Wohnbaugebiet Seedorfer Straße: Anwohner und Investoren erzielen friedliche Lösung

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Auf der 'grünen Wiese' in der Seedorfer Straße sollen auf auf einer Fläche von rund 9.000 Quadratmeter ein neues Wohngebiet entstehen. Foto: privat
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Ratzeburg (pm). Vom Friedhofserweiterungsland über einen umstrittenen Bebauungsplan zur erfolgreichen Quartiersentwicklung in der Seedorfer Straße in Ratzeburg – ein gelungenes Zusammenwirken zwischen den Anwohnenden, der Kreisbaugenossenschaft Herzogtum Lauenburg und der Raiffeisenbank Ratzeburg eG, könnte nun doch noch eine Erfolgsgeschichte für das Baugebiet an der Seedorfer Straße werden – trotz der konflikthaften Vorgeschichte – das melden die zirka 90 Anwohner aus den Straßen rund um das Baugebiet.
Über einen Zeitraum von mehr als 1,5 Jahren hatte die Anwohnerinitiative versucht die Ratzeburger Lokalpolitik und die städtische (Bau-)Verwaltung davon zu überzeugen, dass es nicht nur um ein Baugebiet, sondern um eine Quartiersentwicklung in diesem Teil der Vorstadt Ratzeburgs gehen sollte. Die Anwohner wünschten sich eine Bebauung, die architektonisch und optisch in die Umgebung passt, die die Möglichkeit der sozialen Begegnung (Räume, Außenflächen) bietet, Parkplätze in einer Tiefgarage, die naturnah ist und eine gute Lebensqualität bietet, eine Kita, die genug Außenspielfläche zum Spielen für die Kinder bereit hält, ein Verkehrskonzept, dass zu wenig zusätzlicher Belastung der Anwohner führt und noch einiges mehr.

Eine knappe Mehrheit der Politik (außer FRW und BfR) und die Bauverwaltung zeigten sich bis zum Schluss unbeweglich. Die Fronten waren verhärtet, das Vertrauen der Bürger in die Umsetzung demokratischer Bürgerbeteilung auf Augenhöhe tendierte aus Sicht der Anwohner gegen Null. Die Anwohnergruppe sah keinen anderen Ausweg als eine Normenkontrollklage und einen Antrag auf einstweilige Anordnung anzustrengen. Erst als die Klage erfolgreich eingereicht war, und weil der neue Bürgermeister an einer guten Lösung für alle Ratzeburger interessiert gewesen sei, sei es möglich geworden, dass sich die Investoren und die Anwohner zusammen an einen Tisch setzen konnten. Die Akteure waren die Kreis-Baugenossenschaft, vertreten durch Herbert Köster als Vorstandsvorsitzenden, die Raiffeisenbank Ratzeburg, vertreten durch Thomas Nass als Geschäftsführer und eine Abordnung der Anwohner. Die Kreisbaugenossenschaft hatte zwischenzeitlich einen Architektenwettbewerb für das Baugebiet ausgelobt und den Anwohnern einen Platz mit Stimmrecht in der Auswahlkommission angeboten, vorausgesetzt, dass die Klage zurückgenommen würde.

Inzwischen hat die Auswahl der Entwürfe der Architekturbüros und Bauunternehmen unter Beteiligung der Anwohnerschaft stattgefunden. „Wir sind begeistert von dem Vorgehen, denn ein Architektenwettbewerb war das, was wir vor zirka zwei Jahren der Politik und der Verwaltung vorgeschlagen hatten. Noch begeisterter sind wir von dem Entwurf der Firma KBNK aus Hamburg, vertreten durch den Architekten Franz-Josef Nähring, der dann mit deutlicher Mehrheit der Abstimmenden angenommen wurde. Der Entwurf umfasst fast alles, was wir gewünscht hatten. Es sind zwar mehr Wohnungen als es uns lieb gewesen wäre und bisher ist nicht klar, ob die Kita die Fläche, die ursprünglich als öffentlicher Spielplatz geplant war nun als Kitaspielplatz einbezieht. Das wäre sehr in unserem Sinn, da im Zentrum der Neubauten auch Spielflächen ausgewiesen sind. Die anderen Aspekte jedoch waren uns so wichtig, dass wir diese Kompromisse eingehen. Herr Köster hat uns und unsere Argumente letztendlich einbezogen und am Architektenwettbewerb beteiligt und nun die Umsetzung des ausgewählten Modells zugesagt. Wir sind gerne bis zur Umsetzung weiter dabei, schließlich geht es um unser Viertel und darum, wie wir hier zusammen leben wollen und können! Das ausgewählte Modell gefällt uns sehr. Es wird den Stadtteil bereichern und die Stadt Ratzeburg schmücken – an dieser Stelle danken wir der Kreisbaugenossenschaft, der Raiffeisenbank für diese tolle Wendung und freuen uns auf weiteres konstruktives Zusammenwirken!“, so Kathrin Roßberg als als Vertreterin der Anwohner.