5. Stern der Leistungsbewertung ‚Roter Hahn‘ für die Freiwillige Feuerwehr Ritzerau

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Löscheinsatz unter Atemschutz nach FwDV3. Einsatzszenario war eine Brandentwicklung mit vermisster Person in einem landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude. Foto: Jenny Kontosz
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Ritzerau (pm). Am Sonntag, 22. September 2019, haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Ritzerau sich erfolgreich der Leistungsbewertung Roter Hahn Stufe fünf des Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein gestellt und damit erste der Feuerwehren im Amt Sandesneben-Nusse diese Leistungsstufe bewältigt. Als Lohn schmückt die Plakette am Feuerwehrgerätehaus in Ritzerau nun der fünften Stern.

Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein (LFV SH) bietet den Feuerwehren des Landes seit 2003 die Möglichkeit, ihre Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit in der externen Leistungsbewertung „Roter Hahn“ prüfen zu lassen. Neben der Bewertung formaler Kriterien (absolvierte Lehrgänge, Prüfnachweise technischer Geräte) werden der Pflegezustand der anvertrauten Ausrüstung, der Dienst- und Einsatzkleidung und vor allem das “handwerkliche Können” in realitätsnahen praktischen Einsatzübungen, sowie im Ausbildungsbetrieb beurteilt. Eine Kommission bewertet die taktische Führung von Lösch- oder Hilfeleistungseinsätzen ebenso, wie den fachmännischen Umgang mit Fahrzeug und Geräten oder die Kommunikation und die koordinierte Zusammenarbeit aller Beteiligten. Im Rahmen der Leistungsbewertung gibt es fünf Stufen, wobei die Stufen eins bis vier auf Kreisebene und die Stufe fünf sowie eine Sonderstufe durch den LFV SH durchgeführt wird.

Nach dem erfolgreichen absolvieren der Stufe vier in 2017 fassten die Kameraden der Wehr Anfang des Jahres den Entschluss, sich auch den Herausforderungen der Stufe fünf zu stellen – diesmal dann mit dem neuen, 2018 in Dienst gestellten Einsatzfahrzeugs des Typs MLF. Nach monatelangem intensiven theoretischen und praktischen Übungsbetrieb, und begleitet von Vorbereitungen der gesamten Gemeinde Ritzerau, war es dann am Sonntag endlich soweit. Bei schönstem Spätsommerwetter trat die FF Ritzerau unter Führung von Wehrführer Norbert Liebnow morgens um 9 Uhr fast vollzählig an und begrüßte die fünfköpfige Bewertungskommission des Landesfeuerwehrverbandes unter Leitung von Hans Günter Wichelmann, Fachleiter Wettbewerbe beim LFV SH. Auch die Ehrenabteilung der Feuerwehr war zahlreich vertreten. Als Beobachter begleiteten die Leistungsbewertung der Stellvertretende Kreiswehrführer Torsten Möller, der Amtswehrführer Volker Bockholt, der Fachwart Leistungsbewertungen des Kreisfeuerwehrverbandes Ralf Kreutner, Vertreter der umliegenden Freiwilligen Feuerwehren und zahlreiche interessierte Zuschauern aus der Gemeinde Ritzerau.

Nachdem die Bewertungskommission sich zunächst vom einwandfreien und geprüften Zustand der technischen Ausrüstung, der Räumlichkeiten des Feuerwehrgerätehauses und der Dienstkleidung überzeugen konnte, stand als nächstes der Ordnungsdienst auf dem Programm. In Stärke 1/20 marschierte die FF Ritzerau eindrucksvoll und einwandfrei mit Richtungswechseln und Halten, bevor die Bewertungskommission im folgenden Abschnitt den internen theoretischen Ausbildungs- und Unterweisungsbetrieb begutachtete. Es wurde zunächst eine Ausbildungseinheit zum Thema „Biogasanlagen – Grundlagen und Einsatztaktik“ durch den Stellvertretenden Wehrführer Jan Sass vorgetragen, anschließend eine Sicherheitsunterweisung zum Thema „Sonder- und Wegerecht“ durch den Sicherheitsbeauftragten Christian Stamer und abschließend ein Vortrag zur Tätigkeit der Brandschutzerzieherin und -aufklärerin der Wehr, Agnes Wolny.

Foto: Jenny Kontosz

Anschließend folgte der praktische Teil der Leistungsprüfung. Nachdem sich die Kameraden mit ihrer Einsatzkleidung ausgerüstet hatten und diese durch die Bewertungskommission eingehend geprüft wurde, konnten zufällig ausgewählte Kameraden ihr Können und Geschick mit Knoten und Stichen in verschiedenen Situationen unter Beweis stellen.

Nach einer kurzen gemeinsamen Mittagspause mit allen Beteiligten und Beobachtern wurden dann die drei geplanten Einsatzübungen durchgeführt. Zunächst wurde ein technischer Hilfeleistungseinsatz nach Feuerwehrdienstvorschrift 3 unter Leitung von Gruppenführer Wolfgang Platzeck durchgeführt. In diesem Einsatzszenario wurde eine verunfallte und unter einem landwirtschaftlichen Gerät eingeklemmte Person unter Nutzung von hydraulischen Werkzeug patientengerecht befreit und gerettet. Im Rahmen der zweiten Einsatzübung wurde eine Höhenrettung einer verunfallten Person von einem Garagendach mit Hilfe einer Schleifkorbtrage und einer schiefen Leiterebene unter Leitung des Stellvertretenden Wehrführers Jan Sass durchgeführt. Anschließend konnten einige Einsatzkräfte noch demonstrieren, wie man sich fachgerecht selbst rettet und abseilt.

Zum Abschluss stand dann die „Paradedisziplin“ auf dem Programm, der Löscheinsatz unter Atemschutz nach FwDV3. Einsatzszenario war eine Brandentwicklung mit vermisster Person in einem landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude. Die Bewertungskommission wurde zunächst durch den Stellvertretenden Wehrführer Jan Sass über die Besonderheiten und Gefahren des durch die Kommission ausgewählten Objektes informiert. Danach wurden durch die Bewertungskommission einige Positionen in der durch Gruppenführer Jan Liebnow geführten ersten Einsatzgruppe vorgenommen. Im Einsatzgeschehen wurden dann durch die Bewerter zwei Lageveränderungen vorgenommen, auf die die Wehr inmitten der Suche nach der vermissten Person in dem verrauchten Gebäude reagieren musste. Zunächst kam es außerhalb des Gebäudes zu Explosionen, auf die zunächst mit einem Rückzug der Einsatzkräfte und dann der Vornahme eines zweiten Angriffstrupps reagiert werden musste. Fast zeitgleich kam es innerhalb des Gebäudes zu einem Atemschutznotfall, der Kontakt zum vorrückenden Trupp brach ab und ein Sicherungstrupp musste die beiden verunfallten Kameraden retten. Trotz einiger Aufregung konnte dieser dann doch etwas kompliziertere Einsatz ruhig und sicher abgearbeitet werden. Hierbei wurde dann auch simuliert, wie Kräfte nachrückender Wehren eingebunden werden.

Bewertet wurden bei allen Einsatzübungen auch der vorschriftsmäßige Funkverkehr, das Absichern der Einsatzstelle und die Zusammenarbeit zwischen der Einsatzgruppe und der Unterstützungsgruppe.

Während die Einsatzstelle aufgeräumt und das Einsatzfahrzeug sowie die Gerätschaften wieder einsatzbereit gemacht wurden, wertete die Kommission die über den Tag beobachteten Leistungen aus. Nach mehr als sechs Stunden, viel Schweiß und natürlich einiger Aufregung folgte dann der Lohn der Anstrengungen. Nachdem Wehrführer Norbert Liebnow die Freiwillige Feuerwehr Ritzerau noch einmal in Dienstuniform angetreten lassen hatte, konnte Hans Günter Wichelmann als Leiter der Bewertungskommission das erfreuliche Ergebnis verkünden: Die Leistungsbewertung Stufe fünf wurde mit einem hervorragendem Ergebnis abgeschlossen. Er betonte bei seinen Glückwünschen genauso wie nachfolgend die Vertreter der Kreis- und Amtswehrführung, dass die Gemeinde Ritzerau sich glücklich schätzen kann eine so gut aufgestellte, ausgebildete und harmonisierende Wehr zu haben. Beeindruckt waren die Bewerter und auch die Beobachter auch von der großen Unterstützung aus der Gemeinde, vor allem natürlich von den Familien der Einsatzkräfte.

Wehrführer Norbert Liebnow bedankte sich abschließend im Namen der gesamten Wehr für die tolle Bewertung und sprach auch seinen Dank an die unterstützenden Familien der Feuerwehrfrauen und Männer, an die gute Unterstützung der Kreis- und Amtswehrführung und die Unterstützung durch die benachbarte Freiwillige Feuerwehr Nusse aus.

Anschließend klang der Tag mit einem gemeinsamen gemütlichen Essen und einem gemütlichen Beisammensein aus.