Ratzeburg (pm). In der politischen Bildungsreihe „SelbstVerständlich Politik“ organisiert die Volkshochschule Ratzeburg und Umland am Dienstag, 15. September 2026, um 19 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses ein Podiumsgespräch unter dem Titel ’80 Jahre Demokratie in Ratzeburg … ein Blick zurück, ein Blick ins Heute‘. Am 15.09.1946, also vor genau 80 Jahren, wählten die Ratzeburger erstmalig nach Ende der NS-Diktatur in freien und demokratischer Wahl eine eigene Stadtvertretung.
Die Wahl fand unter extremen äußeren Bedingungen und nach einem von den Briten vorgegebenen, sehr speziellen System statt. Schleswig-Holstein und auch Ratzeburg war durch den Zustrom von Millionen Heimatvertriebenen und Geflüchteten völlig überlastet. Die Integration dieser Menschen war das alles beherrschende Thema im Wahlkampf. Viele der Zugezogenen waren jedoch noch gar nicht wahlberechtigt, da für das aktive Wahlrecht eine bestimmte Mindestwohnsitzdauer in der Gemeinde vorgeschrieben war. Erst ein Jahr zuvor (ab September 1945) hatten die Briten die Neugründung von politischen Parteien überhaupt wieder erlaubt. Wer im NS-Regime aktiv oder belastet war, wurde von den britischen Behörden streng von den Wahllisten gestrichen.
Die britische Militärregierung wollte den Deutschen ihr eigenes, britisches Wahlsystem nahebringen. Es handelte sich um ein reines Mehrheitswahlsystem in Einpersonenwahlkreisen. Die Gemeinden wurden in Wahlkreise aufgeteilt. Wer im jeweiligen Wahlkreis die meisten Stimmen (die relative Mehrheit) erhielt, zog direkt in die Gemeindevertretung ein. Alle anderen Stimmen für unterlegene Kandidaten verfielen komplett. Die Briten wollten bewusst Persönlichkeitswahlen fördern. Die Bürger sollten lokale, bekannte Personen wählen und nicht starre Parteilisten Dieses System führte zu einer massiven Verzerrung der Wahlergebnisse. Parteien, die flächendeckend zweitstärkste Kraft wurden, gingen in vielen Gemeinden fast leer aus, während die stärkste Kraft eine überwältigende Mandatsmehrheit errang.
Trotz all dieser Widrigkeiten legten die Gemeindewahlen vom 15. September 1946 in den Gemeinden ein ersten demokratisches Fundament, auf dem die gemeindliche Selbstverwaltung bis heute noch wirkt und gedeiht. Natürlich haben sich inzwischen die Rahmenbedingungen geändert. Aber Kommunalpolitik steht auch in der Gegenwart unter großen Herausforderungen … über die wir mit dem Blick zurück und nach vorn … im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚SelbstVerständlich Politik‘ ins Gespräch kommen wollen, mit Stadtarchivar Christian Lopau und dessen Nachfolger Martin Münke sowie mit kommunalpolitisch Aktiven aus Stadt und Amt.
Der Vortrag wird über die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!‘ gefördert. Der Eintritt ist kostenlos. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei erreichbar.











