Schwachen helfen und die Chancen der Zuwanderung erkennen

Neujahrsempfang 2019 des Kiwanis Club Ratzeburg

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Minister Grote (li.) und Kiwanispräsident Gordon Key, der sich beim Minister bedankt. Foto: Werner Büttner
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Ratzeburg (pm). Zum inzwischen schon traditionellen Neujahrsempfang des Kiwanis Club Ratzeburg begrüßte Präsident Gordon Key über 100 Gäste im Rokokosaal des Kreismuseum Ratzeburg und berichtete von den umfangreichen Hilfsprojekten des vergangenen Jahres im Wert von über 14.000 Euro. Nach Grußworten von Landrat Dr. Mager und Bürgermeister Rainer Voß, die beide optimistisch in das neue Jahr schauten, war als Gastredner der Minister für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein Hans-Joachim Grote nach Ratzeburg gekommen und bekannte zu Beginn seines interessanten Vortrages, dass er sich im Internet über Kiwanis informieren musste, weil es in seinem Umfeld keinen Club gibt.

Grote schloss sich dem Optimismus seiner Vorredner an und ging auf die Bemerkung von Frau Merkel ein, die 2015 zum Problem der großen Flüchtlingsströme sagte: „Deutschland ist ein wirtschaftlich starkes Land! Wir schaffen das, wie wir schon Vieles geschafft haben“! Er nannte die Flüchtlingszahlen für Schleswig-Holstein der Jahre 2015 mit 25.000 Personen, 2016 mit 9.950, 2017 mit 5284 und 2018 mit 4.160 Personen. Auf die Einwohnerzahl von Schleswig-Holstein bezogen, sind das also eher geringe Zahlen, die kein wirkliches Problem darstellen. Es sei kein Grund vorhanden, Weltuntergangsszenarien an die Wand zu malen, wie es von manchen Seiten gemacht würde, sondern es sei viel wichtiger, Visionen zu entwickeln, was in der Zukunft geschehen soll und wie diesen Menschen geholfen werden kann. Die Flüchtlinge kommen aus unterschiedlichen Gründen zu uns. Zum einen, weil in ihrem Land Krieg und Folter herrschen und zum anderen, weil sie in Ihrem Land keine guten Lebenschancen hätten. Das sei nicht verwerflich und deshalb gelte es, im vorgegeben rechtlichen Rahmen das Bleiberecht zu prüfen und den Menschen die Chance zu geben, sich hier zu integrieren. Das sei die Pflicht eines jeden deutschen Bürgers. Die Frage sollte sein, wie können wir dabei helfen und nicht, wie schnell können wir die Abschiebung organisieren. Es seien in dieser Hinsicht schon sehr viele gute Erfolge erzielt worden. Nur leider wird viel zu viel auf die wenigen Misserfolge geschaut und nicht so sehr auf die große Zahl der Erfolge.

Es sei die Aufgabe einer zivilen Gesellschaft, Schwachen zu helfen und die Chancen der Zuwanderung zu erkennen und Ideen zu entwickeln, diese Chancen zu nutzen. Wir sollten vielmehr auf den Menschen schauen und nicht so sehr darauf, aus welchem Land jemand kommt und welche Religion er hat. Wir sollten die Fähigkeiten dieser Menschen erkennen und ihnen helfen, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Das in Kürze zu erwartende Einwanderungsgesetz werde auf diesem Wege einen vermutlich guten Rahmen geben und helfen, den Arbeitskräftemangel in vielen Berufen abzubauen.

Es war in dieser Rede von Minister Grote deutlich zu spüren, wie wichtig für ihn das in seinem Ministerium angesiedelte Thema der Integration ist. Auf die Frage eines Zuhörers, warum es so lange dauert, bis abgelehnte Asylbewerber zurückgeschickt werden, antwortete der Minister, dass hierfür die in Deutschland gültigen Gesetze für alle zur Anwendung kommen und dass es keine Personengruppe geben darf, für die dieses Recht nicht gilt. Leider dauere es wegen der Belastung der Justiz sehr oft sehr lange bis einzelne Verfahren abschließend entschieden werden. Das muss eine Gesellschaft ertragen, weil alles andere ein Abschied von der demokratischen Grundordnung sei.