Kiel (pm). In Schleswig-Holstein ist das Shamonda-Virus erstmals in zwei Rinderbeständen nachgewiesen worden. Beide Nachweise betreffen die Variante 2 des Virus. Das Landwirtschaftsministerium unterstützt Tierhaltende bei der Abklärung möglicher Infektionen und übernimmt die Untersuchungskosten für bis zu drei Blutproben je Betrieb. Zugleich bittet das Ministerium um erhöhte Aufmerksamkeit für mögliche Symptome. Dazu zählen bei Wiederkäuern Fieber und Durchfall sowie bei Milchkühen ein deutlicher Rückgang der Milchleistung. Bei Pferden können zentralnervöse Symptome in ursächlichem Zusammenhang mit dem Virus stehen. Für Menschen besteht nach bisherigem Kenntnisstand kein Infektionsrisiko.
Seit Anfang August tritt die Variante 1 des Shamonda-Virus in Süddeutschland und seit Anfang September die Variante 2 auch im Nordwesten Deutschlands auf. Beim Auftreten der genannten Symptome sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden. Zur Abklärung können Proben an das Landeslabor Schleswig-Holstein (LSH) eingesendet werden. Die Kosten für die Probenahme sind von der Kostenübernahme des Ministeriums ausgenommen.
Eine Infektion mit dem Shamonda-Virus ist nicht meldepflichtig und zieht keine Bekämpfungsmaßnahmen nach sich. Ein Impfstoff gegen das Shamonda-Virus ist derzeit nicht vorhanden. Tierhaltende können das Infektionsrisiko daher insbesondere durch eine möglichst geringe Belastung mit Gnitzen reduzieren. Dazu sollten sie den Weidegang in der Dämmerung möglichst vermeiden und auf eine wirksame Insektenabwehr achten. Hierzu zählen der Einsatz von Repellentien, eine erhöhte Luftbewegung sowie Netze im Stall.
Beim Shamonda-Virus handelt es sich um einen Krankheitserreger aus der Gattung der Orthobunyaviren, zu denen auch das seit 2011 in Deutschland vorkommende Schmallenbergvirus gehört. Die ersten Nachweise in Europa erfolgten Ende Juli in Frankreich und der Schweiz, ab Anfang August auch in rinderhaltenden Betrieben in Baden-Württemberg. Mittlerweile sind weitere EU-Mitgliedstaaten wie Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Österreich sowie weitere Bundesländer betroffen. Bislang wurde das Virus in Deutschland überwiegend bei Rindern nachgewiesen. Einzelne Nachweise der vor allem in Süddeutschland zirkulierenden Variante 1 gab es außerdem bei Pferden, Schafen, Ziegen und Alpakas.
Das Virus wird durch Gnitzen, jedoch nicht direkt von Tier zu Tier übertragen. Eine hohe Luftfeuchtigkeit und milde Temperaturen begünstigen die Verbreitung und Aktivität der dämmerungsaktiven Gnitzen.
Verwandte Orthobunyaviren wie das Schmallenbergvirus können bei einer Infektion tragender Tiere – abhängig vom Infektionszeitpunkt – auf den ungeborenen Fötus übertragen werden. Ob das Shamonda-Virus vergleichbare Auswirkungen haben kann, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts finden sich ebenfalls im Netz unter
Shamonda-Virus | Friedrich-Loeffler-Institut