Schlagsdorf (pm). Am 28. März 2026 versammelten sich über 70 Gäste auf dem Außengelände vom Grenzhus in Schlagsdorf. Nach zwei Jahren Umbau wurde das neugestaltete Außengelände eingeweiht. André Konsolke, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium M-V, und Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung M-V, würdigten in ihren Grußworten die Arbeit von Trägerverein und Museumsteam. Mit EU-Fördermitteln aus dem LEADER-Programm, Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist es gelungen, die Rekonstruktion der DDR-Sperranlagen qualitativ weiterzuentwickeln und für jedermann zugänglicher zu machen.
Fördertechnisch handelte es sich um zwei Projekte. Im Projekt „Begehbare Grenzgeschichte“ wurden Objekte umgesetzt, erneuert und erweitert. Dabei achtete man konsequent auf den regionalen Bezug und die Konzentration auf die 1980er Jahre. Ein neues Besucherleitsystem mit komplett überarbeiteten Informationstafeln, barrierearmer Wegführung, Ruhebereich und Einlasssystem verbessern den Besuch. Höhepunkt der Anlage ist unbestreitbar die Darstellung des Wandels der Grenzlinie zwischen 1945 und 1990 durch den Aufbau mehrerer Zeitfenster. Die Abfolge der Zeitperioden macht anschaulich, wie die DDR-Machthaber die Sperranlagen technisch perfektionieren ließen, sich im Kalten Krieg die deutsche Teilung vertiefte. Der Museumsleiter Dr. Andreas Wagner betonte: „Für die Rekonstruktionen nutzten wir nach Möglichkeit historisch originale Objekte und ergänzten zurückhaltend mit Nachbauten. Es geht uns nicht um die Inszenierung der Grenze, sondern um ein kommentiertes Modell der unterschiedlichen Elemente und ihres Zusammenhangs.“ Vom zentralen Aussichtspunkt lässt sich diese Entwicklung gut überschauen. Im zweiten Projekt entstand ein „Offenes Archiv“. Unter der eindrucksvollen Dachkonstruktion können Großobjekte sach- und fachgerecht aufbewahrt werden und sind trotzdem für die Besucher zugänglich. Anhand dieser Objekte werden zusätzliche Themen vermitteln und Neugierige haben einen Ort zum Entdecken.

Luisa Taschner, Leiterin des Bildungsforums am Grenzhus, stellte den Audioguide vor, der mit Unterstützung der Stiftung Sparkasse Mecklenburg-Nordwest und des Offenen Kanals Lübeck entwickelt wurde. Besucher laufen nun mit den Erläuterungen im Ohr über das Gelände. Sie erleben vor Ort die Erinnerungen von Zeitzeugen aus der Region. Darunter sind Harald Gallert, der 1988 mit zwei Freunden über den Schaalsee flüchtete, oder Viola Tobies, die im heute geschleiften Grenzdorf Lankow aufwuchs. Karl-Horst Salzsäuler schildert, wie er vom westdeutschen Ziethen aus auf die Grenze sah und sie wahrnahm. Die Grenze aus unterschiedlichen Perspektiven macht neue Einsichten möglich.
Abschließend führten der begleitende Architekt Thilo Wierzock, der Gruppenbegleiter Wolfgang May und die Museologin Luisa Taschner die Gäste in die Neuerungen auf dem Außengelände ein. Der einsetzende Regen vertrieb die Gäste in das Café Grenzstein, wo bei Kaffee und Kuchen die Ergebnisse und Wahrnehmungen diskutiert werden konnten. Dr. Andreas Wagner freute sich über die große Resonanz und Wertschätzung der Museumsarbeit: „Mit dem neugestalteten Außengelände können wir unseren öffentlichen Bildungsauftrag noch besser erfüllen. Gegen eine Verklärung der Vergangenheit und als Warnung vor Diktatur und Grenzabriegelungen als Lösungsmodelle für gesellschaftliche und politische Probleme.“ Mit dem neugestalteten Außengelände ist das Grenzhus um einen attraktiven Baustein reicher.










