Krummesse (pm). In Krummesse ist für acht Tage ein kleines Dorf entstanden. Rund um Zelte, Workshops, Arbeitseinsätze und gemeinsame Mahlzeiten lernen die Jugendlichen des achten Jahrgangs, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen. Das Stecknitz-Camp der Stecknitz-Schule findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt – und ist längst mehr als nur ein Schulprojekt.

Seit dem 25. August leben die Schülerinnen und Schüler durchgehend in Krummesse, auch über das Wochenende. Geschlafen wird in großen Zelten mit etwa zehn Jugendlichen. Der Tag beginnt morgens um sieben, später folgt die „AfA“ – die Arbeitsvermittlung im Camp. Für übernommene Aufgaben gibt es Stempel, mit denen sich beispielsweise besondere Aktivitäten ermöglichen lassen.
Schnell wird deutlich: Gemeinschaft entsteht nicht von allein. Es muss gekocht, eingekauft, gespült und Ordnung gehalten werden. Absprachen müssen funktionieren, Konflikte geklärt und Aufgaben zuverlässig erledigt werden.
Lernen durch Erleben
Das Camp findet bewusst im achten Jahrgang statt – in einer Lebensphase, in der Selbstständigkeit immer wichtiger wird. Die Jugendlichen bekommen nicht erklärt, was Verantwortung bedeutet. Sie erleben sie.
Sie organisieren sich in Gruppen, treffen Entscheidungen, übernehmen Aufgaben und erfahren, dass das eigene Verhalten Auswirkungen auf andere hat. Solche Erfahrungen lassen sich kaum benoten, gehören aber zu den wichtigsten Lernprozessen überhaupt. Selbstständigkeit entsteht dort, wo junge Menschen merken: Es kommt auf mich an.
Die Region wird zum Lernort
Zweimal täglich wählen die Jugendlichen über die campinterne Arbeitsvermittlung Jobs oder Angebote. Dazu gehören handwerkliche und kreative Workshops, Sport, Medienprojekte und eine eigene Nachrichtensendung. Andere arbeiten in Betrieben oder bei Partnern aus der Umgebung.
Mit Fahrrädern geht es zu Unternehmen, Vereinen und weiteren Angeboten. Die Jugendlichen begegnen Menschen aus der Region, lernen Berufe kennen und entdecken Möglichkeiten direkt vor ihrer Haustür.
Dabei entstehen auch Begegnungen zwischen Generationen. Schon nach dem ersten Camp gab es viele positive Rückmeldungen aus der Region. Gerade ältere Menschen berichteten, wie sehr sie den Kontakt mit den Jugendlichen geschätzt hätten. Aus einem Schulprojekt wird so ein Stück regionales Gemeinschaftsleben.

Verantwortung über Jahrgänge hinweg
Auch Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrgangs übernehmen Verantwortung. Sie betreuen Zelte, bieten Workshops an und unterstützen die Achtklässler im Alltag.
Für die Jüngeren sind sie Ansprechpartner auf Augenhöhe. Für die Älteren ist es selbst ein Lernprozess: zuverlässig sein, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und bei Schwierigkeiten vermitteln.
Schule verändert sich durch Beziehung
Eine der stärksten Wirkungen des Camps zeigt sich im Miteinander. Lehrkräfte und Jugendliche erleben sich außerhalb des normalen Unterrichts: beim Arbeiten, Fahrradfahren, gemeinsamen Essen oder abends am Lagerfeuer.
Bereits nach dem ersten Camp berichteten Lehrkräfte von mehr gegenseitigem Verständnis und einem veränderten Umgang im Schulalltag. Wer gemeinsam Erfahrungen gemacht hat, begegnet sich anschließend auch im Klassenraum anders.
Manchmal können acht Tage deshalb mehr verändern als viele Monate normaler Schulalltag.
Acht Tage Camp – ein Jahr Vorbereitung
Hinter dem Projekt steckt enormer Aufwand. Janina Belling und Maike Kaczmarek planen das Camp nahezu ein ganzes Jahr. Zelte, Workshops, Verpflegung, Transport, Partner, Helfer und Sicherheitsfragen müssen koordiniert werden.
Während des Camps sind rund 50 Lehrkräfte beteiligt – mit Workshops, Diensten, Übernachtungen und Aktionen, auch am Wochenende. Hinzu kommen der Schulhausmeister, regionale Betriebe, Vereine, Institutionen und weitere Unterstützende. Erst dieses Netzwerk macht ein Projekt dieser Größenordnung möglich.
Die Region macht mit
Viele Firmen, Vereine und Partner unterstützen das Camp, weil ihnen die Arbeit mit Jugendlichen und die Region wichtig sind.
Davon profitieren beide Seiten: Jugendliche lernen Unternehmen und Berufsfelder kennen, Betriebe erleben junge Menschen beim Arbeiten und Ausprobieren. Aus solchen Begegnungen können Praktika und später vielleicht sogar Ausbildungsverhältnisse entstehen.
Das Camp verbindet damit Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung und regionale Vernetzung.
Die Stecknitz-Schule möchte dieses Netzwerk weiter ausbauen und freut sich über weitere Betriebe, Vereine, Institutionen und engagierte Menschen, die das Camp unterstützen möchten.
Was bleibt
Nicht immer funktioniert im Camp alles. Vielleicht wird ein Dienst vergessen oder es gibt Streit. Aber auch das gehört dazu. Persönlichkeitsentwicklung bedeutet, Herausforderungen zu erleben und daran zu wachsen.
Wenn das Camp endet, verschwinden die Zelte wieder. Was bleibt, sind Erfahrungen: gebraucht worden zu sein, Verantwortung übernommen und vielleicht etwas geschafft zu haben, das man sich vorher nicht zugetraut hätte.
Und vielleicht bleibt auch ein neuer Blick darauf, was Schule sein kann: Nicht nur ein Ort, an dem Wissen vermittelt wird. Sondern ein Ort, an dem junge Menschen lernen, ihr eigenes Leben und ihre Gemeinschaft zu gestalten.










