Herausforderungen für die Zukunft: Interview mit Ratzeburgs Bürgermeisterkandidat Rainer Voß

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Eine der größten Herausforderungen Ratzeburgs der nächsten Jahre sieht Rainer Voß in der Rettung des Aqua Siwa. Unter anderem mit Hilfe des Städtebauförderungsprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" könnte es gelingen. Foto: Anders
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Ratzeburg (aa). Die Ratzeburger haben keine Wahl könnte man im ersten Moment meinen. Der amtierende Bürgermeister Rainer Voß ist auch gleichzeitig der einzige Bewerber für die kommende Wahl. Doch die Inselstädter können immer noch zwischen Ja und Nein wählen. Und auch Voß selbst sieht trotz mangelnder Gegner keinen Grund sich zurückzulehnen, wie er Herzogtum direkt in einem Interview mitteilte.

Herzogtum direkt: Zur kommenden Wahl haben Sie keinen Gegenkandidaten. Sind Sie erleichtert oder eher besorgt?

Rainer Voß: Weder noch. Und es fällt mir schwer eine Aussage darüber zu treffen. Denn noch bin ich nicht gewählt und die Ratzeburger können zwischen Ja oder Nein wählen. Ich habe in den letzten sechs Jahren meine Arbeit gemacht und ich denke, ich habe es richtig gemacht. Aber auch wenn es keinen Mitbewerber gibt, Wahlkampf mache ich trotzdem, weil es mir ganz besonders wichtig ist, dass die Ratzeburger trotzdem wählen gehen. Es wird plakatiert und ich werden vom 12. Februar bis 1. März, immer dienstags und freitags, von 10 bis 11 Uhr auf den Wochenmärkten präsent sein. Zudem ist noch eine Abendveranstaltung geplant, in der ich Rede und Antwort stehen werde. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass man auch per Briefwahl abstimmen kann. Die entsprechenden Unterlagen kann man ab sofort auch direkt hier im Rathaus ausfüllen und abgegeben.

Hz direkt: Wenn Sie auf Ihre bisherige Amtszeit zurückblicken, was sehen Sie als Ihre größten Erfolge, wo besteht noch Verbesserungsbedarf?

Rainer Voß: Mein Ziel war eine starke Stadt Ratzeburg, die alle Kräfte bündelt. Und es ist gelungen, in den vergangenen sechs Jahren viele Netzwerke zu knüpfen. Ein wichtiger Punkt ist hier die Kinder- und Jugendarbeit. So konnten wir unter anderem die Kindertagesstättenbedarfe mit den Eltern zusammen abstimmen und es besteht eine sehr gute Zusammenarbeit mit allen Trägern. Gut ist auch das Ratzeburger Bündnis gegen Rechtsextremismus, auch wenn ich traurig bin, dass es überhaupt nötig war, dieses zu gründen. Darüber hinaus besteht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Selbstverwaltungsgremien.

Auch finde ich gut, dass wir in den vergangen Jahren unheimlich viel bauen konnten. Wir haben ein neues Gymnasium und bald eine komplett neue moderne Gemeinschaftsschule. Das freut mich, auch wenn der Weg dahin finanziell oft schmerzhaft war. Aber auch die regionale Zusammenarbeit mit den Ämtern und Umlandgemeinden ist sehr gut. Wir haben mit der AktivRegion eine neue Identität im Nordkreis geschaffen.

Was noch nicht gelungen ist, ist die Sicherung des Aqua Siwa. Daran arbeiten wir jetzt und klären, in welchen Teilschritten man eine Sanierung durchführen kann.

Hz direkt: Was sehen Sie als die größte Herausforderung der Stadt Ratzeburg in den nächsten sechs Jahren?

Rainer Voß: Neben der eben schon erwähnten Rettung der Schwimmhalle, ist hier der Bau der großen Umgehungsstraße (B208) zu nennen. Wichtig ist, dass dieses Bauprojekt auch in der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans erhalten bleibt. Ich hoffe, dass ich in meiner nächsten Amtszeit noch den ersten Spatenstich miterlebe.

Hz direkt:  Was haben Sie sich für Ihre nächste Wahlperiode vorgenommen?

Rainer Voß: Ich will weiter an der Haushaltskonsolidierung arbeiten. Hier haben wir in der Vergangenheit bereits viele Maßnahmen ergriffen, das will ich fortsetzen. Zudem ist mein Ziel eine noch intensivere Zusammenarbeit mit der Ratzeburger Wirtschaft und die Entwicklung eines zweiten Gewerbegebiets beim Harmsdorfer Kreuz. Weiter will ich, dass wir die Einrichtungen für Jugend- und Sozialarbeit halten können. Ich bin froh, dass wir uns mit dem Zukunftskonzept Daseinsvorsorge und dem Wohnungsmarktkonzept, wir starten damit am 11. Februar, auf den demografischen Wandel einstellen.  Ich will die Stadtentwicklung weiter in den Vordergrund meiner Arbeit stellen. Das tangiert alle Lebensbereiche der Stadt und der Nachbargemeinden. Dazu gehört beispielsweise auch die Nachnutzung der alten Realschule zu einem Bildungszentrum und auch der Brückenbau am Aqua Siwa. Und ich will meine bisherige öffentliche Präsenz auch in den nächsten sechs Jahren fortsetzen und mit den Bürgern das persönliche Gespräch suchen. Es geht mir darum, die Dinge zu erhalten, die wir jetzt haben. Und das mit einem guten Team hier im Rathaus, das die Belastungen schon spürt.

Hz direkt: Warum sollten die Ratzeburger am 3. März zur Wahl gehen?

Rainer Voß: Weil das Wahlrecht ein ganz ganz wichtiger Punkt in der Demokratie ist. Es gehört zum guten Ton, sein Wahlrecht in Anspruch zu nehmen. Wenn die Ratzeburger mit meiner Arbeit zufrieden sind, dann würde ich mich freuen, wenn sie mir den Rücken stärken und ein klares Mandat für die nächsten sechs Jahre geben. Außerdem warten in den neun Wahllokalen viele Wahlhelfer, denen ich jetzt schon für ihren Einsatz danke.

Hz direkt: Herr Voß, vielen Dank für das Gespräch.