Sirksfelde (pm). Beim SPD-Austausch in Sirksfelde kritisieren Eltern, Elternvertretungen sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die zusätzliche Belastung für Familien und die schlechten Busverbindungen im ländlichen Raum. Die SPD fordert ein kostenloses Schülerticket für alle Schülerinnen und Schüler sowie bessere Strukturen im öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum.
Ab dem kommenden Schuljahr müssen alle Eltern im Kreis Herzogtum Lauenburg monatlich 21 Euro für das Deutschlandticket ihrer schulpflichtigen Kinder bezahlen. Das gilt unabhängig davon, wie weit der Wohnort von der Schule entfernt ist und wie gut das Ticket außerhalb des Schulwegs tatsächlich genutzt werden kann.
Über die Folgen dieser Entscheidung diskutierten Eltern, Elternvertreterinnen und Elternvertreter sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg bei einem gemeinsamen Austausch in Sirksfelde. Eingeladen hatte der SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, Ulf Kämpfer, im Rahmen seiner Sommerreise. Gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden der SPD Herzogtum Lauenburg, Cira Ahmad, und dem Amtsvorsteher des Amtes Sandesneben-Nusse, Ulrich Hardtke, hörte er sich die Erfahrungen und Forderungen der Betroffenen an.
Dabei wurde deutlich: Viele Familien empfinden nicht nur die zusätzlichen Kosten als ungerecht. Sie kritisieren auch, dass das Deutschlandticket im ländlichen Raum häufig nur einen begrenzten Nutzen hat, weil Busse zu selten, unregelmäßig oder ausschließlich zu den Schulzeiten fahren.
Familien mit mehreren Kindern besonders belastet
Mehrere Teilnehmerinnen berichteten, dass der Eigenanteil insbesondere Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern stark trifft. Bei drei Kindern entstehen monatliche Kosten von 63 Euro. Eine Geschwisterermäßigung ist bislang nicht vorgesehen.
Sirksfeldes Bürgermeisterin Michaela Tiedemann machte deutlich, dass solche zusätzlichen Ausgaben für manche Familien erheblich seien. Eltern berichteten, dass viele Kinder das Deutschlandticket ausschließlich für den Weg zur Schule benötigen und ein regionales Schülerticket für sie ausreichen würde.
Gleichzeitig könne von einem echten Mobilitätsangebot vielerorts keine Rede sein. In kleineren Gemeinden fahren Busse teilweise nur morgens zur Schule und am Nachmittag zurück. Während der Ferien, am Abend oder am Wochenende bestehen häufig keine oder nur sehr eingeschränkte Verbindungen.
Das führt nach den Erfahrungen der Teilnehmenden dazu, dass Eltern ihre Kinder weiterhin mit dem Auto fahren müssen. Solche „Elterntaxis“ seien nicht immer eine freiwillige Entscheidung, sondern häufig die einzige Möglichkeit, wenn Buslinien ausfallen oder keine passenden Verbindungen angeboten werden.
Kämpfer: Schulweg muss kostenlos sein
Ulf Kämpfer stellte sich während der Diskussion klar hinter die Forderung nach einer kostenfreien Schülerbeförderung. „Der Schülerverkehr müsste kostenlos sein, wenn wir über Schulpflicht sprechen“, sagte Kämpfer. Der Weg zur Schule sei keine freiwillige Freizeitfahrt, sondern eine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht.
Cira Ahmad nimmt Forderungen für die weitere politische Arbeit mit
Cira Ahmad hielt die Anregungen und Kritikpunkte der Eltern und Kommunalvertreter während der Gesprächsrunde fest. Für sie zeigt der Austausch, wie wichtig es ist, politische Entscheidungen nicht nur anhand von Zahlen, sondern auch anhand ihrer konkreten Auswirkungen auf Familien zu bewerten.
Die SPD werde die geschilderten Probleme in ihre weitere Arbeit auf Kreis- und Landesebene aufnehmen. Cira Ahmad betonte: „Die Stimmen aus den Gemeinden müssen in den weiteren Beratungen eine wichtige Rolle spielen.“
Busverbindungen müssen über Kreisgrenzen hinweg geplant werden
Ein weiteres Thema des Austauschs war die Zusammenarbeit benachbarter Kreise. Amtsvorsteher Ulrich Hardtke wies darauf hin, dass Kreisgrenzen bei der Planung des öffentlichen Nahverkehrs häufig wie Denkgrenzen behandelt würden.
Das zeigt sich beispielsweise bei benachbarten Gemeinden wie Schönberg im Kreis Herzogtum Lauenburg und Lütjensee im Kreis Stormarn. Während Eltern im Herzogtum Lauenburg den Eigenanteil von 21 Euro bezahlen müssen, hat der Kreis Stormarn seine Entscheidung über eine Beteiligung der Eltern zunächst auf das Jahr 2027 verschoben.
Kostenloses Schülerticket braucht verlässliche Busverbindungen
Für Ulf Kämpfer und Cira Ahmad steht nach dem Austausch fest: Die Diskussion über das Schülerticket darf nicht bei der Frage nach dem monatlichen Eigenanteil enden. Die SPD setzt sich dafür ein, dass alle Schülerinnen und Schüler kostenlos zur Schule fahren können. Der Schulweg ist eine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht und darf nicht von den finanziellen Möglichkeiten einer Familie abhängen.
Ein kostenloses Ticket allein schafft jedoch noch keine Mobilität. „Damit Kinder und Jugendliche das Angebot tatsächlich nutzen können, braucht es insbesondere im ländlichen Raum bessere Strukturen sowie zuverlässige und regelmäßige Busverbindungen“, so Cira Ahmad. Dazu gehören passende Anschlüsse, kreisübergreifend abgestimmte Fahrpläne und nutzbare Angebote auch am Nachmittag, am Wochenende und während der Ferien. Ziel muss es sein, Familien finanziell zu entlasten und Kindern und Jugendlichen zugleich eine selbstständige und verlässliche Mobilität zu ermöglichen, unabhängig davon, ob sie in einer Stadt oder in einer kleinen ländlichen Gemeinde leben.











