Geesthacht (pm). Wenn Therapiehund Paul den Flur des Auxilium Hospizes in Geesthacht betritt, verändert sich die Atmosphäre sofort. Mit seinem sanftem Blick und ruhigen Schwanzwedeln zieht er viele Blicke auf sich. Paul ist kein gewöhnlicher Hund – er ist ein Trostspender auf vier Pfoten. Gemeinsam mit seiner Halterin Manuela Siebert begleitet er Menschen auf ihrem letzten Lebensweg und schenkt ihnen in einer schweren Zeit Momente der Leichtigkeit, der Freude und des Friedens.
Im Auxilium Hospiz geht es nicht um Heilung, sondern um Lebensqualität, Würde und Beistand auf dem letzten Abschnitt des Lebens. Genau hier setzt die Arbeit des eingespielten Teams aus Mensch und Therapiehund an. Hunde besitzen die einzigartige Fähigkeit, Menschen vollkommen wertfrei und ohne Erwartungen zu begegnen. Sie spüren instinktiv, wie es einer Person geht.
Paul und seine Besitzerin verstehen sich blind. Sie lenkt die Einsätze mit Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl. Wenn Paul sich behutsam an ein Bett lehnt oder seinen Kopf auf die Decke eines Patienten legt, bricht das Eis im Nu.
Das sanfte Streicheln von Pauls weichem Fell senkt nachweislich den Blutdruck und beruhigt den Puls der Hospizgäste. Paul erreicht oft Menschen, die sich aufgrund von Schmerzen, Trauer oder fortgeschrittener Demenz von ihrer Umwelt zurückgezogen haben. Für die Dauer des Besuchs rücken die Krankheit und die Sorgen in den Hintergrund. An ihre Stelle tritt die pure Freude über den tierischen Gast.
Pauls Einsätze im Geesthachter Hospiz sind präzise auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt und erfordern von Mensch und Tier höchste Konzentration. Manuela Siebert kennt ihren Hund ganz genau und weiß, wie sie ihn in jeder Situation anleiten muss. Paul drängt sich niemals auf. Seine wichtigste Eigenschaft ist seine feinsinnige Wahrnehmung. Er spürt ganz genau, wer intensive Nähe sucht und wer lieber einfach nur seine stille Präsenz im Raum genießen möchte.
Manchmal liegt er einfach nur eine halbe Stunde mucksmäuschenstill neben einem Hospizgast und strahlt tiefe Geborgenheit aus. In anderen Momenten zaubert er mit dem vorsichtigen Annehmen eines Leckerlis ein herzhaftes Lächeln auf Gesichter, die oft schon lange nicht mehr gelacht haben.
Manuela Siebert moderiert diese Begegnungen im Hintergrund, gibt Sicherheit und fängt auch die Emotionen der Patienten auf: „Es ist immer wieder tief berührend zu sehen, wie Paul die Herzen der Menschen öffnet. Manchmal reicht ein einziger Blick von ihm und die Anspannung weicht einem Moment des puren Friedens. Paul fordert nichts, er schenkt einfach nur seine bedingungslose Nähe. Genau das gibt den Menschen hier unglaublich viel Kraft.“

So spielerisch und leicht Pauls Arbeit auch aussieht – für den Hund bedeutet seine Arbeit im Hospiz mentale Höchstleistung. Die vielen emotionalen Reize, Gerüche und Stimmungen fordern ihm viel Energie ab. Es ist deshalb wichtig, dass die Einsätze nicht zu lang werden.
Nach getaner Arbeit im Hospiz ist deshalb der Feierabend heilig. Dann darf Paul wieder ganz einfach Hund sein. Bei ausgiebigen Spaziergängen im Wald, beim Toben mit Artgenossen oder beim Schlafen im heimischen Körbchen tankt er die nötige Kraft für seine nächsten Einsätze auf.
Nicht nur für die Hospizbewohner selbst, sondern auch für deren Angehörige und das Pflegepersonal vor Ort ist das Duo ein Segen. In Momenten der Sprachlosigkeit und der tiefen Trauer lockert Pauls Anwesenheit die angespannte Situation auf. Er bringt Leben, Wärme und ein Stück Normalität in eine Umgebung, die oft von schmerzhaften Abschieden geprägt ist.
Paul und Manuela Siebert zeigen jeden Tag aufs Neue, dass man keine Worte braucht, um Trost zu spenden – manchmal reicht einfach eine feuchte Nase, ein weiches Fell und ein großes Hundeherz.








