Dassendorf (pm). „Tempo, tempo, tempo“, ruft Lasse Schliemann durch das Dassendorfer Stadion. Der Jugendwart der Feuerwehr Dassendorf spornt die zehn Jugendlichen aus der Wettkampfgruppe an. Die haben Großes vor: Sie sind bei der diesjährigen internationalen Weltmeisterschaft der Jugendfeuerwehren, der sogenannten International Association of Fire and Rescue Service (CTIF)-Olympiade in Tschechien, dabei.
Allzu viel Zeit bleibt nicht mehr: Vom 13. Bis 19. Juli treten Jugendfeuerwehrgruppen aus aller Welt in Šumperk gegeneinander an und messen ihr Können in sportlichen und feuerwehrtechnischen Disziplinen. Dafür trainieren die vier Jungen und sechs Mädchen der Dassendorfer Jugendwehr bis zu drei Mal in der Woche hart – zusätzlich zu den normalen Übungsdiensten.
An diesem Mittwochabend steht Teil 2 des Wettkampfs – Staffellauf – auf dem Plan. Auf 400 Metern muss neunmal der Staffelstab – ein Strahlrohr – weitergereicht werden. Im Lauf müssen die Teilnehmer zwei Meter hohe Leiterwände überklettern, Hürden überspringen, Feuerlöscher abstellen und Schläuche an Verteiler anschließen. „Und das alles möglichst schnell, fehlerfrei und in voller Montur“, sagt Lasse Schliemann.
Der 31-Jährige ist sehr zuversichtlich, dass seine hochmotivierte Mannschaft gut abschneiden wird. „Unser Traum ist es, unter die ersten drei zu kommen“, sagt der Feuerwehrmann. Leicht wird das allerdings nicht: „Die Konkurrenz aus aller Welt wie Japan, Österreich oder Finnland ist stark“, gibt der hochgewachsene Ausbilder unumwunden zu.

Dass die zehn Jugendlichen im Alter von dreizehn bis 16 Jahren besser sind als viele andere, haben sie im vergangenen Jahr im Bundesausscheid der Jugendfeuerwehren in Andernach und Neuwied (Rheinland-Pfalz) gezeigt, wo sie sich den zweiten Platz erkämpft haben – die Voraussetzung, um an der Olympiade teilzunehmen.
Der 15-jährige Aaron Wegner war beim Bundesausscheid dabei und hat mit seinen Sprintfähigkeiten dazu beigetragen, dass die Dassendorfer Jugendwehr deutscher Vizemeister wurde.
„Dass wir nun in Tschechien antreten und unsere Gemeinde vertreten dürfen, macht uns ziemlich stolz“, sagt der Jugendliche. Bei der Olympiade muss er erneut seine Sprintstärke an Position acht des Staffellaufs unter Beweis stellen. Die reibungslose Übergabe des Strahlrohrs an Ella Dammann auf Position neun funktioniert bereits gut. Die 14-Jährige hat an letzter Position die wohl schwierigste Aufgabe zu erfüllen: Sie muss zwei 20 Meter lange Schläuche an einen Verteiler koppeln und mit den auseinander gerollten Schläuchen ins Ziel laufen.
„Das ist herausfordernd“, sagt Johanna Rau, die die Szene vom Rand des Stadions aus beobachtet. Die 16-Jährige stand selbst auf dieser Position bei den Deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr und weiß genau, dass jede Sekunde zählt. „Je schneller, desto mehr Punkte“, fasst sie zusammen. Zugleich bedauert sie, dass sie für eine Teilnahme an der Olympiade nun zu alt ist. Beim Training ist sie dennoch dabei, die anderen sollen von ihrer Wettkampferfahrung profitieren. Rau gibt Tipps und spornt zu Höchstleistungen an.

An Wettkampfgeist fehlt es der Jugendwehr Dassendorf aber nicht. „Die Dassendorfer zählen bundesweit zu den Besten und sind auf Wettkämpfen durchaus gefürchtet“, weiß Sven Stonies, Kreiswehrführer im Lauenburgischen. So sicherte sich ein Dassendorfer Feuerwehrmann beim diesjährigen Kreisfeuerwehrlauf mit 300 Teilnehmern in Mölln auf der zehn Kilometer Strecke den ersten Platz. „Wir sind stolz, so eine sportliche Wehr in unseren Reihen zu haben und drücken den Dassendorfer für Tschechien die Daumen“, sagt Stonies.
„Sportsgeist wird bei uns großgeschrieben und wird von klein auf gefördert“, sagt Lasse Schliemann. Bei dieser Aufgabe kann sich der Jugendwart auf die Unterstützung seiner zehn Ausbilder verlassen, die alle zusammen an einem Strang ziehen. „Das ist ein großer Schatz“, sagt Lasse Schliemann, der selbst seit vierzehn Jahren zum Ausbilderteam gehört. Dass so viel Engagement alles andere als selbstverständlich ist, weiß er aus anderen Wehren. Dort fehlt es oft an Personal für diese ehrenamtliche Tätigkeit – ein Grund, warum die Teilnehmerzahl an sportlichen Ausscheiden auf Kreis- oder Landesebene seit Jahren abnimmt.
Ganz anders in Dassendorf: „Unsere Wettkampftradition ist schon 40 Jahre alt“, berichtet Lasse Schliemann. Wir standen schon öfter im Bundesausscheid auf dem Siegertreppchen und haben schon zweimal an der CTIF-Olympiade teilgenommen“, berichtet Schliemann stolz aus der Chronik der Freiwilligen Wehr. Vor 29 Jahren belegten die Dassendorfer bei der CTIF-Olympiade in Dänemark den zwölften Platz, vor 19 Jahren in Finnland landeten sie auf Platz neun.
Dass die Geschichte nun fortgeschrieben wird, wird auch von der Gemeinde und zahlreichen Unternehmen vor Ort gewürdigt, sehr geschätzt und finanziell unterstützt. Sponsorengelder machen die Teilnahme erst möglich. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Schliemann.
Mit jedem Tag, mit dem die Olympiade in Tschechien näher rückt, steigt die Aufregung bei den Dassendorfern: „Die vielen Trainingseinheiten sind durchaus anstrengend“, sagt Ella Dammann. „Aber Spaß machen sie eben auch.“ An die Platzierung wolle sie jetzt noch nicht denken: „In jedem Fall geben wir unser Bestes“, sagt die 14-Jährige und spricht ihren sportlichen Mitstreitern aus der Wehr aus dem Herzen.











