Raubbau an den Kreisforsten?

LINKE fordert ein Einschlag-Moratorium und eine wirklich nachhaltige Entwicklung der Wälder.

686
Symbolbild: Bild von jwvein auf Pixabay
Dieser Artikel wird Ihnen präsentiert von

Ratzeburg (pm). Zurzeit wird in den Kreisforsten eine Waldinventur durchgeführt, die alle zehn Jahre stattfindet und auf deren Grundlage die forstwirtschaftlichen Planungen für die nächsten zehn Jahre durch die Forstverwaltung, den Forstausschuss und den Kreistag festgelegt werden. „Unsere Wälder haben insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel eine große ökologische Bedeutung. Sie sind Lebensraum für vielfältige Tier- und Pflanzengesellschaften, Kohlenstoffspeicher, puffern Starkniederschläge ab und sorgen für eine erfrischende Verdunstungskälte in Hitzeperioden. Sie schützen die Böden, prägen das Landschaftsbild und dienen der Bevölkerung als Erholungsraum. Deshalb sieht das Bundeswaldgesetz eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder vor, um diese wertvolle Ressource zu erhalten und auszubauen. Öffentliche Wälder wie die Kreisforsten sind gehalten, dabei eine Vorbildfunktion einzunehmen“, heißt es in einer aktuellen Meldung der Linkspartei.

„Wenn man die ersten Ergebnisse der Waldinventur sowie die Aussagen von CDU und FDP im Forstausschuss betrachtet, könnte man meinen, unsere Wälder seien reine Holz-Produktions-Maschinerien,“ beschwert sich Manfried Liedtke, Sprecher der Linksfraktion im Kreistag. Nach Ansicht der Linkspartei kommen ökologische und gesellschaftliche Aspekte in den Gutachten zur Waldinventur bisher nicht vor. Positiv sei die Feststellung zu bewerten, dass der Zuwachs der letzten zehn Jahre höher lag als der Einschlag. Denn eine Verdichtung der Wälder sei ein wesentlicher Aspekt, um sie gegen die Klimaveränderungen robuster zu machen. Doch anstatt diese positive Entwicklung fortzuführen, schlägt der von der Forstverwaltung bestellte Gutachter aus Bayern eine Steigerung der Einschlagmenge von bisher zirka 50.000 auf 80.000 Festmeter pro Jahr vor.

„Dieser völlig rücksichtslose Vorschlag ignoriert den Zustand der Kreisforsten und die Herausforderungen des Klimawandels komplett. Statt für eine Verdichtung der Wälder zu plädieren und damit klimawandelgerecht zu handeln, werden Klein-Kahlschläge und Aufforstungen mit zum Teil standortfremden Arten empfohlen. Außerdem wirkt so ein Vorschlag völlig ahnungslos, was die zusätzlichen Einschläge bei einem bereits bestehenden Überangebot mit Preisverfall am Holzmarkt an Erlösen einbringen sollen. Ökologisch optimales Funktionieren ist auch die Voraussetzung für ökonomisch positive Ergebnisse und für die Erfüllung sozialer und kultureller Anforderungen an Wälder. Das verstehen wir unter einer tatsächlich nachhaltigen Entwicklung“, erklärt Manfried Liedke.

Liedke: „Aber das ist anscheinend CDU und FDP völlig egal, Hauptsache Erlöse. Erlöse um jeden Preis, wird fast Mantra-artig von dem einen oder anderen Mitglied des zuständigen Ausschusses vorgetragen. Der Klimaschutz ist völlig egal. Sogar Kahlschläge, natürlich von komplett mit Borkenkäfern befallenen unnatürlichen Fichten-Monokulturen, werden als Beitrag zum Klimaschutz deklariert. Ein von Privatsponsoren mit angeblich Klimawandel resistenten Bäumen geplante Aufforstung soll alles heilen, das ist aber leider nicht wissenschaftlich haltbar.“

Nach Ansicht der Linksfraktion sollen die Eingriffe in die Wälder auf ein Minimum reduziert werden und die Regenerationsfähigkeit der Wälder in den Vordergrund gerückt werden. Liedke: „Wir sind für ein Einschlag-Moratorium, um Zeit für die Entwicklung eines nachhaltigen Wald-Konzeptes zu gewinnen. Die Kreiswälder gehören nicht den im Kreistag vertretenen Parteien, sondern der Bevölkerung. Deshalb sollten auch die Einwohnerinnen und Einwohner sowie relevante Vereine und Verbände beteiligt werden. Wir regen die Schaffung eines speziellen Waldbeirats an, um schlimme Fehler zu verhindern. Keine Erfindung der Linken, sondern bereits bestehende Waldbeiräte in Deutschland sollten als Vorbild dienen. Wir fordern alle Interessierten deshalb auf, sich für Ihren Wald einzusetzen. Teilen Sie Ihre Bedenken und Anregungen dem Landrat mit. Gehen Sie in die Wälder und schauen sich den zum Teil schlechten Zustand an!“