidarität einzufordern und an das fortdauernde Leid der Menschen in der Ukraine zu erinnern.
„Ich bin Ukrainerin und lebe in Deutschland.
Ich schreibe diesen Leserbrief als Mensch, der in Sicherheit lebt,
aber im Namen jener spricht, denen diese Sicherheit genommen wurde.
Zugleich schreibe ich aus der Perspektive meiner ehrenamtlichen Arbeit
im Verein „Ratzeburg hilft!“, der sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges
für die Unterstützung der Ukraine und ihrer Menschen engagiert.
Während hier über Risiken, Eskalation und politische Abwägungen diskutiert wird,
sterben in der Ukraine jeden Tag Zivilisten.
Mein Text ist ein Appell gegen die Sprache der Distanz
und gegen das Schweigen, das sich Neutralität nennt
Zynismus, der tötet
Ihr sagt: „Wir sind besorgt.“ Wen meint ihr damit?
Während ihr „besorgt“ seid, fliegen Raketen auf die Ukraine.
Während ihr Risiken abwägt und kalkuliert, sterben Kinder –seit fast vier Jahren.
Unsere Straßen werden mit Blut übergossen.
Nicht im übertragenen Sinne. Mit echtem Warmem Kindlichem Blut…
Ihr fürchtet eine „Eskalation“?
Und was ist mit dem Völkermord?
Was denkt ihr über Frauen, die in U-Bahnen gebären?
Über Kinder, die in Kellern sprechen lernen?
Ihr habt Angst vor „Provokationen“?
Uns tötet man jeden Tag.
Vor aller Augen. Gezielt.
Und das alles unter dem „schweigenden Schirm“ der Neutralität.
Ihr nennt es einen „Konflikt“.
Das ist kein Konflikt.
Das ist kaltblütiger, regeloser Mord.
Ihr habt Angst vor einem „Eingreifen“.
Habt ihr keine Angst vor eurer eigenen Feigheit?
Während ihr akkurat Worte formt,
einschlägt bei uns wieder eine Rakete ein.
In diesem Moment sterben jene,
die sich einfach nur schlafen gelegt hatten.
Ihr „schließt Hilfe nicht aus“…
Aber wir können niemanden mehr anrufen.
Weil sie schon tot sind.
Oder noch unter Trümmern atmen.
Niemand wird sie retten.
Bis zu eurer „Entscheidung“ – werden sie nicht mehr leben.
Ihr glaubt, ihr habt noch Zeit?
Wir haben keine mehr.
Ihr habt Angst, euer Gesicht zu verlieren.
Uns fehlen bereits die Körper, die man noch identifizieren könnte.
Das ist keine Politik.Nicht einmal Diplomatie.Das ist purer Zynismus.
Ein Spiel mit Leben.
Ein Tanz auf Knochen
im Takt von höflichen Schweigens.
Eine Welt, in der man langsam tötet.Eine Welt, die zuschaut und nichts sieht.
Aber wir sehen. Wir spüren den Schmerz und die Angst.
Und schrecklicherweise wir haben uns daran gewöhnt…
Und wenn eure Kinder euch eines Tages fragen:
„Was habt ihr getan, um diesen Krieg zu stoppen?“ –
Was werdet ihr ihnen antworten?
Unterstützen Sie die Ukraine – politisch, humanitär, menschlich.
Schauen Sie nicht weg.“
Kateryna Turowski (Ukrainerin, lebt in Deutschland)
Vorsitzende vom Verein „Ratzeburg hilft e.V.“
Der Appell gewinnt zusätzliche Aktualität durch die derzeit besonders angespannte Lage in der Ukraine. Gezielte Angriffe auf Heiz- und Stromkraftwerke verschärfen die humanitäre Situation für die Zivilbevölkerung erheblich. Der Verein „Ratzeburg hilft“ setzt seine Unterstützung weiterhin fort. Weitere Infos unter www.ratzeburg-hilft.de.
Bitte spenden Sie auch direkt unter:
Raiffeisenbank Ratzeburg DE79 2019 0109 0010 1995 30
Kreissparkasse Ratzeburg DE20 2305 2750 0081 8072 16
Natürlich werden wir dementsprechende Spendenbescheinigungen dazu bereitstellen!









