‚warumAllein?‘ – Ratzeburger Dialogprojekt zum Thema „Einsamkeit“ zieht eine erste Bilanz

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"warumAllein?" - Ratzeburger Dialogprojekt - Moderator Lars Hartwig analysiert zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern der Vorstadt den Stadtteil im Gemeindesaal der Ansveruskirche. Foto: Stadt Ratzeburg
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Ratzeburg (pm). Die erste Runde des Ratzeburger Dialogprojektes „warum Allein?“ hat in der vergangene Woche Menschen in den verschiedenen Stadtteilen zusammengeführt, um über das Thema „Einsamkeit“ zu diskutieren. Moderator Lars Hartwig aus Lübeck erarbeitete mit den jeweiligen Gruppen in der Ansveruskirche, im Rathaus und in der Lauenburgischen Gelehrtenschule an drei Tagen jeweils eine subjektive Stadtteilbeschreibung, in der Faktoren, die Einsamkeit vor Ort begünstigen oder lindern könnten, zusammengetragen wurden. Es galt dabei vor allem öffentliche Begegnungs- wie Veranstaltungsräume zu benennen, an denen Menschen in den Stadteilen zusammen finden können, und deren Erreichbarkeit zu beschreiben. Aber auch die nachbarschaftlichen Entwicklungen in den Wohnquartieren wurden hinterfragt, im Sinne von Zusammenhalt oder Anonymität.

Auf großen Stadteilkarten entstanden so visualisierte Lagebeschreibungen, ergänzt durch eine beschreibende Charakterisierung des jeweiligen Stadtteils. Diese zeigte sich für die Vorstadt und den St. Georgsberg sehr unterschiedlich und vielfältig, von „kleinstädtisch und langweilig“ über „idyllisch, erholsam und naturnah“ bis „schrecklich laut und angenehm ruhig“. Diese Beschreibungen änderten sich durchaus, wenn man einzelne Wohnquartiere in den Blick nahm. So gab es einen deutlichen Unterschied in den Beschreibungen zwischen „alten Wohnblocks“ und den „Neubaugebieten“, der sich ebenso in der Zuordnung von „Anonymität“, eher in den älteren Wohnquartieren und „Gemeinschaft“ , eher in den Neubaugebieten, ausdrückte. Als Mangel wurde in beiden Stadtteilen vor allem das geringe Angebot von Gastronomie und Einzelhandel sowie die fehlenden Veranstaltungs- und Begegnungsräume und Veranstaltungsangebote genannt. Nur wenige Begegnungsinseln konnten jeweils beschrieben werden, an denen Menschen einfach, kostenfrei und ohne Zugehörigkeit in einen Verein oder Organisation zusammenkommen können.

Eine ganze andere Beschreibung zeigte sich auf der Insel. Hier wurde ein lebendiges Stadtzentrum einer Kleinstadt beschrieben, mit einer immer noch funktionierender Einzelhandelsstruktur sowie vielen gastronomischen, kulturellen und freizeitorientierten Angeboten und öffentlichen Begegnungsräumen. Im Gegensatz zu den außenliegenden Stadtteilen zeigten sich diese Angebote in der Bewertung auch deutlich barriereärmer, beispielsweise im Sinne von Kostenfreiheit. So wurden belebte Räume wie der Kurpark und der Marktplatz oder auch wiederkehrende kostenfreie Ausstellungen, Vorträge, selbst musikalische Darbietungen in dieser Stadtteilbeschreibung benannt.

Dies wurde auch in den Dialogrunden in der Vorstadt und dem St. Georgsberg so gesehen, allerdings verbunden mit der deutlichen Kritik, dass gerade die kulturellen Angebote auf der Insel, oftmals in den Abendstunden gelegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar seien. Man käme noch hin, aber nach 20 Uhr nur selten zurück. Aus Sicht des Moderators Lars Hartwig eine überraschende Beschreibung: „Es scheint, dass das Stadtzentrum von Ratzeburg sich mit seinen zahlreichen Angeboten in den Abendstunden von den anderen Stadtteilen gewissermaßen entkoppelt.“

Die gewonnenen Stadtteilbeschreibungen werden nun vom Organisationsteam des Dialogprojektes, das im Rahmen des Programms „miteinander reden“ der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird, ausgewertet. Auf ihrer Grundlage soll am Montag, 21. Oktober 2019, in der Ansveruskirche in der Vorstadt und am Mittwoch, 23. Oktober 2019, in der Grundschule St. Georgsberg jeweils von 15 bis 18 Uhr weiter mit Bürgern über Lösungsansätze und Ideen diskutiert werden, um gerade alleinstehenden Menschen die Teilhabe am stadtgesellschaftlichen Leben zu erleichtern oder zu ermöglichen. Dazu beitragen soll auch eine Umfrageaktion, die bis in den Oktober über einen öffentlichen Aktionsbriefkasten erfolgt. Dieser hat, vollausgestattet mit Stift und Fragebögen, seine erste Station in der Stadtbücherei bezogen.