Herzogtum Lauenburg (pm). Mit einem leisen Surren hebt die Drohne von Drohnenpilot Ben Harrower, vom Waldboden ab. Er steuert das Fluggerät routiniert über die Wipfel des Waldstückes in der Nähe der Domäne Fredeburg, auf seinem Bildschirm ist der Wald in ein schwarz-weißes Licht getaucht, da die Drohne mit einer sogenannten Thermal-Kamera die Wärmeunterschiede aufnehmen kann, ausgestattet ist.
Tiere und Menschen erscheinen auf dem Bildschirm von Harrower daher als hell leuchtende Flecken – ihre Wärmesignatur verrät sie, auch wenn sie sich im Unterholz versteckt haben. Hat er solch einen Fleck entdeckt, schaltet der Drohnenpilot aus Schottland auf die herkömmliche Optik um. Mit dem 400-fach Zoom der Drohne kann er dabei aus großer Höhe selbst kleinste Tiere im Wald erkennen. Live verfolgt er, wie eine Kohlmeise versucht, sich vor dem eisigen Wind im Winterwald zu verstecken.
Die Kohlmeise ist allerdings nur „Beifang“, eigentlich sucht Harrower im Auftrag der Kreisforsten des Kreises Herzogtum Lauenburg nach Schalenwild, vor allem nach Rehen und Hirschen. Denn diese Tiere sind für den Großteil des Wildverbisses verantwortlich, der eine natürliche Verjüngung des Waldes erschwert. Die Kreisforsten setzen in diesem Jahr erstmals auf die Unterstützung von Drohnen, um ein akkurates Bild von den Wildbeständen in den kreiseigenen Wäldern zu gewinnen. Parallel zu den Drohnenbefliegungen wird in den Waldorten von einem Aufnahmeteam am Boden untersucht, wie der Wald wächst.
„Die Frage nach dem tatsächlichen Wildbestand führt zwischen Jägern, Waldbesitzern und Tierfreunden immer wieder zu hochemotionalen Diskussionen“, weiß Marcus Deinert. Als Fachdienstleiter der Kreisforsten hat er das Projekt der Wildtierzählung per Drohne mit initiiert. „Unser Ziel ist es, die Erhebung über einen Zeitraum von fünf Jahren einmal pro Jahr zu wiederholen“, erklärt Deinert. „Damit wollen wir eine objektive Zahlenbasis erstellen, um eine sachlich fundierte Diskussion zwischen allen Beteiligten zu ermöglichen“, schildert der Fachdienstleiter.
Für die Ausführung hat Deinert den schottischen Drohnenpiloten Ben Harrower gewonnen. Harrower gehört zu den Pionieren der drohnengestützten Wildtierzählung und hat insbesondere in Großbritannien schon große Flächen untersucht. In Deutschland dagegen steckt die Tierzählung per Drohne noch in den Kinderschuhen, weiß Marcus Deinert. „Die Kreisforsten Herzogtum Lauenburg gehören zu den ersten, die diese Methode zur Wildbestandsanalyse nutzen.“