Ratzeburg (pm). Das Gesundheitsamt des Kreises Herzogtum Lauenburg setzt sich jedes Jahr ein Schwerpunktthema, das mit Veranstaltungen und Aktionen begleitet wird. In diesem Jahr ist das Thema „Leichenwesen“.
„Zum Leben gehört nun mal auch der Tod“, sagt Dr. Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamtes. „Wir als Gesundheitsamt des Kreises sind dafür zuständig, die wichtigen Pflichten im Rahmen der Leichenschau und der Ausfertigung von Totenscheinen immer wieder ins Bewusstsein von Ärztinnen und Ärzte zu rufen und auch andere Berufsgruppen, die mit Leichen zu tun haben, zu sensibilisieren.“
Deshalb hatte das Gesundheitsamt am 26. März zu einer Fortbildungsveranstaltung in das historische Amtsgebäude in der Barlachstraße in Ratzeburg geladen. Das Interesse aus der Fachöffentlichkeit war riesig: Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in das Gesundheitsamt, um sich zu dem Thema zu informieren. „Unsere Gäste kamen nicht nur aus dem Kreis der Ärzteschaft, sondern auch von der Polizei, Bestattungsunternehmen und weiteren Gesundheitsbehörden“, schildert Dr. Butt.

Leichenschau wichtig für die öffentliche Gesundheit
Als Referentin hatte das Gesundheitsamt Dr. Nadine Wilke-Schalhorst eingeladen. Die Fachärztin für Rechtsmedizin arbeitet als Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin des UKSH. In ihrem Vortrag betonte sie, dass die Rechtsmedizin auch über die Aufklärung von Kriminalfällen hinaus große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit hat. „Will man wissen, woran Menschen in Deutschland gestorben sind, muss man obduzieren“ erläuterte Dr. Wilke-Schalhorst.
Auf die Bedeutung der Todesbescheinigung für die Polizei wies Kriminalhauptkommissar Andreas Heinze von der Bezirkskriminalinspektion Lübeck hin: „Die amtliche Todesbescheinigung ist eine Urkunde, welche neben der Dokumentation der Todesfeststellung, in erster Linie statistischen Zwecken dient (Stichwort „Todesursachenstatistik“). Darüber hinaus begründen sich aus ihr die amtlichen Meldeverpflichtungen, wie im Falle eines nicht natürlichen Todes an die Polizei/Rechtsmedizin oder bei Infektionsverdacht an das Gesundheitsamt.“
Und auch Privatdozent Dr. Christian Herzmann, Leiter des Infektionsschutzes im Kreis Stormarn, bekräftigte die Bedeutung der Todesbescheinigung für die Arbeit der Gesundheitsämter, die für die gesamte Übermittlung der Diagnosen, die im Zusammenhang mit dem Tod und deren Umständen für die Todesursachenstatistik und die Plausibilitätskontrollen zuständig sind.
Landrat dankt Gesundheitsamt und Gästen
Landrat Dr. Christoph Mager konnte zu dem Termin zwar nicht persönlich erscheinen, dankte aber allen Gästen und dem Organisationsteam aus dem Gesundheitsamt im Nachgang: „Mit Veranstaltungen wie dieser leistet das Gesundheitsamt einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung der vielen Akteurinnen und Akteure, auf deren Zusammenarbeit wir für den Gesundheitsschutz und die Gesundheitsförderung der Bevölkerung angewiesen sind.“
Dr. Kaschlin Butt wies am Ende noch auf weitere Veranstaltungen zum Thema hin: „Zum Tag des Offenen Denkmals am 14. September 2025 wird das historische Gebäude des Gesundheitsamtes in der Barlachstraße 4 in Ratzeburg wieder seine Türen öffnen und einen öffentlichen Vortrag über die Bestattungskultur im Zusammenhang mit seinen Aufgaben im Leichenwesen anbieten.“
Darüber hinaus werden über die Ärztekammer Schleswig-Holstein, unter Beteiligung der Rechtsmedizin des UKSH, Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei wechselweise in Kiel und Lübeck Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Ärztliche Leichenschau und Todesfeststellung“ aus praktischer Sicht angeboten, welche medizinische, sowie juristische und kriminalistische Themen beinhalten.