Von Niclas Fischer
Erst jetzt, fünf Monate nach seinem Tod, habe ich erfahren, dass Werner Zywietz am 26. Mai 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Diese Nachricht hat mich bewegt und zahlreiche Erinnerungen an unsere gemeinsame politische Zeit wachgerufen. Von 1987 bis 1994 habe ich Werner Zywietz während unserer gemeinsamen Jahre in der FDP persönlich kennengelernt und ihn sowohl politisch als auch menschlich außerordentlich geschätzt.
Besonders lebendig sind meine Erinnerungen an die sogenannte „Ammersbeker Runde“. Ende der 1980er-Jahre lud Werner uns Junge Liberale regelmäßig in sein Privathaus nach Ammersbek ein. Bei guter Bewirtung berichtete er über seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter in Bonn, diskutierte mit uns über aktuelle politische Entwicklungen und ließ uns an seinen Erfahrungen teilhaben.
Diese Abende waren für uns junge, politisch interessierte Menschen etwas Besonderes. Hier begegneten wir keinem distanzierten Berufspolitiker, sondern einem erfahrenen Parlamentarier, der sich Zeit für den politischen Nachwuchs nahm, offen diskutierte und seine Begeisterung für Politik weitergab.
Werner Zywietz war ein politischer Kämpfer. Gerade dann, wenn andere versuchten, ihn in die Enge zu treiben, zeigte er seine ganze Entschlossenheit. Er konnte streiten, war durchsetzungsfähig und ließ sich nicht so leicht unterkriegen. Dabei habe ich ihn stets als einen Menschen erlebt, der seine politischen Überzeugungen ernst nahm und für sie einstand.
Sein eigener Lebensweg verdient besondere Anerkennung. 1940 in Ostpreußen geboren, erlebte er als Kind Flucht und Vertreibung. Als Halbwaise musste er unter schwierigen persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen seinen Weg finden. Dass er später ein Hochschulstudium absolvierte und über Jahrzehnte politische Verantwortung auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene übernahm, ist eine bemerkenswerte Lebensleistung.
Von 1972 bis 1983 und erneut von 1987 bis 1994 gehörte Werner Zywietz dem Deutschen Bundestag an. Er war unter anderem energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Mitglied des Europäischen Parlaments und Landesvorsitzender der FDP Schleswig-Holstein. Sein politisches Wirken reichte damit weit über unsere Region hinaus.
1994 trat ich als FDP-Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Herzogtum Lauenburg – Stormarn-Süd seine Nachfolge als Wahlkreiskandidat an. Zwar gelang mir der Einzug in den Deutschen Bundestag nicht, dennoch bleibt diese Zeit ein wichtiger Abschnitt meines eigenen politischen Lebensweges, der eng mit Werner Zywietz und seinem politischen Wirken verbunden ist.
Wenn ich heute auf diese Jahre zurückblicke, erinnere ich mich auch an eine FDP, die durch profilierte Persönlichkeiten, politische Sachkenntnis und eine bemerkenswerte Durchsetzungsfähigkeit geprägt war. Werner Zywietz verkörperte für mich viele dieser Eigenschaften.
Auch wenn ich heute nicht mehr der FDP angehöre und mich als Fraktionsvorsitzender der Lauenburger Wählergemeinschaft (LWG) in der Stadtvertretung Lauenburg/Elbe engagiere, haben mich die Erfahrungen aus jener Zeit nachhaltig geprägt. Von Werner Zywietz habe ich vor allem eines mitgenommen: Politik verlangt Überzeugung, Standfestigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem wird. Diese Haltung hat für mich bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.
Sein Lebensweg kann auch heutigen Generationen als Vorbild dienen. Er zeigt, dass selbst schwierige Ausgangsbedingungen kein Hindernis sein müssen, wenn Menschen Leistungsbereitschaft, Beharrlichkeit und den Mut aufbringen, Verantwortung zu übernehmen.
Für mich persönlich war Werner Zywietz stets ein Vorbild – politisch wie menschlich. Ich habe seine Arbeit bewundert, seine Standfestigkeit respektiert und vor allem den Menschen Werner Zywietz sehr geschätzt. Ich empfinde Dankbarkeit dafür, dass ich ihn kennenlernen und ein Stück seines politischen Weges begleiten durfte.
Werner Zywietz hat meinen uneingeschränkten Respekt. Ich werde ihn und unsere gemeinsame Zeit in bester Erinnerung behalten.
Über den Autor: Dipl.-Päd. Niclas Fischer engagierte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren in der FDP und kandidierte 1994 als FDP-Direktkandidat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Herzogtum Lauenburg – Stormarn-Süd. Heute ist er Vorsitzender der Fraktion der Lauenburger Wählergemeinschaft (LWG) in der Stadtvertretung Lauenburg/Elbe.











