Herzogtum Lauenburg (pm). Ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse sind statistisch gesehen von sexueller Gewalt betroffen, das ist das Ergebnis einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2013. „Auch wenn die Zahlen je nach Region natürlich stark variieren, teilen viele Fachkräfte diese Einschätzung über die grundsätzliche Dimension des Problems“, schildert Ole Märtens. Er ist Mitarbeiter der Kreisverwaltung Herzogtum Lauenburg, dort zuständig für erzieherischen Kinder- und Jugendschutz und Koordinator des Aktionsmonats.
„In den vergangenen Jahren hat die Zahl der gemeldeten Missbrauchsfälle im gesamten Bundesgebiet zugenommen“, schildert Märtens – das gilt auch für den Kreis Herzogtum Lauenburg. So wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik des Kreises für das Jahr 2024 insgesamt 34 überwiegend weibliche Opfer im Alter von sechs bis vierzehn Jahren erfasst. Demgegenüber stehen 31 Meldungen aus dem vorhergehenden Jahr.
„Aus diesen Zahlen abzuleiten, dass sexuelle Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche zunehmen, ist aber zu kurz gegriffen“, erklärt Märtens. „Was sich an den Zahlen vor allem ablesen lässt, ist die steigende Bereitschaft, solche Fälle zur Anzeige zu bringen und nicht weiter zu verheimlichen.“ Laut Märtens bleibt es allerdings nach wie vor ein großes Problem, dass viele Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche nicht zur Anzeige gebracht werden. „Studien zeigen, dass nur rund 20 bis 30 Prozent aller Taten überhaupt angezeigt werden. Sehr viele Übergriffe bleiben damit unsichtbar.“
Um die Prävention zu stärken und Betroffenen Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen, haben Fachkräfte verschiedener Institutionen für September 2025 eine Aufklärungskampagne geplant, mit einer Vielzahl von Veranstaltungen im gesamten Kreisgebiet. „Ziel ist es, Betroffene besser zu erreichen, das Schweigen zu brechen, Fachkräfte und Ehrenamtliche zu schulen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren“, erklärt Märtens.
„In Vorbereitung der Aktionskampagne haben sich die Beratungs- und Hilfsinstitutionen intensiv mit den Hilfsmöglichkeiten für Opfer sexueller Gewalt auseinandergesetzt und sich untereinander vernetzt. Deshalb hoffe ich, dass diese Netzwerke auch über den Aktionsmonat hinaus bestehen bleiben um Kinder und Jugendliche in unserem Kreis noch besser zu schützen und derartige Taten häufiger zur Anzeige gebracht werden“, sagt Märtens.
Die erste öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Aktionsmonates findet am Mittwoch, 3.9. unter dem Motto „Ratzeburg: Das bin ich!“ statt. Der Verein „Freie Jugendhilfe fjh e.V.“ organisiert an diesem Nachmittag ein fröhliches Fest für Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und Eltern. Auf dem Fest können werden in unbeschwerter und spielerischer Form Möglichkeiten gezeigt, wie Kinder Problem ansprechen und Hilfe suchen können. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr Am Markt 1 in Ratzeburg, über dem Restaurant Lavastein, und geht bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Das ganze Programm des Aktionsmonats sowie weitere Informationen finden sich auf den Internetseiten des Kreises Herzogtum Lauenburg unter www.kreis-rz.de/schutz25
Hintergrund
Unter anderem sind folgende Institutionen im Kreis Herzogtum Lauenburg fachlich am Aktionsmonat beteiligt:
· fjh – Freie Jugendhilfe e.V.
· Kreis Herzogtum Lauenburg mit mehreren Fachdiensten inklusive Schulamt
· Kirchengemeinde St. Georgsberg / Ratzeburg
· Kreisfachberatung Schulische Erziehungshilfe
· Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg
· Polizeidirektion Ratzeburg
· proFamilia / Geesthacht