Ratzeburg (pm). Die Grüne Stadtfraktion in Ratzeburg wird in der Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses am Montag, 1. Juni 2026 einen Antrag für ein stadtweites Nachtfahrverbot von Mährobotern einbringen. Ziel ist es, den stark bedrohten Igelbestand wirksam zu schützen und unnötiges Tierleid zu verhindern.
Der Antrag sieht vor, die Verwaltung zu beauftragen, ein Verbot für den Betrieb von Mährobotern in der Zeit von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang für das gesamte Stadtgebiet zu erlassen.
„Der Igel ist ein fester Bestandteil unserer heimischen Tierwelt – und dennoch wird er zunehmend aus unserem Alltag verdrängt“, erklärt der Grüne Fraktionsvorsitzende Robert Wlodarczyk. „Wenn wir nichts unternehmen, wird er in Zukunft immer seltener zu sehen sein. Auch wir als Stadt tragen Verantwortung für den Schutz dieser Tiere.“
Konkrete Gefahr durch Mähroboter
Igel sind nachtaktive Tiere und verfügen über ein ausgeprägtes Schutzverhalten: Bei Gefahr fliehen sie nicht, sondern rollen sich zusammen. Genau dieses Verhalten wird ihnen beim Zusammentreffen mit Mährobotern häufig zum Verhängnis.

„Viele Menschen wissen gar nicht, welche dramatischen Folgen der nächtliche Einsatz von Mährobotern haben kann“, erklärt Dr. Torsten Walther, Stadtvertreter der Grünen und Initiator des Antrags. „Studien zeigen, dass handelsübliche Geräte Igel nicht erkennen. Die Tiere werden schwer verletzt oder sterben qualvoll. Das ist vermeidbares Leid, welches wir nicht länger ignorieren dürfen.“
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Aarhus belegt, dass keiner von 18 getesteten handelsüblichen Mährobotern in der Lage war, Igel zuverlässig zu erkennen. In der Praxis führt dies immer wieder zu schweren Verletzungen bis hin zum Tod der Tiere.
Artenschutz ist gesetzlicher Auftrag
Der Igel zählt nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Zudem wurde er international als gefährdet eingestuft. Für die Grünen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag.
„Es geht hier nicht um eine symbolische Maßnahme, sondern um den konkreten Schutz einer bedrohten Art“, so Walther. „Ein Nachtfahrverbot ist eine einfache und wirksame Lösung, die ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann.“
Vorbild anderer Städte
Andere Kommunen haben bereits gehandelt und vergleichbare Regelungen eingeführt. Dies haben die Ratzeburger Grünen nun als Vorbild für ihren Antrag genommen.
„Wir orientieren uns hier an bestehenden Beispielen“, betont Wlodarczyk. „Diese zeigen, dass Kommunen durchaus Verantwortung übernehmen können und sollten, wenn es um den Schutz von Igeln und anderen Tieren geht.“
Einfache Maßnahme mit großer Wirkung
Aus Sicht der Grünen ist das vorgeschlagene Nachtfahrverbot eine verhältnismäßige Maßnahme: Tagsüber können Mähroboter weiterhin uneingeschränkt genutzt werden, während in den sensiblen Nachtstunden der Schutz der Tiere Vorrang erhält.
„Niemandem wird die Nutzung eines Mähroboters grundsätzlich untersagt“, stellt Wlodarczyk klar. „Es geht lediglich darum, die Einsatzzeiten so anzupassen, dass die Interessen von Mensch und Tier besser miteinander vereinbar sind.“
Dialogangebot und gemeinsame Verantwortung
Den Grünen ist bewusst, dass der Antrag auch Fragen und Diskussionsbedarf auslösen kann. Die Fraktion setzt daher bewusst auf Aufklärung und Dialog.
„Wir möchten die Menschen für dieses Thema sensibilisieren und gemeinsam Lösungen finden“, sagt Walther. „Artenschutz beginnt oft im Kleinen – im eigenen Garten. Mit vergleichsweise geringem Aufwand kann hier jeder einen Beitrag leisten.“
Auch Wlodarczyk betont die gesamtgesellschaftliche Verantwortung: „Der Schutz unserer heimischen Tierwelt ist eine Aufgabe, welche uns alle betrifft. Wir als Stadtpolitik sind in der Verantwortung die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.“
Fazit
Mit ihrem Antrag wollen die Grünen eine einfache und etablierte Maßnahme für den praktischen Artenschutz auf kommunaler Ebene vorschlagen. Das Nachtfahrverbot für Mähroboter wird als sinnvoller und notwendiger Schritt gesehen, um den Rückgang des Igels aufzuhalten.
„Ratzeburg ist nicht nur Lebensraum für uns Menschen, sondern auch für viele Tierarten“, so Walther und Wlodarczyk abschließend. „Wenn wir diesen Reichtum bewahren wollen, müssen wir auch bereit sein, unser Verhalten entsprechend anzupassen.“
Der Antrag wird in öffentlicher Sitzung im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss der Stadt beraten. Dieser tagt am Montag, 1. Juni 2026 ab 18.30 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses.







