Mölln/Kassel (pm). Wie verändern neue Bestattungsformen die Arbeit der Friedhöfe? Und welche Auswirkungen haben die aktuellen Änderungen der Bestattungsgesetze? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Ende Oktober 2026 eine Fachtagung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel.
Unter dem Titel „In Zukunft mehr Freiheit? Die neuen Bestattungsgesetze und ihre Auswirkungen auf die Friedhöfe“ kamen Fachleute und Friedhofsverwalterinnen und -verwalter aus verschiedenen Regionen Deutschlands zum fachlichen Austausch zusammen.
Einen besonderen Blick richteten die Teilnehmenden dabei nach Schleswig-Holstein und nach Mölln. Der Leiter der Möllner Friedhöfe, Johannes M. Stettner, berichtete unter dem Titel „Vom Pilotprojekt zum Bestattungsgesetz – Erfahrungen der Reerdigung aus Mölln“ über die Entwicklung und die praktischen Erfahrungen mit dieser neuen Bestattungsform.
Mölln nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Hier wurde die Reerdigung deutschlandweit als Pilotprojekt erprobt. Dazu fand auf dem Alten Friedhof 2022 die erste Reerdigung in Europa statt. Was zunächst eine innovative Idee war, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem bundesweit und international beachteten Modellprojekt.
Stettner berichtete in Kassel aus der Praxis und zeigte auf, welche Erfahrungen die Möllner Friedhöfe im Umgang mit der neuen Bestattungsform gesammelt haben. Dabei geht es längst nicht nur um den technischen Prozess. Auch die Gestaltung der Abschiednahme, die Einbindung der Angehörigen, die Beisetzung der entstandenen Erde sowie die Kommunikation mit Angehörigen und Öffentlichkeit spielen eine wichtige Rolle. „Reerdigung“ bedeutet damit auch für die Friedhöfe, neue Abläufe zu entwickeln und zugleich vertraute Formen des Abschieds zu bewahren.
Ein wichtiger Meilenstein wurde in diesem Jahr erreicht: Am 18. Juni 2026 beschloss der Schleswig-Holsteinische Landtag die Aufnahme der beschleunigten Verwesung in einem geeigneten Behältnis als weitere Bestattungsart in das Bestattungsgesetz. Das Gesetz trat am 6. August 2026 in Kraft. Schleswig-Holstein ist damit das erste Bundesland, das diese Bestattungsform gesetzlich verankert hat.
Die Entwicklung hat inzwischen eine überregionale Dimension erreicht. Kürzlich wurde bereits die 100. Reerdigung durchgeführt; Verstorbene kamen aus 14 Bundesländern und dem Ausland. Auch internationale Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern sowie aus den USA haben sich auf dem Neuen Friedhof in Mölln über die Erfahrungen informiert.
Die Fachtagung in Kassel zeigte damit eindrucksvoll, wie sich das Friedhofs- und Bestattungswesen derzeit verändert. Mölln ist dabei vom Pilotstandort zu einem wichtigen Erfahrungsort für eine neue Bestattungsform geworden. Der Austausch in Kassel machte deutlich: Die Zukunft der Friedhöfe wird nicht allein durch neue Gesetze bestimmt. Entscheidend ist auch die Frage, wie neue Möglichkeiten verantwortungsvoll, würdevoll und professionell in die bestehende Friedhofskultur integriert werden.












