Grünes Licht für Modernisierung und Erweiterung der Ruderakademie Ratzeburg

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Freude über die mündliche Zusage von Fördergeldern zur Modernisierung der Ruderakademie Ratzeburg bei (v.li.) Bürgervorsteher Ottfried Feußner, Bundestagsmitglieder Norbert Brackmann (CDU), Akademieleiter Reinhart Grahn sowie Bürgermeister Gunnar Koech. Foto: Anders
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Ratzeburg (pm). „Die Ruderakademie Ratzeburg wird in den kommenden Jahren aufwendig modernisiert und erweitert. Der Bund unterstützt das seit langem geplante Umbaukonzept mit rund 4,3 Millionen Euro. Das hat mir Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, bestätigt. Endlich tragen meine Anstrengungen Früchte“, berichtete der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann, der sich seit 2017 für die Erweiterung der Ruderakademie Ratzeburg im Bund einsetzt und gestern die frohe Kunde nach Ratzeburg zu Reinhart Grahn, dem Leiter der dortigen Ruderakademie brachte. Wegen der Finanzsituation der Stadt Ratzeburg als Eigentümer der Ruderakademie sichere der Bund sogar die maximale Förderquote von 40 Prozent statt der üblichen 30 Prozent der Bausumme zu. Ein weiterer großer Anteil werde das Land Schleswig-Holstein übernehmen, den kleinsten Teil muss die Stadt selbst übernehmen.

„Der schleswig-holsteinische Innenminister Hans-Joachim Grote und sein Haus, haben die Planungen unterstützt und den Antrag mit vorbereitet. Das Land wird sich erheblich an der Finanzierung beteiligen. Dass sich der Innenminister persönlich für das Projekt eingesetzt hat, ist ein weiteres gutes Beispiel für die enge Zusammenarbeit. Neben Bund und Land leistet die Stadt Ratzeburg den dritten, großen Finanzierungsanteil. Insgesamt sollen in die Modernisierung und Erweiterung rund 12,2 Millionen Euro investiert werden. Eine Fertigstellung und Übergabe ist für 2021/2022 vorgesehen“, gab Norbert Brackmann bekannt.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, gemeinsam über alle föderalen Ebenen hinweg, eine solche Finanzierung zu stemmen und das Ziel zu erreichen, die altehrwürdige Ruderakademie an die heutigen Bedürfnisse der deutschen Rudernationalmannschaft anzupassen. Das ist ein starkes Bekenntnis zum Bundesstützpunkt Ratzeburg/Hamburg des Deutschen Ruderverbandes. Wir erwarten von unserer deutschen Rudernationalmannschaft nicht weniger als internationale Spitzenleistungen. Dafür braucht es ebensolche spitzenmäßigen Voraussetzungen, angefangen bei der Trainingsinfrastruktur. Diese werden nun mit der Zusage des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat möglich“, sagte Norbert Brackmann.

„Da hat man sich sehr für uns eingesetzt“, freute sich auch Bürgermeister Gunnar Koech über diese mündliche Zusage von Bund und Land, „Da wird auch meinen Vorgänger, Rainer Voß, das Herz aufgehen, der sich sehr für das Projekt eingesetzt hat. Wir sind auf die Unterstützung angewiesen, weil für die Stadt aus Eigenmitteln gar nicht leistbar wäre.“

Der Deutsche Ruderverband (DRV) freut sich über die offizielle Zusage für den Ausbau des Bundesstützpunkts in Ratzeburg. Die Akademie wurde 1968 errichtet und bedarf nach verschiedenen Erhaltungsmaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten nun aber einer grundhaften Modernisierung. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahrzehnten die Anforderungen verändert. Die Nationalmannschaft ist größer geworden, benötigt mehr Platz. Seit 1976 sind Frauen in unterschiedlichen Klassen Teil der olympischen Rudernationalmannschaft und auch der Jugendbereich wurde größer. Längerfristige gemeinsame Trainingsmaßnahmen sind deshalb nur unter Einschränkungen beziehungsweise Abstrichen möglich. Neben der Unterbringung haben sich auch die Anforderungen an den sportlichen Bereich deutlich erhöht. Die Ruderakademie hat diese Professionalisierung des Sports aber nur unzureichend nachvollzogen. Bei Errichtung der Ruderakademie in den sechziger Jahren wurde der leistungsdiagnostische Bereich nicht berücksichtigt. Bis heute gibt es aufgrund der baulichen Situation keine eigenen, auf die Anforderungen hin konzipierten Räume. So hat der Ausbau unter anderem zum Ziel, den neuesten Stand der Trainingswissenschaft umzusetzen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den neuen Möglichkeiten für das Kraft- und Ausdauertraining an Land, Technikschulungen sowie dem Einsatz der Digitalisierung. Zudem sollen das Training am DRV-Leitstützpunkt und die Ausbildung von Trainern noch besser vernetzt sowie Theorie und Praxis vereint werden.

„Derzeit stehen insgesamt 4.400 Quadratmeter für alle Funktionsbereiche zur Verfügung. Durch den Umbau sollen künftig 7.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die zusätzlichen Flächen für neue Bootshallen, Ergometer- und Krafträume, mehr Betten und ein größeres Sportinternat sollen im Wesentlichen im Bestand, durch Umbauten und Aufstockungen, gewonnen werden. Aber auch zusätzliche Flächen im südlichen Bereich der Akademie sollen hinzukommen. Die Stadt Ratzeburg hat hierzu bereits den entsprechenden Bebauungsplan in 2017 beschlossen. Die Planungen können also nach offizieller Freigabe durch den Bund und das Land sofort beginnen“, sagt Norbert Brackmann abschließend.

In den kommenden Monaten gilt es nun, die detaillierten Planungsunterlagen fertig zu stellen, damit mit Beginn der Olympischen Spiele in Tokio 2020 die endgültigen Bewilligungen vorliegen und die Baumaßnahmen realisiert werden können. „Ziel soll es sein, dass wir schon im kommenden olympischen Zyklus, also 2020 bis 2024, von den neuen Einrichtungen profitieren können“, so der DRV-Vorsitzende Siegfried Kaidel. Übrigens: Seit 2000 wurden die Grundlage von allein fünf Goldmedaillen in der Ratzeburger Ruderakademie gelegt.

Die Stadt Ratzeburg muss nun den Eigenanteil in den kommenden Haushalt einplanen. Seitens des Ruderverbands ist aktuell die endgültige Beantragung aller Gelder bis Juni 2020 vorgesehen. Liegen dann alle Genehmigungen vor könnte der Baubeginn bereits August/September 2020 sein. Die geschätzte Baudauer beträgt 1,5 Jahre.

Hintergrund

Der Deutsche Ruderverband hat 2015 der Stadt Ratzeburg mitgeteilt, dass man gerne den Ruderstandort Ratzeburg weiter ausbauen möchte. Die Stadt hatte hierzu seine vollumfängliche, ideelle und auch nach Möglichkeiten finanzielle Unterstützung zugesagt.

Mit dem Deutschen Ruderverband wurden die sportfachlichen Anforderungen formuliert und ein erster Antrag in 2018 an das Land Schleswig-Holstein gerichtet, der diesen unterstützte und beim Bund für die Bauplanung 2019 anmeldete. Die Modernisierung und Erweiterung der Ruderakademie Ratzeburg wurde jedoch nicht in die Bewilligungsplanung 2019 aufgenommen, sondern sportfachlich zurückgestellt und nur auf die Nachrücker-Liste gesetzt. In 2019 erfolgte eine Überarbeitung des Antrags in Abstimmung mit dem Land und dem Bund für die Bewilligungsplanung 2020.

Dieser Antrag wurde von Norbert Brackmann erneut unterstützt. Es fanden diverse Gespräche, auch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Stephan Mayer im Bundesinnenministerium statt, in dem Brackmann für das Projekt warb In der Abstimmung zwischen dem Bundesinnenministerium und dem DOSB über die Bewilligungsplanung 2020 wurde die Ruderakademie Ratzeburg nun aufgenommen.