Selbsthilfe als erklärtes Ziel der interkulturellen Fahrradwerkstatt der Ratzeburger Willkommenskultur

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Die interkulturelle Selbsthilfe- und Fahrradwerkstatt der Ratzeburger Willkommenskultur bietet alle 14 Tagen kostenlose Reparaturhilfen und setzt gespendete Fahrräder für den privaten Gebrauch instand. Foto: hfr
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Ratzeburg (pm). Seit nunmehr drei Jahren hilft ein ehrenamtliches, kulturell bunt gemischtes Team unter der Anleitung von Hauke Thomsen und Tarek Al Shadidi in der interkulturellen Fahrradwerkstatt der Ratzeburger Willkommenskultur, Geflüchteten in Ratzeburg und Umland mobil zu werden. Gespendete Fahrräder oder abgelaufene Fundfahrräder werden dort aufbereitet und gegen eine geringe Gebühr zur privaten Nutzung abgegeben.

Selbsthilfe wird dabei groß geschrieben, bei der Instandsetzung, wie auch bei anfallenden Reparaturen. „Wir wollen, dass jeder sein Fahrrad auch selbst in Schuss halten kann und das geht am besten, wenn man die fachmännischen Handgriffe einmal selbst ausprobiert“, sagt Hauke Thomsen. An mehr als 20 Terminen hatte die Werkstatt allein in 2018 geöffnet, in der Regel alle vierzehn Tage sonnabends in der Ernst-Barlach-Schule. „Im Schnitt kamen pro Termin acht Besucher, entweder um ein Fahrrad zu erfragen, um Reparaturen selbst durchzuführen oder sich anleitend helfen zu lassen“, weiß Tarek Al Shadidi zu berichten und zitiert eine stolze Bilanz des fünfköpfigen Teams: zirka 100 Fahrräder wurden im abgelaufenen Jahr instand gesetzt, rund 60 Fahrräder neu ausgegeben und über 100 Mal technische Hilfe und Anleitung für Reparaturen gegeben. Dabei betonen Thomsen und Al Shadidi, dass die interkulturelle Fahrradwerkstatt immer auch ein Begegnungsraum ist, offen für alle Menschen, die ein technisches Problem an ihrem Fahrrad haben.

Denn nirgends, so die Überzeugung der Initiatoren, klappen gegenseitiges Kennenlernen und Integration besser als beim gemeinsamen Arbeiten. Eine Einschätzung, die auch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen (PfD) teilt, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ das Projekt finanziell unterstützt. „Obwohl die Werkstatt eine wirklich große Wirkung entfaltet, gilt es für uns als „Miniprojekt“, sagt Karl Schneider von der Koordinierungs- und Fachstelle des PfD, „Lediglich 500 Euro im Jahr werden dort für Ersatzteile benötigt, um so vielen Menschen zu helfen und zusammenzubringen. Ein tolles Beispiel, was ehrenamtliches Engagement zu leisten vermag.“ Hauke Thomsen und Tarek Al Shadidi wollen angesichts der stetig hohen Besucherzahlen das Angebot der interkulturellen Fahrradwerkstatt auch in 2019 aufrecht erhalten, wie immer mit offenen Türen für alle Probleme rund ums Fahrrad.