Raiffeisenbank Ratzeburg gibt Fusionpläne bekannt

1808
Die Vorstände der Raiffeisenbank Ratzeburg, Kerstin Andresen und Thomas Naß planen mit zwei weiteren VR-Banken eine Fusion für Anfang 2021. Foto: Anders
Dieser Artikel wird Ihnen präsentiert von

Ratzeburg (aa/pm). „Die Welt verändert sich in einer bislang nicht gekannten Geschwindigkeit und die stetigen Veränderungen machen auch vor dem Bankenumfeld nicht Halt.“ Mit diesem Satz beginnt das Informationsschreiben, dass diese Woche an Mitglieder der Raiffeisenbank Ratzeburg ging. Darin werden diese über aktuelle Fusionspläne der Ratzeburger Genossenschaftsbank informiert.

Die Aufgabe eines Vorstands besteht auch darin, wesentliche Trends zum Wohle der Mitglieder und Kunden –aber auch der Mitarbeiter –zu erkennen, abzuwägen, anzunehmen und zu bewältigen, erklären die Vorstandsmitglieder Kerstin Andresen und Thomas Naß gegenüber Herzogtum direkt. Ein verändertes Kundenverhalten, stärkere gesetzliche und aufsichtsrechtliche Regulierungen sowie eine anhaltende Niedrig- und Negativzinsphase seien nur einige Veränderungstreiber. Andresen: „Diese sind nicht neu, nehmen aber an Geschwindigkeit zu und werden die Bankenbranche so stark verändern wie nichts zuvor. Durch den anhaltenden Niedrigzins sind wir zum Teil in unserem Geschäftsmodell bedroht.“ Daher seien Ideen für neue Geschäftsideen gefordert. Zwar sei man insgesamt gut aufgestellt, aber auch der Wettbewerb sei inzwischen global, sagt Kerstin Andresen mit Verweis auf Bezahlsysteme wie zum Beispiel Paypal. „Da müssen wir gucken, wie wir dagegenhalten können“, führt sie weiter aus. Die aktuelle Corona-Pandemie habe das Thema noch weiter befeuert.

Doch für größere Entwicklungen im Bereich „neue Geschäftsideen“ fehle es laut Thomas Naß der Raiffeisenbank Ratzeburg als vergleichsweise kleine Bank an der „nötigen Schwungmasse“. „Ein ‚Weiter so‘ wie in den vergangenen Jahren gibt es einfach nicht. Wir müssen uns rechtzeitig Gedanken machen, um unsere Werte als Genossenschaftsbank zu erhalten“, ergänzt Kerstin Andresen. „Die Tendenz geht zu immer weniger, immer größeren Banken“, so Naß weiter.

Vor diesem Hintergrund halten es die Vorstände und Aufsichtsräte der Raiffeisenbank eG, Ratzeburg, der Volksbank Raiffeisenbank eG Bargteheide – Bergedorf- Stormarn –Vierlanden und der VR eG, Itzehoe –Norderstedt -Hohenwestedt für die Gestaltung der Zukunftsfähigkeit geboten, durch eine Zusammenarbeit und eine mögliche Verschmelzung deutlich mehr Chancen zu heben. Naß: „Wir haben geguckt, wer passt zu uns? Das ist ein großer Schritt, den wir jetzt gehen wollen und mit diesen Partner, haben wir unsere Schwestern und Brüder im Geiste gefunden.“

Die Vorstände der beteiligten Häuser haben in ersten Sondierungen Einvernehmen über wesentliche Themen erzielt und ein einstimmiges Mandat der Aufsichtsräte erhalten. Ziel sei, einen detaillierten Vertrag für die Verschmelzung zu erarbeiten, in dem alle die Kunden, Mitglieder und Mitarbeiter betreffenden Sachverhalte konkret und rechtssicher geregelt sind. Die drei Institute seien wirtschaftlich gesund und stabil, risikoarm und lokal aufgestellt. „Betriebswirtschaftlich werden wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu einer Fusion gedrängt. Uns geht es gut. Und genau aus dieser Stärke heraus wollen wir uns mit Partnern zusammen-schließen, die genauso an einer erfolgreichen Zukunft interessiert sind wie wir“, so Kerstin Andresen. „Es ist keine Fusion, um Kosten zu sparen. Wir brauchen auch weiterhin alle Mitarbeiter und jeder soll möglichst da arbeiten, wo sein Wohnort ist“, führt Naß weiter aus. Die Herausforderungen durch veränderte Rahmenbedingungen wurden gemeinsam als Team in Ratzeburg und Krummesse bereits in der Vergangenheit aktiv angenommen und die Raiffeisenbank Ratzeburg hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.

Darüber hinaus blieben jedoch zahlreiche weitere Fragen: Reicht der Umbau der Strukturen? Reichen die Erweiterungen der Geschäftsfelder? Können wir den Mitgliedern und Kunden noch mehr bieten? Muss die Verschmelzung jetzt kommen? Ist das wirklich erforderlich? „Wir haben eine Chance erkannt und die Chance wahrgenommen. Immer mit dem Bewusstsein der hohen Verantwortung unseren Mitgliedern, Kunden und Mitarbeitern gegenüber. Diese Chance in der Form zu ergreifen fühlt sich für uns richtig an“, so Thomas Naß. Durch den Zusammenschluss könnten die Geschäftsfelder ausgeweitet werden, die bislang nicht ausreichend abgedeckt werden konnten beziehungsweise zukünftig an Stellenwert gewinnen werden.

Das Regionalprinzip soll weiterhin Markenkern sein. Auch nach der Fusion bleiben Name, Standorte und Fillialen erhalten. Foto: Anders

Investitionen in Zukunftsthemen könnten einfacher, schneller und effizienter bereitgestellt werden. Und mehr denn je gelte es, als attraktiver Arbeitgeber Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können, um gute und engagierte Mitarbeiter, Experten und Know-How-Träger zu finden und zu binden. „Unsere Mitglieder und Kunden werden ihre Bank vor Ort weiterhin so erleben, wie sie es gewohnt sind. Die regionale Marke Raiffeisenbank Ratzeburg bleibt ebenso bestehen wie unsere beiden Geschäftsstellen in Krummesse und Ratzeburg. Ergänzt werden diese durch die Niederlassungen Raiffeisenbank Bargteheide, Volksbank Bergedorf, Volksbank Stormarn, Vierländer Volksbank, Norderstedter Bank und VReG. Wir bleiben für Sie dezentral leistungsstark aufgestellt, um vor Ort in der Region weiter flexibel, schnell und kompetent für Sie da zu sein“, erläutert Vorstandsmitglied Kerstin Andresen. Vorortservice verbunden mit einer „24/7“-Erreichbarkeit, Stärkung der qualifizierten Beratung und schnelle Entscheidungen in den Regionen vor Ort werden wesentliche strategische Grundpfeiler sein. Die Kundennähe wird erhalten bleiben. Wir werben für die Zustimmung der Vertreter und Mitglieder der beteiligten Banken zu einem auf die Zukunft ausgerichteten Haus mit den folgenden wirtschaftlichen Eckpfeilern: 40.000 Mitglieder, über 110.000 Kunden, zirka drei Milliarden Euro Bilanzsumme, knapp sechs Milliarden Euro Kundenwertvolumen und eine halbe Milliarde Euro Eigenkapital.

„Im Rahmen der Verschmelzung sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Unsere Basis für den Erfolg sind unsere Mitarbeiter. Durch diese Verschmelzung entstehen berufliche Chancen. Wir vollziehen damit einen wichtigen Schritt zur Stärkung eines noch interessanteren Arbeitgebers, bei dem Karrieremöglichkeiten und Attraktivität steigen. Wir sind absolut davon überzeugt, dass es das Richtige ist „, betont Vorstandsmitglied Thomas Naß und weist darauf hin, dass die Verantwortung des Kundengeschäftes bei den bekannten Ansprechpartnern in der jeweiligen Region bleiben wird.

Als Zeitpunkt der Verschmelzung ist der 1. Januar 2021 vorgesehen. Die Beschlüsse sollen in den Mitglieder- beziehungsweise Vertreterversammlungen im Mai 2021 rückwirkend gefasst werden.