Mehr als 40 Jugendherbergen im Norden bis auf Weiteres geschlossen

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Die Jugendherbergen im Norden hoffen, dass sie nach der Corona-Krise wieder Werte wie Umweltbildung, Toleranz, Weltoffenheit und Inklusion vermitteln und damit einen wichtigen Beitrag für Gemeinwohl und Zivilgesellschaft leisten können. Foto: DJH-Landesverband Nordmark e.V.
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Hamburg (pm). Die aktuellen Entwicklungen rund um das neuartige Corona-Virus (SARS-CoV-2) treffen auch die Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordniedersachsen hart: Auf Basis der behördlichen Anordnungen der zuständigen Bundesländer schließt der Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) seine Häuser.

Der DJH-Landesverband Nordmark e.V. stellt den Betrieb seiner 45 Jugendherbergen (davon zwei Partnerhäuser) ein. Da touristische Übernachtungen ab sofort untersagt sind, gelten die Schließzeiten für die Jugendherbergen im Norden wie folgt:

Schleswig-Holstein (39 Jugendherbergen): bis einschließlich 19. April 2020
Hamburg (zwei Jugendherbergen): bis einschließlich 16. April 2020
Niedersachsen (vier Jugendherbergen): bis einschließlich 18. April 2020

Alle Gäste haben inzwischen die Häuser verlassen. Das bedeutet, dass weder Klassenfahrten noch Kinderfreizeiten stattfinden, dass weder Familien ihren Urlaub in den Jugendherbergen verbringen noch Radfahrer einkehren, dass weder junge Seminargruppen tagen noch Sportgruppen trainieren. Wo nötig, wurden die Gäste informiert, dass sie leider nicht kommen dürfen. „Obwohl es klare Anordnungen von den Behörden gibt, würden viele Gäste gern weiterhin zu uns kommen, um die Krise für einen Moment vergessen zu können“, berichtet Herbergselternsprecher Arnth Isernhagen. „Doch wir müssen nun alle diszipliniert sein und zu Hause bleiben – auch wenn wir die Gäste liebend gern begrüßen würden und die jetzige Situation für uns erhebliche wirtschaftliche Folgen hat“, mahnt er.

Leere Betten bedeuten leere Kassen
Die ersten Gästeabsagen aus Sorge vor dem Corona-Virus kamen schon seit Mitte Februar. Zugespitzt hat sich die Lage, seit die Schul- und Kita-Schließungen angekündigt worden waren. Damit setzte bei den Jugendherbergen im Norden eine regelrechte Stornierungswelle ein. Schließlich bilden Schulklassen mit ihren Klassenfahrten nach wie vor die größte Gästegruppe in den Jugendherbergen (aktuell ca. 41 Prozent). Vor allem dass zahlreiche Bildungsministerien ihren Schulen Klassenfahrten bis zum Ende des Schuljahres oder sogar des Kalenderjahres verboten haben, verursacht einen nicht aufholbaren Wegfall an Übernachtungen. Doch derzeit brechen auch alle anderen Übernachtungen von Familien, jungen Seminargruppen, Sport- und Musikgruppen sowie Einzelreisenden – mindestens für die Zeit der Schließung, teils weit darüber hinaus – weg.
Das Team der Jugendherbergen und der Hamburger Geschäftsstelle arbeitet unter Hochdruck daran, die zahlreichen Fragen seiner Gäste zu klären und Terminverschiebungen möglich zu machen. Da das Anfragevolumen jedoch außergewöhnlich hoch ist, bittet das Team seine Gäste um Geduld.

Schon jetzt sind weitreichende Konsequenzen für den Landesverband spürbar: „Die Schließungen sind für unseren Fortbestand bedrohlich. Wir verzeichnen Umsatzrückgänge in Höhe eines halben Jahresumsatzes“, sagt Geschäftsführer Stefan Wehrheim.

Für den laufenden Betrieb erhält der DJH-Landesverband Nordmark e.V. keine staatlichen Unterstützungen. Wirtschaftliche Reserven kann der gemeinnützige Verein kaum bilden. „Wir wollen und müssen kostendeckend arbeiten. Deshalb sind wir auf die Einnahmen aus den Übernachtungen angewiesen“, fasst Wehrheim zusammen. Einnahmen von jährlichen Mitgliedsbeiträgen (z.B. 22,50 Euro pro Familie) können den Ausfall nicht abfedern. Im Jahr 2019 verzeichnete der Landesverband noch rund 1.043.000 Übernachtungen in seinen knapp 8.000 Betten. Zu diesem Jahresergebnis tragen etwa 800 Mitarbeiter in den Jugendherbergen sowie in der Hamburger Geschäftsstelle bei.

Verantwortung für rund 800 Mitarbeiter – Appell an die Politik
Der Landesverband gibt sich kämpferisch und will für seine Mitarbeiter Sorge tragen. „Wir sind uns unserer Verantwortung hier sehr bewusst“, betont Angela Braasch-Eggert, Vorsitzende des Landesverbands. „Doch ohne Unterstützung durch die jeweiligen Behörden wird das nicht möglich sein.“ Sie appelliert daher an Bundes- und Landesregierungen: „Bitte lasst die traditionsreichen Jugendherbergen in ihrem Jubiläumsjahr, im 111. Jahr ihres Bestehens, nicht im Stich.“ Seit Beginn der Krise wendet sich der gemeinnützige Verein an die zuständigen Ministerien, um das Gespräch zu suchen und Unterstützung einzufordern.

Schon jetzt sind erste personelle Einschnitte spürbar: Geringfügig Beschäftigte können teilweise aktuell nicht weiter beschäftigt werden, Kurzarbeit wird beantragt. Um überhaupt weiterhin liquide sein können, hat der eingetragene Verein – wo möglich – sämtliche Investitionen für Modernisierungen und Instandhaltungen der Jugendherbergen sowie Marketing-Maßnahmen gestoppt. Damit will der DJH-Landesverband Nordmark e.V. dazu beitragen, dass er die Krise gemeinsam mit seinen Mitarbeitern besteht und möglichst viele Standorte erhalten bleiben. Landesverbandsvorsitzende Angela Braasch-Eggert fasst die Lage zusammen: „Das Wichtigste ist zu allererst, dass wir unsere Mitarbeiter, unsere Gäste und Partner schützen. Gemeinsam müssen wir dazu beitragen, dass sich das Virus nicht weiter verbreiten kann. Als nächstes müssen wir die vielen offenen, teils versicherungsrechtlichen Fragen klären. Wir kämpfen im Sinne unserer Mitglieder und Mitarbeiter dafür, dass der DJH-Landesverband Nordmark diese schweren Zeiten übersteht. Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, dass alle Ebenen gut abgestimmt zusammen arbeiten und an einem Strang ziehen.“

Über den DJH-Landesverband Nordmark e.V.
Der DJH-Landesverband Nordmark e.V. mit Sitz in Hamburg ist einer von 14 Landesverbänden im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH). Er betreibt 39 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein (davon zwei Partnerhäuser – Helgoland und Neumünster), zwei Jugendherbergen in Hamburg und vier Jugendherbergen im nördlichen Niedersachsen (in den Landkreisen Cuxhaven und Stade).

Im Jahr 2019 verzeichnete der gemeinnützige Verein knapp 1.043.000 Übernachtungen (minus 2 Prozent) und begrüßte mehr als 345.000 Gäste in seinen 45 Jugendherbergen.

Die größten Gästegruppen bilden Schulklassen und Hochschulgruppen (knapp 41 Prozent), Familien (fast 20 Prozent) und junge Tagungsgruppen (gut 17,5 Prozent). Aber auch Kitas, Einzelgäste (z.B. Backpacker), Wandergruppen, Radfahrer und Freizeitgruppen kehren immer wieder in die Jugendherbergen im Norden ein.

Für Schulklassen bieten die Jugendherbergen als außerschulischer Lernort vielfältige Programme in den Bereichen Umwelt & Natur, Kultur & Gesellschaft sowie Gesundheit & Sport an. Während der Schulferien finden Kinder und Jugendliche in Ferienfreizeiten wie den Englisch-Camps und dem Beach-Camp Sylt eine Rundum-Betreuung mit Spaß und Abwechslung. Auch für Familien gibt es Angebote, bei denen sie gemeinsam mit anderen Familien die jeweilige Region erkunden.

Da das DJH ein eingetragener Verein ist, sind seine Leistungen – Übernachtung, Verpflegung und Programm in den Jugendherbergen – seinen Mitgliedern und den Mitgliedern der weltweiten Vereinigung „Hostelling International“ vorbehalten. Eine Mitgliedschaft im DJH-Landesverband Nordmark kostet zwischen 7 Euro (Junior bis einschließlich 26 Jahre) und 25 Euro (Verein, Schule) pro Jahr. Aktuell zählt der Landesverband ca. 191.700 Mitglieder.

Deutschlandweit gehören die Jugendherbergen mit annährend 2,5 Millionen Mitgliedern zu den mitgliedstärksten Verbänden in Deutschland und leisten mit ihrem Engagement für Werte wie Umweltbildung, Toleranz, Weltoffenheit und Inklusion einen wichtigen Beitrag für Gemeinwohl und Zivilgesellschaft – vor allem als der erfahrenste Anbieter von Klassenfahrten und Ferienfreizeiten und damit als außerschulische Lernorte mit Mehrwert.