Alles wie immer und trotzdem ganz anders – Ratzeburger Lesefrühling im Herbst

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(v.li.) Domprobst und Hausherr Gert-Axel Reuß, Michael Hagedorn (Orga-Team), Kathrin Steffen (Orga-Team) und Andreas von Gropper (Bürgerstiftung) laden zum bereits 16. Ratzeburger Lesefrühling ein. Ort ist erstmalig der Dom im Coronaherbst. Foto: Anders
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Ratzeburg (aa). Nachdem der 16. Ratzeburger Lesefrühling Corona bedingt nicht gemäß der Jahreszeit durchgeführt werden konnte, entschieden sich die Veranstalter schon früh die Traditionsveranstaltung zu verschieben (Herzogtum direkt berichtete). Kurz: Aus dem Lesefrühling wird dieses Jahr ausnahmsweise ein Leseherbst und statt im Refektorium zieht die Veranstaltung einmalig in den Dom.

„Ich bin denjenigen, die das durchführen sehr dankbar, dass sie sich unter diesen Umständen darauf einlassen“, erklärt Domprobst und Hausherr Gert-Axel Reuß zuvorderst an das Orga-Team Kathrin Steffen und Michael Hagedorn gerichtet.

„Es wird alles wie immer und trotzdem ganz anders“, beschreibt es der Vorsitzende der Bürgerstiftung Ratzeburg, Andreas von Gropper. So sei die Atmosphäre im Dom eine ganz andere, bedingt durch die Akustik im Vergleich zum Refektorium als auch durch andere Lichtverhältnisse bedingt durch die andere Jahreszeit. „Aber trotz der ungewöhnlichen Situation sind wir freudig erregt. Und wir müssen mit den Traditionen nicht ganz brechen“, freut sich von Gropper, dass es 2020 doch noch einen Lesefrühling geben wird, „Die Freude am Zuhören und Zusammensein, das sind Dinge, die dürfen wir nicht verlernen.“

„Und man kann sich auch auf die Musik freuen, die dieses Jahr Dom geprägt sein wird“, sagt Kathrin Steffen. Ansonsten sei es dieses Mal wichtig, dass sich alle an die Hygieneregeln im Dom halten. So sind am Eingang die Kontaktdaten anzugeben und bis zum Sitzplatz ein Ḿundschutz zu tragen.

„Aber es ist uns auch nicht ganz leicht gefallen, den Lesefrühling umzustellen“, erklärt Michael Hagedorn. Er schätze die intime Atmosphäre im Refektorium sowie die Stimmung, die dort das Sonnenlicht im Frühjahr erzeugt. „Trotzdem glauben wir, dass wir es auch in dieser Form machen können.“ Quasi als Gegenpol zur sakralen Atmosphäre des Doms wird der jeweilige Vorleser dieses Jahr in einem gelben Ohrensessel samt Beistelltisch Platz nehmen.

Das Konzept des Lesefrühlings wurde schon oft erläutert. Die kürzeste Variante lautet: „Ratzeburger lesen für Ratzeburger“. Wem das zu wenig ist, dem sei erklärt, dass auch ein gewisser Überraschungseffekt neben dem einmaligen Ambiente dieser Veranstaltung sicher zum Erfolg verholfen hat. So werden im Vorfeld nie die Namen der Vorleser noch die Titel der Bücher bekannt gegeben. Fest steht nur, dass der Vorleser aus Ratzeburg stammt und einem daher vielleicht bekannt ist. Jeder Leser hat 25 Minuten Zeit. Pro Abend gibt es zwei Leser zu hören. Die Veranstaltung wird jeweils von Musik ebenfalls lokaler Künstler umrahmt. Die Bücher des jeweiligen Abends sowie der Vorabende sind auf einem speziellen Tisch durch die Buchhandlung Weber ausgelegt. Die Zuhörer können am Ende jeden Abends auf Wunsch gleich das soeben vorgestellte Buch kaufen und Zuhause weiterlesen. Der Ausklang am letzten Abend bei einem Glas Wein muss in diesem Jahr allerdings entfallen.

Der Lesefrühling läuft dieses Jahr vom 28. September bis 2. Oktober, jeweils von 19.30 bis 20.45 Uhr im Ratzeburger Dom. Einlass ist bereits ab 18.45 Uhr. Aufgrund der Coronamaßnahmen wird um ein rechtzeitiges Erscheinen gebeten. Jeder Abend hat zirka eine Dauer 75 Minuten. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Das diesjährige Spendenprojekt des Lesefrühlings ist das „Haus Kipepeo“, eine stationäre Wohngruppe für Kinder und Jugendliche auf dem St. Georgsberg in Ratzeburg.