‚Denkt um! – Abitur 2020 ohne Abschlussprüfungen‘

Forderung eines Durchschnittsabiturs durch Abiturienten der Lauenburgischen Gelehrtenschule.

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Die Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg. Foto: Anders
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Ratzeburg (pm). In einem Brief an Kultusministerin Karin Prien und Ministerpräsidenten Daniel Günther fordern Abiturienten der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG) Ratzeburg die Absage aller Abiturprüfungen und anderweitiger Abschlussprüfungen angesichts der großen Herausforderungen, vor die die Corona-Krise einen jeden stellt. Die Meinung, dass die diesjährigen Abschlussprüfungen abgesagt werden sollen, teilen bereits über 130.000 Menschen, die die Petition zweier Hamburger Abiturienten „ABI 2020 Umdenken: Durchschnittsabitur“ unterzeichnet haben. Auch Karin Prien hatte noch vor einigen Tagen für eine besondere Behandlung des diesjährigen Abiturs plädiert.

Das Abitur solle sich demnach zu hundert Prozent durch die Semesternoten der letzen vier
Semester errechnen. In einem neunseitigen Brief, der von zwei bayrischen Abiturienten in ähnlicher Form verfasst wurde, haben nun auch Abiturienten Ratzeburgs dargelegt, warum das Abhalten der Abiturprüfungen 2020 unter vielerlei Hinsicht unfair und unverantwortlich ist. Dabei nehmen sie Bezug auf die Vergleichbarkeit, welche in der Debatte um das Durchschnittsabitur bisher oftmals als Argument für das Abhalten von Prüfungen angeführt wurde, und weisen auf die ohnehin dem Föderalismus geschuldeten bundesweiten Unterschiede hin. Auch gebe es in der digitalen Infrastruktur sowohl gravierende Unterschiede zwischen den Schulen als auch in den einzelnen Haushalten. Die Ratzeburger Abiturienten verweisen hierbei auf soziale, finanzielle und geographische Unterschiede, die per se keine Herstellung fairer Prüfungs- und Vorbereitungsbedingungen zulassen.

Hinzu komme die psychische Belastung der angehenden Prüflinge, die den Folgen der Corona-Krise geschuldet sind. Schüler hätten unter anderem Angst um Nahestehende, die Mitglieder der Risikogruppe sind, tragen eine besondere Verantwortung, während die Eltern arbeiten, oder müssten in verschiedenster Form helfen. Zudem hemmten die ständige Unsicherheit bezogen auf die Zukunft der Prüflinge und die Frage, ob sie die für den 21. April festgelegten Abiturprüfungen tatsächlich wahrnehmen können, die Aufnahmefähigkeit der Schüler.

In jedweder Form der Abhaltung der Abiturprüfungen zu dieser Zeit bliebe zudem das erhöhte
Infektionsrisiko bestehen. Die reale Infektionsgefahr und das Bewusstsein darüber würde die
Prüflinge in unvergleichbarer Form in ihren Leistungen einschränken.

In dem Brief, der Unterstützung von der Landesschülervertretung der Gymnasien Schleswig-
Holsteins findet und dem sich Abiturienten unter anderem aus Mölln, Lübeck, Fehmarn und St. Peter-Ording angeschlossen haben, sind Lösungswege angeführt, die beispielsweise die besondere Gewichtung der abiturrelevanten Fächer in Betracht ziehen. Ob die Forderungen und Argumente der Schleswig—Holsteinischen Abiturienten von dem Kultusministerium ernst genommen werden und ihnen in Form einer Reaktion seitens der Ministerin Beachtung geschenkt wird, bleibe abzuwarten.

Den kompletten Brief als pdf finden Sie hier.