Mölln (aa). Gaston Prüsmann (78) hat den Tierschutzverein Mölln und Umgebng von 2011 bis 2026 geführt – und ihn in dieser Zeit von einem kriselnden Verein mit 130 Mitgliedern zu einer gefestigten Institution mit über 800 Unterstützern gemacht. Im Gespräch mit Herzogtum direkt blickt er auf eine Ära zurück, die von Zufällen, finanziellen Kämpfen und persönlichen Opfern geprägt war. Und erklärt, warum er trotz Renteneintritts und des plötzlichen Todes seiner Frau weitermacht – jetzt als Vorsitzender des Verein ‚Katzenschutzverein und Tiernothilfe Büchen‘.
Vom Zufall zur Berufung: Wie alles begann
Herzogtum direkt: Gaston, du bist 2005 eher zufällig von Hamburg nach Mölln gezogen. Wie kam es dazu?
Gaston Prüsmann: Es war absoluter Zufall. Wir wollten etwas Neues anfangen, Hamburg war für uns nicht mehr bezahlbar. Wir haben Kreise um die Stadt gezogen, sind über Dörfer gefahren – bis wir in Mölln ein verwuchertes Grundstück fanden. Die Nachbarin kam mit einem großen Hund raus – das war das Zeichen. Ich sagte: „Hier sind liebe Hunde, hier ziehen wir her.“
Herzogtum direkt: Und wie wurdest du dann Vorsitzender des Tierschutzvereins?
Gaston Prüsmann: Auch wieder Zufall. Ich war Rentner, meine Frau noch berufstätig. Marc von RCT Radio (Radio-COMtogether Mölln war ein lokales Internetradio-Projekt) hat mich überredet, bei der Moderation mitzumachen. Dann sprach mich der damalige Vorsitzende des Möllner Tierschutzvereins an: „Wir suchen einen Schatzmeister.“ Ich habe ihn wochenlang ‚rausgeschmissen‘. Schließlich ging ich doch zur Hauptversammlung – und wurde gewählt. Nach zehn Tagen trat der Vorsitzende zurück. Der damalige Bürgermeister sagte: „Bei Ihnen kann ich mir das vorstellen.“ Meine Frau fragte nur: „Geht das um Tiere?“ – „Ja.“ – „Dann mach das, ich stehe hinter dir.“
Vom Krisenverein zur Erfolgsgeschichte
Herzogtum direkt: Der Verein war damals in einem desolaten Zustand – nur noch 130 Mitglieder. Wie hast du das geschafft?
Gaston Prüsmann: Am Anfang war ich allein. Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr. 2013 wurde ich in den Landesvorstand des Deutschen Tierschutzbundes gewählt – dort habe ich erst richtig etwas über Tierschutz gelernt. Heute hat der Verein 800 Mitglieder. Ich war mit meinem Infostand überall, bei jedem Wetter. Die Leute haben gesagt: „Das wird nichts, du bleibst nicht lange.“ Aber ich habe mich durchgesetzt. Andere sind gegangen, ich habe den Vorstand mehrmals erneuert – bis auf eine Beisitzerin, die bis heute dabei ist.
Herzogtum direkt: Das Tierheim wurde in Ihrer Zeit stark ausgebaut. Wie haben Sie das finanziert?
Gaston Prüsmann: Ohne die Kulanz von Mölln und dem Altenamt sowie einem zinslosen Darlehen des Deutschen Tierschutzbundes hätten wir 2020 nicht das Verwaltungsgebäude und die Hundequarantäne bauen können. Corona hat uns dann gebremst – die Kosten für Strom, Tierärzte, Personal sind alle explodiert. 2024/25 konnten wir dank Erbschaften endlich das Hundehaus planen. Am 28. Juni, meinem Abschiedstag, war der Stapellauf – die Einweihung ist für August 2026 geplant.
Finanzielle Kämpfe & der Konflikt mit Ratzeburg
Herzogtum direkt: Du hattest vor einigen Jahren die Verträge mit Ratzeburg, Mölln und Breitenfelde gekündigt. Warum?
Gaston Prüsmann: Die Kosten sind durch Corona massiv gestiegen. Wir müssen kostendeckend arbeiten. Ratzeburg wollte sehr wenig zahlen und hat sich umorientiert. Die Behauptung, wir seien zu teuer, ist falsch. Als wir verhandeln wollten, kam Ratzeburg nicht einmal zum Termin. Mölln und Breitenfelde haben es verstanden, Ratzeburg nicht.
Herzogtum direkt: Tierschutzvereine entlasten die öffentlichen Kassen um über 400 Millionen Euro pro Jahr. Warum unterstützt der Staat sie nicht stärker?
Gaston Prüsmann: Tierschutz ist im Grundgesetz verankert – aber die Kommunen, die eigentlich zuständig wären, zahlen nicht. Stattdessen erhöhen Bund und Land die Steuern und lassen die Last bei den Bürgern. Wir machen die Arbeit ehrenamtlich – und sparen den Kommunen Millionen. Aber viele Politiker verstehen das nicht. Sie glauben, sie unterstützen uns. Dabei ist es umgekehrt.
„Man muss ein bisschen blöd im Kopf sein“
Herzogtum direkt: Du warst immer rund um die Uhr erreichbar – auch nachts. Wie hast du das geschafft?
Gaston Prüsmann: Ich bin gelernter Speditionskaufmann, war das Arbeiten gewohnt. Aber ich muss zugeben: Man braucht ein großes Herz – und ein bisschen Blödsein im Kopf. Wenn ein Tier in Not war, egal in welcher Kommune, bin ich gefahren. Verwaltung und Politik können sagen: „Wir sind nicht zuständig.“ Ein Tierschützer nicht.
Herzogtum direkt: Deine Frau ist im Oktober 2025 plötzlich verstorben. Wie ging es weiter?
Gaston Prüsmann: Ich fiel in ein tiefes Loch. Ursprünglich wollte ich ab Juli 2026 mit ihr das Privatleben genießen. Dann kam das Angebot aus Büchen. Ich habe zugesagt – um nicht in ein neues Loch zu fallen und um den Verlust zu verarbeiten. Meine Frau hätte es gewollt. Wenn sie irgendwo da oben ist, hat sie jetzt wieder den Daumen hoch gemacht und gesagt: „Mach das, ich stehe an deiner Seite.“
Erfolge, Baustellen & die Zukunft in Büchen
Herzogtum direkt: Was sind die größten Erfolge in Mölln?
Gaston Prüsmann:
1. Mitgliederzahlen: Von 130 auf 800 gesteigert.
2. Bekanntheit: Mölln ist überregional bekannt – nicht nur in Schleswig-Holstein.
3. Tierheim: Vergrößert (Neubau Verwaltungsgebäude + Hundequarantäne 2020; Hundehaus wird im August 2026 eingeweiht).
4. Zusammenarbeit: Bessere Kooperation mit Ämtern, Politik, Verwaltung.
5. Team: „Eine schlagkräftige Mannschaft – Ehrenamtliche und Mitarbeiter.“
Herzogtum direkt: Und die größten Herausforderungen?
Gaston Prüsmann: Wir brauchen in Mölln dringend ein Katzenhaus. Durch die Katzenschutzverordnung werden immer mehr Katzen abgegeben, weil die Kastrationskosten zu hoch sind. Ich schlage vor, die Kosten auf 50 Euro zu senken. Sonst werden noch mehr Tiere ausgesetzt – und die Tierheime stoßen an ihre Grenzen.
Herzogtum direkt: In Büchen bist du jetzt für drei Jahre gewählt. Was sind deine Pläne?
Gaston Prüsmann: Ich will den Verein weiterentwickeln – nicht nur am Leben erhalten. Die Ehrenamtlichen in Büchen sind top. Am 29. August wird ein neuer Vorstand gewählt. Dann gehen wir gemeinsam voran.
Herzogtum direkt: Ein letzter Satz?
Gaston Prüsmann: „Ohne Arbeit kein Fortschritt. Man muss sich über alle Arbeit freuen, sonst kommt man nicht voran.“





















