Herzogtum Lauenburg (pm). Anfang März besuchte Uta Röpcke, Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtages und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die Kreismusikschule Herzogtum Lauenburg. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin Melanie Klinke, dem Schulleiter Marian Henze sowie Rainer Engelmann, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein (per Video-Schalte), informierte sie sich über die aktuelle Situation der ältesten öffentlichen Musikschule des Landes.
Uta Röpcke, die selbst aus dem Herzogtum Lauenburg stammt, betont die Bedeutung von Kultur als öffentliche Daseinsvorsorge: „Kulturelle und musikalische Bildung ist gesellschaftlicher Auftrag und sollte ein zentrales Anliegen aller politischen Akteurinnen und Akteure sein. Zwar ist Kulturförderung als freiwillige kommunale Leistung definiert, aber in Schleswig-Holstein ziehen bei der Musik alle an einem Strang.“
Marian Henze und Melanie Klinke als Leitungsteam äußern jedoch große Sorgen um die Zukunft der Kreismusikschule. „Wir stehen vor drei sich überlagernden Herausforderungen: Wir spüren den einsetzenden Fachkräftemangel als Flächenmusikschule, die rechtliche Situation rund um Herrenberg stellt ein ungelöstes Risiko dar, und gleichzeitig wachsen unsere Aufgabenfelder“, erklärt Henze, der seit September 2025 die Musikschule leitet. Klinke ergänzt: „Ganztag, Qualitätsmanagement und kulturelle Teilhabe – diese Aufgaben sind politisch gewollt, benötigen jedoch eine verlässliche strukturelle Förderung.“
Die 1959 gegründete und seit 1979 in heutiger Form betriebene Kreismusikschule zählt mit 720 unterrichteten Jahreswochenstunden zu den größten des Landes. Rund 2.000 Schüler*innen im Alter von 1,5 bis 90 Jahren erhalten hier Ausbildung in Instrumental- und Ensemblespiel sowie Gesang. 65 Lehrkräfte unterrichten wöchentlich, wobei nur vierzehn tariflich angestellt sind. Die 51 freiberuflich Beschäftigten haben kaum soziale Absicherung, was die langfristige Attraktivität des Berufs beeinträchtigt.
„Die Entgeltzahlerinnen finanzieren die Kreismusikschule zu zirka 66 Prozent, sodass die kommunale und Landesförderung lediglich ein Drittel unserer Finanzierung ausmacht“*, erläutert Klinke. Eine Ausweitung fester Stellen sei daher nur begrenzt möglich. Röpcke betont: „Kulturelle Bildung ist auch ein kommunaler Auftrag. Kultur auszulagern, ist nicht der richtige Weg, denn Kulturpolitik ist auch Gesellschaftspolitik.“
Rainer Engelmann, der mit dem Landesverband der Musikschulen eine Kampagne für den Herbst plant, um die Landespolitik zu sensibilisieren, beschreibt die Bedarfe: „Musikalische Bildung braucht ein Fundament, denn sie liefert Qualität, die verbindet. Öffentliche Musikschulen können einen wertvollen Beitrag zur Nachwuchsförderung liefern und Demokratie erlebbar machen. Zudem braucht ein guter Ganztag ein Musikalisierungsprogramm.“
Neben der Organisation eines kreisweiten Angebots, der Begabtenfindung und -förderung sowie der Fachausbildung für ein künstlerisches oder musikpädagogisches Studium sieht Henze weitere wichtige Aspekte: „Teamfähigkeit, Kreativität, Konzentration, Disziplin und Resilienz erlernen die Kinder automatisch mit – damit trainieren wir genau die Schlüsselqualifikationen, die sie brauchen.“ Auch der Standortfaktor einer öffentlichen Musikschule dürfe nicht unterschätzt werden.
Melanie Klinke fasst zusammen: „Wir wollen unserem Auftrag, eine qualitativ hochwertige musikalische Bildungsarbeit zu leisten, erfüllen – dafür braucht es jedoch verlässliche und rechtssichere Rahmenbedingungen.“ Uta Röpcke versprach, das Thema der Musikschulen im Land und der Kreismusikschule im Besonderen in ihre anstehenden Beratungen und Gespräche einzubringen. Das Leitungsteam dankte ihr zum Abschluss des Gesprächs herzlich.










